08.06.2007

Herbert Fandel im Interview

„Warum passiert das mir?“

Herbert Fandel ist ein Mann der Extreme. Unlängst wurde er sowohl zum zweitbesten als auch zum drittschlechtesten Bundesliga-Schiri gewählt. Er pfiff das CL-Finale und wurde nun von einem Rowdy zum Spielabbruch genötigt. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago
Herr Fandel, fühlen Sie sich auch als Champions-League-Gewinner?

Wir sind sehr erleichtert, dass das Spiel für das Schiedsrichterteam so gut gelaufen ist. Der Druck, der vor einem solchen Ereignis auf einem lastet, ist schon gewaltig. Um mich trotzdem optimal vorzubereiten, habe ich mich ganz früh mit allen Details beschäftigt. Die Vorbereitung auf das Finale hat eigentlich mit dem Schlusspfiff des Bundesliga-Spiels Dortmund gegen Schalke begonnen.



Was gehört zu einer solchen Vorbereitung dazu?


In den letzten Tagen vor Athen habe ich beruflich ein bisschen runter gefahren. Man muss sich einfach mal abschotten und alle unwichtigen Sachen ignorieren. Es dreht sich alles nur noch um dieses eine Spiel. Zusätzliche Informationen über die Mannschaften brauchte ich mir nicht zu besorgen. Ich kenne die Mailänder in- und auswendig, auch die Liverpooler habe ich schon oft gepfiffen. Darüber haben wir auch im Meeting vor dem Spiel gesprochen: Es ist ein Vorteil, wenn man sich sehr gut kennt. Dann sind viele grundsätzliche Fragen schon vorab geklärt. Das war vielleicht auch ein Grund, warum das Spiel im Großen und Ganzen so fair ausgetragen wurde.

Wie ist das Verhältnis zu den Spielern, wenn man sich so gut kennt?

Es ist sehr herzlich und geradezu freundschaftlich, sei es vor dem Spiel auf dem Weg von der Kabine auf den Platz oder hinterher. Es ist bemerkenswert, wie diese Top-Spieler auf einen Schiedsrichter reagieren.

Ein Unterschied zur Bundesliga?


Ja, eindeutig. Man wird international respektvoller behandelt, trifft sich absolut auf Augenhöhe. Ich genieße das schon sehr, dass die Spieler und Trainer auch nach Niederlagen in die Kabine kommen und sich bedanken. Das gehört für mich zum Fair-Play mit dazu. Während der 90 Minuten wird hart gefightet. Da macht der eine oder andere Spieler mal einen Fehler, da macht der Schiedsrichter mal einen Fehler. Das gehört halt zum Fußball dazu. Eher akzeptiert wird das aber im internationalen Fußball.

War das Finale von Athen nicht letztendlich doch ein einfaches Spiel?


Auf gar keinen Fall. Es wurde zwar nicht so hart ausgetragen, wie zu erwarten war. Aber wenn der Druck auf den Schiedsrichter so groß ist, kann das nie ein einfaches Spiel sein. Egal, wie es letztendlich auf dem Platz läuft.

Sie haben aufkommende Härte schnell unterbunden.

Die ersten 30 Minuten waren ziemlich nickelig. Als es sich in der zweiten Halbzeit zu einem besseren Fußballspiel entwickelte, wurde es auch einfacher für mich.

Gattuso gilt ja hierzulande als besonders nickeliger Zeitgenosse.


Ach, Gattuso. Mit Gattuso bin ich wirklich nahezu befreundet. Wir sind zusammen aufgewachsen. Ich habe ihn schon gepfiffen, als er vor zehn Jahren in der Jugendauswahl gespielt hat. Wir kennen uns von den Olympischen Spielen und von der U21-Europameisterschaft. Wir haben also immer mal wieder die Klingen gekreuzt. Auf dem Platz gibt er immer alles und nimmt auch die Konsequenzen dafür in Kauf. Nach dem Schlusspfiff ist er trotzdem der Erste, der zu mir kommt. Er ist übrigens ein sehr intelligenter Mann, was man aufgrund seiner Spielweise nicht vermuten würde.

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