Hoffenheim-Keeper Daniel Haas im Interview

»Ich greife voll an«

Daniel Haas gilt für viele als Schwachpunkt der Hoffenheimer Mannschaft. Der Torhüter will davon nichts wissen. Ein Gespräch über Kritik, Qualitätsunterschiede in den Ligen und die Ausstrahlung von Tim Wiese. Hoffenheim-Keeper Daniel Haas im InterviewImago

Herr Haas, fürchten Sie sich vor der Winterpause?

Nein, nicht wirklich. Momentan bin ich mit meiner Situation zufrieden. Ob der Verein in der Winterpause reagiert oder nicht, steht in den Sternen. Im Endeffekt hängt eine mögliche Personalentscheidung aber auch von meiner Leistung ab.

[ad]

Sie haben sich schon denken können, worauf die Frage abzielt? Seit Monaten wird darüber spekuliert, ob sich Hoffenheim zur Rückrunde einen prominenten Torhüter leistet…

Ich habe mich auf alles eingestellt, was da kommen mag.

Hat der Verein bereits mit Ihnen gesprochen, und Sie über mögliche Pläne informiert?

Der Verein hat noch keinen neuen Torhüter verpflichtet. Das ist das Einzige, was ich ganz konkret weiß. Im Moment ist der Trainer mit mir zufrieden – und das ist das Wichtigste.

Sind Sie die ständige Beäugung Ihrer Leistung nicht langsam leid? Immerhin hüten Sie das Tor des amtierenden Tabellenführers?

Ich kann schon nachvollziehen, warum unsere Defensive kritischer beäugt wird: weil die Offensivabteilung so überragend besetzt ist. Aber allein die Nominierung von Marvin Compper ins Nationalteam beweist doch, dass wir auch in der Abwehr einen guten Job machen. Ich denke daher, dass wir uns keine allzu großen Gedanken machen müssen, was die Kritik betrifft.

Vor drei Jahren haben Sie mit der TSG noch in der Regionalliga gespielt. Jetzt spielen Sie um die Herbstmeisterschaft in der 1. Liga. Haben Sie sich inzwischen an diese Entwicklung gewöhnt?

Daran gewöhnt? (lacht) Nein, noch lange nicht. Als ich vor drei Jahren nach Hoffenheim gewechselt bin, ging es vorrangig darum, den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu packen – beziehungsweise oben mitzuspielen. Es konnte ja keiner damit rechnen, dass das alles eine so rasante Entwicklung annimmt. Es ist für jeden im Verein eine super Sache dabei zu sein.

Im aktuellen Kader sind Sie nicht der einzige Spieler, der schon in der Regionalliga für Hoffenheim spielte. Hatten Sie damals schon Erstligaformat – oder wachsen Sie gerade über sich hinaus?

Der Qualitätsunterschied zwischen den verschiedenen Ligen ist nicht mehr allzu groß. In der 2. und 3. Liga gibt es sehr viele gute Torhüter, die auch auf einem sehr hohen Level spielen können.

Es ist für Sie also keine große Umstellung gewesen von der 3. bis zur 1. Liga?

Es ist natürlich ein Unterschied, wenn plötzlich Diego und Almeida auf dein Tor zulaufen, aber man wächst mit den Aufgaben. Je schwerer es wird, desto mehr kniet man sich auch rein. Ich versuche mich vor jedem Spiel auf die speziellen Eigenarten und Stärken der Gegenspieler einzustellen.

Ralf Rangnick hat diese Saison gleich vier Torhüter für den Erstligakader berufen. Waren Sie davon überzeugt, am Ende die erste Wahl zu sein?

Ich bin froh, dass ich meine Chance bekommen und genutzt habe. Ich habe mich nie hängen lassen, war immer geduldig und habe auf meine Chance gehofft. Ich weiß aber, wie schnell es gehen kann – und man sitzt wieder auf der Bank.

Was macht Sie momentan zur Nummer eins?

Ich denke, ich bin auf der Linie ganz gut. Und meine Reflexe sind auch nicht schlecht.

Haben Sie auch Schwächen?

Tja, Schwächen… (überlegt) Man kann ja immer etwas verbessern. Ich denke, dass ich in der Strafraumbeherrschung noch dazu lernen könnte.

Ihr Trainer lässt modernen Offensivfußball spielen. Gibt es besondere Fähigkeiten, die man als Torhüter in Hoffenheim haben sollte?

Wir beginnen sehr früh mit dem Pressing. Da passiert es nicht selten, dass der Gegner sich nur mit langen Befreiungsschlägen behelfen kann. Wenn ein solcher Ball durchkommt und wir weit aufgerückt stehen, muss ich als Torwart den Ball entsprechend verarbeiten können. Ich bin hier also auch so etwas wie der Libero.

Es bereitet Ihnen also hin und wieder Sorgen, wenn sich zu viele Mitspieler in der Hälfte des Gegners aufhalten?

Nein. Eigentlich bereitet es mir große Freude, wenn die Jungs da vorne kombinieren und angreifen. Ich muss meine Konzentration nur dauerhaft hoch halten, sonst kann ich bei solchen Bällen nicht rechtzeitig reagieren.

Ihre Mannschaft spielt so genannten offensiven Konzeptfußball. Welche Anweisungen von Ralf Rangnick bekommen Sie als Torhüter ganz konkret vor den Spielen?

Vor der Partie gegen Wolfsburg wurde beispielsweise angesprochen, dass Grafite und Dzeko häufig mit Steilpässen durch die Gasse angespielt würden. Darauf muss ich mich als Torhüter natürlich einstellen: die Bälle, die durch die Mitte kommen, muss ich entsprechend früh erkennen und entschärfen.

Gibt es Dinge, die Sie sich bei anderen Torhütern in der Bundesliga abschauen können?

Von Oliver Kahn konnte man sich natürlich eine Menge abgucken, speziell was seinen Ehrgeiz und sein Auftreten im Spiel angeht. Aber auch ein Robert Enke, ein René Adler oder ein Tim Wiese haben ganz spezielle Fähigkeiten, an denen man sich orientieren kann.

Was meinen Sie genau?

Tim Wiese hat zum Beispiel eine tolle Ausstrahlung in Eins-gegen-Eins-Situationen. Genau wie Robert Enke und René Adler bleibt er sehr lange stehen und tut dann genau das Richtige. Bei Jens Lehmann beeindruckt mich seine Strafraumbeherrschung. Er denkt viele Situationen voraus und kann dementsprechend gut mitspielen.

Daniel Haas, welche Ziele haben Sie sich für die Winterpause gesetzt?

Ich will in bestmöglicher geistiger und körperlicher Verfassung sein. Ich möchte dem Trainer unbedingt zeigen, dass kein Weg an mir vorbeiführt – und voll angreifen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!