08.06.2012

Holger Badstuber über Diagonalbälle und Stammplätze

»Natürlich bin ich wichtig«

Die Diskussion um die Innenverteidigung ficht ihn nicht an. Holger Badstuber hat seinen Platz sicher. Im Interview spricht er über Ehrgeiz, seinen Stellenwert im DFB-Team und die Diagonalbälle, die Joachim Löw nicht mag.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago

Holger Badstuber, fällt Ihnen auf Anhieb jemand aus der Nationalmannschaft ein, der ehrgeiziger ist als Sie?
Wir haben allgemein ein sehr ehrgeiziges Team. Das ist auch gut so. Man muss immer hungrig bleiben, wenn man was gewinnen will.

Aber Sie sind schon besonders ehrgeizig?

Ich bin’s, ja. Ich haue mich in jedem Training rein. Aber Manuel Neuer ist genauso, obwohl ihn viele schon jetzt für den besten Torhüter der Welt halten. Das gefällt mir. Von nichts kommt nichts.

Vor kurzem haben sich Thomas Müller und Toni Kroos im Training einen Spaß daraus gemacht, Ihre Spieleröffnung regelrecht zu sabotieren. Man konnte förmlich spüren, wie Sie immer wütender wurden.

Ich will immer gewinnen, egal ob im Spiel oder im Training. Scherze sind da nicht so angesagt.

Haben Sie das bei den Bayern gelernt?

Bei Bayern ist man es, sagen wir mal, einfach gewohnt zu gewinnen. Niederlagen sind da nicht unbedingt erwünscht und auch nicht so leicht zu akzeptieren. Aber das hat schon immer in mir gesteckt.

Hollands früherer Nationaltrainer Marco van Basten hat in einem Interview gesagt: »Badstuber ist für mich kein zentraler Mann, weil er nicht genug Persönlichkeit mitbringt.«

Was soll ich dazu sagen? Soll er mal den Arjen Robben fragen, wie der mich sieht.

Ärgert Sie die Aussage?

Ich werde deswegen nicht wütend, aber es spornt mich schon an, das Gegenteil zu beweisen. Andererseits weiß ich auch, dass ich in dieser Saison einen großen Schritt nach vorne getan habe. Deswegen mache ich mir da nicht allzu viele Gedanken.

Haben Sie manchmal das Gefühl, als Fußballer immer noch unterschätzt zu werden?

Entscheidend ist doch, wie ich intern wahrgenommen werde. Bei Bayern und in der Nationalmannschaft bekomme ich immer ein positives Feedback. Ich werde geschätzt, das weiß ich. Und das ist das Wichtigste. Wie man auf Außenstehende wirkt – das kann man vielleicht ein bisschen steuern, mehr aber auch nicht. Ich bin 23, ich werde mich mit Sicherheit noch weiterentwickeln.

Vor zwei Jahren bei der WM haben Sie nur die ersten beiden Spiele bestritten, danach mussten Sie Ihren Platz räumen. Welche Lehren haben Sie aus dieser Erfahrung gezogen?

Was heißt: nur? Ich war das erste Mal bei einem Turnier dabei, bin im letzten Moment in den Kader gerutscht – und habe trotzdem zwei Spiele gemacht. So sehe ich das. Am Anfang war es natürlich nicht einfach für mich, dass ich meinen Platz wieder verloren habe. Ich hatte das erste Jahr in der Bundesliga hinter mir, ein Jahr des Aufstiegs, in dem es nur nach oben gegangen ist, und dann gibt es plötzlich diesen Cut. Aber im Nachhinein war es vielleicht gar nicht so schlecht, weil da doch ziemlich viel auf mich eingestürzt ist.

Inzwischen genießen Sie eine ganz andere Wertschätzung. Bei der EM gelten Sie als gesetzt. Mats Hummels hat gesagt, dass er und Per Mertesacker nur noch um den Platz neben Ihnen kämpften. Was denken Sie?

Ich bekomme schon mit, was über mich gedacht wird. Anscheinend sieht der Bundestrainer mich in der ersten Elf. Aber das kommt ja nicht aus dem Nichts. Seit der WM habe ich viele Spiele für die Nationalmannschaft gemacht, auch viele wichtige Spiele – natürlich fühle ich mich wichtig für die Mannschaft.

Woran machen Sie das fest?

Offensichtlich gefällt dem Bundestrainer meine Art, Fußball zu spielen, auch meine Art zu verteidigen. Aber vielleicht spielt es auch eine Rolle, wie ich mich in der Gruppe verhalte und auf die Gruppe wirke. Wenn Joachim Löw mir Vertrauen schenkt und sich dabei wohl fühlt, scheint ja bei mir alles zu stimmen.

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