Henrikh Mkhitaryan über Schach, Druck und Jürgen Klopp

»Wenn etwas nicht klappt, regt mich das auf«

Für die Titelgeschichte unserer neuen Ausgabe 11FREUNDE #149 (ab Donnerstag am Kiosk) trafen wir Henrikh Mkhitaryan in Dortmund. Unser Autor Uli Hesse versuchte Borussias Mittelfeldspieler zu einer Partie Schach zu überreden – doch Mkhitaryan lehnte ab. Aus Angst? Ausschnitte aus einem Gespräch vor der nächsten Trainingseinheit.

Heft: #
149

Henrikh Mkhitaryan, haben Sie jemanden, mit dem Sie in Dortmund Schach spielen können?
Bislang noch nicht. Nur am Computer. Aber nicht online, was ja auch sehr verbreitet ist. Ich spiele immer nur gegen den Computer.
 
Ich habe auch niemanden. Wenn Sie möchten, können wir eine Partie spielen.
Nicht jetzt, dafür reicht die Zeit nicht, weil ich gleich Training habe. Aber vielleicht beim nächsten Mal.

Im Gegensatz zu den meisten Ihrer Kollegen sind Sie ja kein Freund der PlayStation.

Das stimmt. Ich spiele nicht gerne PlayStation, weil mich das nervös macht. (lacht) Wenn etwas nicht klappt, regt mich das auf.
 
Was uns zu Felix Magath bringt. Er unterstützt gerade eine Kampagne, die auch in Deutschland Schach in die Schulen bringen will. Die Idee dahinter ist, dass Kinder durch Computer, Spielkonsolen und Smartphones die Fähigkeit verlieren, sich länger auf etwas zu konzentrieren. Und Schach trainiert diese Fähigkeit.
Da hat er sicher Recht. Heute sind alle nur noch an technischen Geräten interessiert. Selbst wenn gespielt wird, passiert das am Computer oder am Telefon. Vielleicht ist das nicht gut, aber die Entwicklung schreitet voran und man muss mitgehen.
 
Wie kam es dazu, dass Monica, Ihre Schwester, nicht mehr Ihre Beraterin ist, sondern dass Sie nun beim Star-Agenten Mino Raiola sind?
Meine Schwester hat ihn für mich gefunden. Ich bin froh, dass ich ihn getroffen habe, denn er ist ein sehr guter Berater und vor allem auch ein guter Typ. Ich bin froh, dass ich mit ihm arbeiten kann, und ich bin ihm dankbar, denn er hat bei meinem Wechsel zu Borussia Dortmund einen guten Job gemacht. Es war ein komplizierter Transfer.
 
Weil die Transferrechte bei mehreren ihrer ehemaligen Klubs lagen und weil mehrere Klubs Ihnen Angebote machten. Sie aber wollten immer nach Dortmund, oder?
Ja, ich hatte mir Dortmund ausgesucht, weil ich die Art mochte, wie sie dort spielen. Die Spieler gefielen mir auch – und dann war da natürlich noch der großartige Trainer, Jürgen Klopp.
 
»A cool guy«, wie ein anderer Klient von Raiola kürzlich sagte, Zlatan Ibrahimović.
Ja, ein toller Trainer. Nachdem ich mit ihm gesprochen hatte, war die Entscheidung für mich gefallen. Da wollte ich nur noch nach Dortmund.
 
Lag es auch daran, dass dieser Verein vielleicht ein bisschen familiärer ist als andere große Klubs?
Er ist mehr als eine Familie. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie gut die Stimmung im Klub und die Atmosphäre im Stadion ist. Jeder hatte mir davon erzählt, aber ich habe es nicht so richtig geglaubt. Jetzt wo ich hier bin, kann ich sagen, dass der Verein mehr als eine Familie für mich ist. Wir haben alle ein sehr enges Verhältnis hier.
 
Hatten Sie schon mal einen Trainer, der Ihnen gesagt hat, dass Sie zu nett sind? Dass Sie auf dem Platz aggressiver sein sollten?
Das haben alle Trainer gesagt. (lacht) Alle haben mir gesagt, dass ich zu viel für die Mannschaft spiele und dass es manchmal gut sein kann, egoistischer zu sein. Also versuche ich, ein Egoist zu sein. Aber nur auf dem Platz! Und wenn ich sehe, dass ein Mitspieler besser steht, werde ich sicher nicht egoistisch sein.

Das muss schwierig sein – zu versuchen, ein Egoist zu sein, wenn es dem Charakter widerspricht.
Trotzdem muss man es tun. Als ich nach Dortmund kam, hat Jürgen Klopp mir gesagt, dass ich auch loslassen muss und dass es nicht gut ist, immer nur an Fußball zu denken. Ich habe angefangen zu verstehen, was er damit meint, und so langsam hat sich dieser Teil von mir hier verändert. (lacht) Wenn er mir jetzt sagt, dass ich zu mannschaftsdienlich bin, dann versuche ich, ein Egoist zu sein. Es ist nicht einfach, aber man muss sich auch verändern können.
 
Fühlen Sie so etwas wie Druck hier?
In den ersten sechs Monaten, ja. Da fühlte ich mich unter Druck. Aber das ist nicht mehr so. Jetzt bin ich locker und denke ich nicht mehr daran, sondern nur noch ans Training, an die Spiele und daran, wie gut das Leben ist. Der Trainer wusste, dass ich mich unter Druck setze und zu viel über mich und meine Leistung nachdachte. Deswegen hat er mir gesagt, ich sollte entspannter sein.        
               
Stimmt es, dass sie neben dem Fußball ein Wirtschaftsstudium absolvieren?
Ich habe vorletztes Jahr damit angefangen. Ich bin in Armenien eingeschrieben und wenn ich Urlaub habe, im Sommer und im Winter, versuche ich, hinzufahren und rechtzeitig meine Prüfungen abzulegen. Aber es ist natürlich ein bisschen schwierig, in Deutschland zu sein und in Armenien zu studieren. Es ist ein Fernstudium. Ich habe alle Bücher, die ich brauche, hier in Dortmund und kann lernen. Ich hoffe, dass ich in zwei Jahren fertig bin.
 
Machen Sie das, um sich zu beschäftigen, oder wollen Sie das später mal nutzen?
Ich tue es, damit ich etwas habe, wenn die Fußball-Karriere vorbei ist, damit ich vielleicht noch einen neuen Beruf ergreifen kann.
 
Vielen Dank für das Gespräch. Und beim nächsten Mal spielen wir Schach!
Abgemacht.

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Ab Mittwochabend im Appstore und ab Donnerstag am Kiosk: 11FREUNDE #149, inkl. der großen Titelgeschichte zu Henrikh Mkhitaryan. 

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