23.06.2008

Herbert Fandel im Interview

»Die Fairness ist sensationell«

Für Deutschlands Schiedsrichter Herbert Fandel ist die EM mit dem Viertelfinale Spanien gegen Italien zu Ende gegangen. Wir haben ihn kurz vor seiner Abreise auf dem Flughafen von Wien noch am Telefon erwischt.

Interview: Ingo Schmidt-Tychsen Bild: Imago
Herbert Fandel im Interview
Herr Fandel, hören Sie mich?

Es ist ein bisschen laut hier, ich bin gerade am Flughafen. Aber es geht schon. Heute reise ich nach Hause zu meiner Familie, nach Kyllburg. Ich bin nämlich total kaputt, es waren anstrengende Tage.



Erzählen Sie.

So eine EM ist eben etwas vollkommen anderes. Das war mein erstes Turnier. Drei Wochen Anspannung. Vorher habe ich auch wichtige Spiele gepfiffen, aber die lagen nicht so dicht beeinander. Ich hatte ja gleich drei Kracher zu pfeifen. Das Viertelfinale zwischen Spanien und Italien am Sonntagabend war hart: 120 Minuten plus Elfmeterschießen bei 37 Grad Celsius – und ich bin 44 Jahre alt.

Es gab eine sehr strittige Szene: Als Ambrosini Spaniens Villa zu Fall brachte, haben Sie keinen Elfmeter gepfiffen.

Wir haben das schon analysiert. Andere Experten und ich sind der Meinung, dass es kein Elfmeter war. In der Slow-Motion sieht es anders aus. Aber es gibt Szenen, die in Echtzeit anders zu beurteilen sind.

Sie dürften selbst ein Finale ohne deutsche Mannschaft nicht leiten, weil das Nationalteam im Halbfinale steht. Diese Regelung der Uefa ist neu. Traurig?

Ich finde die Regel schon richtig, weil eine Mannschaft Spuren in einem Turnier hinterlässt, wenn sie so weit kommt. Jetzt sollen die Deutschen aber gefälligst den Titel holen.

Was nehmen Sie mit von der EM?

Ein tolles Gefühl. Es war sensationell, wie fair gespielt wurde, auch das technische Niveau der Teams hat mich beeindruckt. Ich kann mich gerade mal an zwei oder drei brutale Fouls erinnern, und die sind zufällig entstanden, nicht aus Absicht.


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