Hoffenheim hat ein neues Fanlied

»Pubertätspoesie für die Grußkarte«

Heiko Walkenhorst vom »Akademikerfanclub Hoffenheim« hat ein Problem: Das neue »Fanlied« der TSG. Vor dem Auswärtsspiel gegen Köln sprachen wir mit ihm über einen »Traum der nie zu Ende geht« und Peter Maffay. Hoffenheim hat ein neues Fanlied

Heiko Walkenhorst, die TSG Hoffenheim hat eine neue Stadionhymne. Was stört Sie daran?

Haben Sie sich das mal angehört?

Noch nicht komplett.

Ich sing ihnen mal einen Abschnitt vor. (singt) »Manchmal denkst Du, Du bist in einem Traum, der nie zu Ende geht. Auf einmal spürst Du – und glaubst es kaum – , dass du diesen Traum erlebst. Und dann schwörst Du immer Treue auf unseren Dorfverein.«

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Ist doch niedlich!

Vielleicht wenn wir beide am Lagerfeuer sitzen und nach ein paar Jägermeistern zu den Gitarren greifen. Aber nicht mit 30.000 Zuschauern in einem Fußballstadion!

Nein?

Nein.

Zu dem Abschnitt »Manchmal denkst Du, Du bist in einem Traum, der nie zu Ende geht.« haben Sie eine Textexegese verfasst.

Korrekt: »Pubertätspoesie. Schön für eine Grußkarte eines Teenie-Verlags an eine Neu-Abonnentin, aber nicht für ein Stadion vor einem Spiel als motivations- und identifikationsstiftendes Element.«

Wer ist überhaupt für das Lied verantwortlich?

Vor einigen Wochen gab es ein Fantreffen der Mitglieder im Fandachverband – zu dem wir vom Akademikerfanclub übrigens nicht gehören. Dort haben »Die Chefs«, eine lokale Band, eben dieses neue Lied eingespielt. Vor dem Heimspiel gegen Bayern München lief dann erst der alte Gassenhauer, dann das Badener Lied und als wir uns die letzte Rutsche Bier vor dem Spiel holen wollten prangte auf der Anzeigentafel: »Unser Fanlied!«

Wie haben Sie reagiert?

Überrascht. Sehr überrascht. Peter Maffay wollte ich eigentlich nie mehr in einem Stadion hören.

Peter Maffay?

Die Melodie scheint gnadenlos von »Und es war Sommer« kopiert worden zu sein. »Unsre Hoffnung, unsre Heimat, unsre Liebe: 18hundert99 TSG! Lästerei und Neiderei gehn uns am Arsch vorbei, 18hundert99 TSG!« Und jetzt mit Maffay unterlegt. Stellen sie sich das mal vor!

Lieber nicht. Wie hat denn der Rest der Hoffenheimer Fanszene reagiert? Gab es Tumulte und Randale?

Im Gegenteil: Die meisten scheinen das tatsächlich zu mögen. Wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass das jetzt alle zwei Wochen läuft...

Schon die erste Hymne »Wir sind Hoffe« traf nicht unbedingt auf Ihre Gegenliebe. Herr Walkenhorst, jetzt müssen Sie sich aber mal entscheiden!

Habe ich ja bereits.

Ach? Und wer macht das Rennen?

Das Badener Lied. Ein Klassiker, ideal zum Mitgrölen im Stadion. Es gab zwar im Verein Vorbehalte, weil Sinsheim im badischen Grenzgebiet zum Schwabenländle liegt, aber wer nach England kommt, futtert doch auch Fish&Chips.

Das heißt?

Die Schwaben, die zu uns Gelbfüßlern nach Baden kommen, um Fußball zu gucken, müssen eben auch das Badener Lied akzeptieren. So einfach ist das.

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