Holger Badstuber über die Einsamkeit in der Reha und seine Zukunft

»Ich habe die Mannschaft vermisst«

Nach seinen schweren Verletzungen bangte Bayern-Verteidiger Holger Badstuber um die Fortsetzung seiner Karriere. Ein Gespräch über die Einsamkeit in der Reha, Schuldzuweisungen und die WM 2014.

Holger Badstuber, wie haben Sie als Langzeitverletzter die zurückliegende Erfolgssaison des FC Bayern erlebt?
Wie Sie sich denken können, von einer ganz anderen Perspektive als die anderen Spieler. Wenn man nicht spielt, ist es nicht einfach. Aber ich war bei allen Erfolgen nah dran, habe die gute Stimmung aufgesogen und trotz meiner Verletzung den Eindruck, die Ereignisse auch genießen zu können. Die Mannschaft hat versucht, mich überall mit einzubeziehen. 

Die Spieler haben beim Jubeln nach dem Champions League Sieg Ihr Trikot in die Kamera gehalten.
Das war superschön. Aber fast wichtiger als solche Gesten war, dass die Mitspieler während der ganzen Zeit ständig auf mich zugekommen sind und nach der Operation auch angerufen haben. Dieser Zusammenhalt hat sicher auch zum Erfolg in der vergangenen Saison beigetragen.

Aber es war schon eine sehr tragische Zeit, oder?
Wenn man so lang verletzt ist, ist es doch kein Wunder, wenn mal ein Scheißtag dabei. Das erlebt doch jeder. Aber ich war nie über längere Zeit in einem Loch. Das liegt wohl an meinem Naturell, dass ich schnell wieder nach vorne denken kann.

Inwieweit hilft Ihnen da der Mentaltrainer?
Für mich ist mental wichtig, wie das Team und mein Umfeld zu mir steht. Und wenn ich durch diese Zeit bin, bin ich mental garantiert stärker als viele andere.

Haben Sie darüber nachgedacht, dass die beiden Kreuzbandrisse auch Ihr Karriereende bedeuten könnten?
Nein, denn ich kenne die Meinung der Ärzte genau. Und die sagen, dass alles wieder gut wird. Am Knie ist außer des Kreuzbandes nichts beschädigt, deshalb verschwende ich keinen Gedanken daran.

Können Sie wieder normal laufen?
Ich habe keine Krücken mehr, ich kann normal gehen. Momentan trage ich noch eine Schiene, die allerdings nur dem sicheren Gefühl beim Gehen dient.
Denken Sie unter diesen Voraussetzungen über die WM 2014 nach?
An schöne Ereignisse denkt man immer. Aber momentan ist die WM für mich logischerweise in sehr großer Entfernung. Ich muss gesund werden, mein Programm abspulen und langsam wieder ans Team heranwachsen. In meiner Situation kann es nur Schritt für Schritt gehen.

Haben Sie in dieser langen Zeit mal darüber nachgedacht, wer die Schuld an der Verletzung trägt?
Nein, solche Gedanken führen zu nichts. Es bringt nicht zu jammern und zu hadern. Sicher habe ich mir anfangs auch viel Gedanken über das Zustandekommen gemacht, aber sowas ist der Heilung nicht förderlich, weil man sich verschließt. Ich denke deshalb nun nur darüber nach, gesund zu werden. Es wird alles gut, es ist nur eine Frage der Zeit.

Bei einem Profifußballer wird bei einer Verletzung oft sehr schnell operiert. Sie haben sich innerhalb eines Jahres vier Mal operieren lassen. Spüren Sie übermäßig Druck? Nein, ich habe ein großartiges Ärzteteam, die vielleicht besten Ärzte, die es bei dieser Art von Verletzung gibt. Sie wollen das Beste für mich und wir entscheiden deshalb in Ruhe und gemeinsam, was gemacht wird.

Nun waren Sie ein paar Tage mit im Trainingslager am Gardasee, obwohl Sie nicht trainieren konnten. Wie wichtig war es, wieder bei der Mannschaft zu sein?
Das habe ich sehr vermisst. Schließlich war ich jetzt sieben Monate nicht mehr so nah dran. Ich wollte mir natürlich auch einen Eindruck machen will, wie der neue Trainer arbeitet und wie er mich sieht.

Und? Wie war Ihr Eindruck?
Da ich nach wie vor nicht normal trainieren kann, kann ich nur zusehen. Selbst die Übungen auf dem Platz umzusetzen, fände ich natürlich schöner. Aber ich lerne auch beim Zuschauen die Philosophie langsam kennen.

Hat es auch sonst Vorteile, dabei gewesen zu sein.
Definitiv. Dort konnte ich meine Reha unter optimalen Bedingungen fortsetzen. Das Wasser des Gardasees ist dafür sehr wertvoll, denn in München war das Wetter bislang ja noch nicht so, dass ich sehr viel Schwimmen gehen konnte.

Ja, und was hält Pep Guardiola denn nun von Ihnen?
Da müssten Sie ihn schon selbst fragen. Unsere bisherigen Gespräche sahen so aus, dass ich ihn informiert habe, wie die nächsten Monate Reha ablaufen. Und er hat mir ein paar Ratschläge aus seiner Sicht gegeben. Darüber bin ich sehr froh. Denn mir ist vor allem wichtig, dass er mit mir kommuniziert und sich für meinen Heilungsverlauf interessiert. Und was er von mir hält, wird er wohl erst erst sagen können, wenn ich wieder einsatzfähig bin.

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