Helmut Sandrock im Interview

»Es wird nicht nur Sieger geben«

Zur neuen Saison wird die eingleisige 3. Liga eingeführt. Das stellt die Vereine vor massive Planungsschwierigkeiten. Wir sprachen mit Helmut Sandrock, dem für die 3. Liga zuständigen DFB-Direktor, über seine Träume und Alpträume. Helmut Sandrock im InterviewImago
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Herr Sandrock, die neue 3. Profiliga steht kurz vor ihrem Start. Welche Vereine sind derzeit Ihre Sorgenkinder hinsichtlich der 3. Liga?

Es kommt immer wieder vor, dass Vereine aus unterschiedlichen Gründen budgetäre Planungsansätze unterschreiten und sie damit finanzielle Probleme bekommen. Das kann der plötzliche Ausfall eines Hauptsponsors oder von Sponsoren sein oder gravierende Einschränkungen verursacht durch einen Stadionumbau, wie in den aktuellen Beispielen VFB Lübeck und Dynamo Dresden. In beiden Fällen wird intensiv daran gearbeitet, Lösungen für die Aufrechterhaltung des laufenden Spielbetriebs und darüber hinaus zu finden.

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Was ist gut gelaufen in der Planungsphase, was weniger gut?


Im allgemeinen sind Planungsphasen eben nur die Theorie, wir werden in der Praxis sehen, ob wir an alles gedacht haben.

Wie sind Sie mit dem gegenwärtigen Stand der Entwicklung zufrieden?

Wir sind auf einem gutem Weg, haben die wichtigen Themenfelder wie Spielplan, Spielplangestaltung, TV-, Hörfunk- und Internet- Vermarktung, Markenbildung mit eigenem Logo sowie Publikationen auf dem Schirm und bauen eben eine Kommunikationsstrategie bis zum Start der Liga auf.

Ganz generell: Was sind die positiven, was die negativen Seiten der Einführung der 3. Liga für die Vereine?


Wir werden unsere Erfahrungen erst machen, wenn die Liga läuft, z.B. wie sich die Situation hinsichtlich der 2. Mannschaften der Lizenzvereine entwickelt.

Gibt es Vereine, die von vornherein nicht in der 3. Liga spielen wollen wegen erhöhter Auflagen und Kosten?

Nicht aus diesem Grund, einzig der VFB Lübeck hat bedingt durch seine sportliche Situation keine Zulassung beantragt.

War es eine richtige Entscheidung, mit der Saison 2008/09 zu starten, oder kommt der Startschuss zu früh?

Der Zeitpunkt ist unstrittig und entspricht dem konkreten Planungs- und Umsetzungsabsichten.

Wo hat der DFB in der Planungsphase Fehler gemacht oder Dinge verschlafen?

Die Praxis wird es zeigen, in der Regel wird es aber im Nachhinein stets Dinge geben, die man hätte anders machen können.

Wäre es nicht besser gewesen zu warten, bis der neue TV-Vertrag durch die DFL ausgehandelt ist? Auch was die TV-Vermarktung der 3. Liga anbetrifft?

Die Frage stellt sich nicht, die 3. Liga ist die neue, bundesweite und höchste Spielklasse des DFB und wir in den zukünftigen TV Verhandlungen entsprechend gewürdigt.

Wie müsste der TV-Vertrag für die Bundesliga im Idealfall aussehen, damit Sie die 3. Liga optimal vermarkten können?


Grundsätzlich ist der DFB von den den Leistungen der Liga abhängig, ohne Wenn und Aber, dazu zählt auch ein optimales wirtschaftliches Ergebnis eines neuen TV-Vertrages.

Was, wenn auch in Zukunft alles im TV so bleibt, wie es jetzt ist: Bundesliga im Pay-TV bei Premiere am Samstagnachmittag, Sportschau dann um 18.30 Uhr?

Über die konkreten Sendeformate entscheidet am Ende der Markt, nämlich die Anbieter auf Basis der Ausschreibung. Für die Inhalte und das Procedere ist die DFL verantwortlich, und wir werden sehen, ob und wie ein Mix aus Pay - und Free TV angeboten wird.

Wurden die Erwartungen, die sich an eine bessere Vermarktung der 3. Liga im TV knüpfen, erfüllt oder sogar übertroffen bzw. wird die 3. Liga präsenter im TV sein als die gegenwärtige Regionalliga?

Konkret hat die ARD Sportschau bereits mit Beginn der aktuellen Rückrunde der beiden Regionalligen ihr Sendeformat ausgeweitet. Es wird samstags nunmehr von drei statt vorher zwei Spielen berichtet, die Sendezeit ist um 10 Minuten ausgedehnt worden. Über eine weitere Ausdehnung wird in den künftigen Verhandlungen gesprochen werden.

Welche Erfolge können Sie zum jetzigen Zeitpunkt sonst noch vorweisen, was die Vermarktung der neuen 3. Liga anbetrifft?

Die TV-Vermarktung ist für die Vereine von großer Bedeutung, je mehr Fernsehzeit und damit Reichweite, desto besser ist dies für Eigenvermarktung der Vereine.

Wird es wirklich erheblich mehr Sendezeit für die 3. Liga geben?

Definitiv jetzt schon, ja – und in der neuen Saison mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mehr. So ist es erklärter Wille, dass Saisoneröffnungsspiel live auszustrahlen. Hierzu ist noch wichtig zu wissen, dass wir uns im nächsten Jahr noch in dem alten, dem letzten Vertragsjahr mit der SportA, der Rechteagentur von ARD und ZDF befinden.

Wird es dann ab 2009 auch erheblich mehr Geld für die Vereine geben? Wenn ja, wie viel in etwa?

Hierzu wird viel spekuliert, dies werden die zu führenden Gespräche und Verhandlungen zeigen.

Ist es denkbar, dass die 3. Liga den Namen eines Großsponsors erhält und auf Jahre hin trägt?

Grundsätzlich sind wir für das Thema offen, es muss aber natürlich in die Philosophie und Strategie des DFB passen.

Was wird für die Klubs in der neuen 3. Liga ansonsten noch besser sein - was Vermarktung und Sponsoring anbetrifft - als in der gegenwärtigen Regionalliga?


Im Vordergrund steht auch eine sportlich Aufwertung, dass sieht gemäß einer Marktforschung fast jeder Fußballinteressierte so.

Einige Vereine bemängeln, dass 625 000 Euro an TV-Geldern längst nicht ausreichen, um einen Klub näher an die 2. Liga heranzuführen, was laut DFB eines der Ziele bei der Einführung der 3. Liga sein soll. Wie stehen Sie dazu?

Der DFB verteilt heute aus dem DFB Fernsehvertrag Gelder an die Vereine der beiden Regionalligen und acht Oberligen um, dies wird nach dem noch laufenden Vertrag auch noch im nächsten Jahr der Fall sein, was danach kommt ist offen.

Im Vergleich zur 2. Liga, wo die Klubs ca. 25 % der TV-Gelder im Vergleich zur 1. Liga bekommen, erhalten die Vereine in der 3. Liga nur etwa 13 %. Ein bisschen wenig, oder nicht?


Die Umverteilung der Fernsehgelder bedeutet für den einzelnen Club aus der Regionalliga ein Vielfaches von dem, was ein Verein der ersten Liga aus dem Handball, Eishockey oder Basketball aus Fernsehbeträgen in Deutschland generiert.

Einige Klubs merken bei der Frage nach den Erlösen auch an, dass der Aufwand, was Lizenzauflagen, Fahrtkosten und Spielergehälter anbetrifft, sich kaum vom Aufwand eines Zweitligaklubs unterscheidet. Muss der DFB den Vereinen da nicht noch mehr entgegenkommen?

Eine bundesweite Spielklasse zieht auch andere Folgekosten nach sich, und wir achten darauf, dass dies verträglich für die Vereine ist. Allerdings hat das nichts mit den Spielergehältern zu tun. Wie überhaupt die derzeitige Darstellung am Thema vorbeigeht: der DFB ist nicht für die Finanzausstattung der Clubs zuständig.

Vereine wie z.B. Kickers Emden müssen, um die Lizenzauflagen hinsichtlich des Stadions zu erfüllen, erhebliche Renovierungen vornehmen. Warum zwingt der DFB Klubs dazu, so erhebliche finanzielle Kraftakte zu unternehmen?

Wir zwingen niemanden, sich zu bewerben. Tut das ein Verein und will dieser unter bestimmten Umständen Veranstaltungen durchführen, sind dafür Voraussetzungen notwendig, in unserem Fall für die Durchführung von Fußballspielen. Wenn Sie heute in Deutschland ein fünfstöckiges Mehrfamilienhaus bauen, müssen Sie einen Aufzug einbauen oder können nicht so hoch bauen. Das wird von Jedermann anerkannt. Im übrigen, eine Reihe unserer Stadien im Amateurbereich entsprechen ungeachtet der Ligazugehörigkeit nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Ist sich der DFB sich darüber bewusst, dass viele Klubs für das Erreichen der 3. Liga in der laufenden Spielzeit erhebliche finanzielle Kraftakte unternommen haben, die bei nicht erreichen sich als Boomerang herausstellen würden und den Verein an den Rand des Ruins drängen?


Die Vereine bewegen sich in dem selbst gesteckten Finanzrahmen für die laufende Saison. Gehen Sie unkalkulierbare Risiken ein, greifen bestimmte Mechanismen. Die Aktivitäten auf dem Spielermarkt im Winter finden stets mal, mehr mal weniger statt.

Wie partizipiert der DFB an der 3. Liga?

Eine bundesweite, professionelle dritte Spielklasse unter dem Dach des DFB bedeutet automatisch mehr Aufmerksamkeit und sportliche höheren Nutzen.

Verbannt die Aufstiegsregelung in der dann entstehenden dreigleisigen 4. Liga nicht viele Traditionsvereine in die sportliche Bedeutungslosigkeit?


Eine Strukturreform, die im übrigen von allen Verbänden und damit Vereinen mitgetragen wurde, bedeutet auch, dass sich nicht alle am Ende als Sieger fühlen können. Dies ist in der Wirtschaft nicht anders. Wichtig ist, dass die zeitlichen Abläufe alle in die Lage versetzt haben, sich grundlich und umfassend mit dem Thema zu beschäftigen und sich darauf einzustellen.

Viele Vereine wissen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, ob sie die Qualifikation zur 3. Liga schaffen. Manche werden erst am 31. Mai wissen, wie es weiter geht. Sponsoren halten sich daher mit festen Zusagen bis dahin zurück. Das wirkt sich erheblich negativ auf die Planungssicherheit der Klubs aus. Wie steht der DFB den Klubs zur Seite und hilft, wenn ein Sponsorenloch bleibt?

Das ist doch ein alter Hut, was sollen denn dann die Vereine der zweiten Liga sagen, von denen sich auf Grund der Tabellensituation 12 auch für die 3. Liga beworben haben.

Bis Mitte Juli wird es einigen Vereinen nicht gelingen, sich wirtschaftlich entsprechend den Anforderungen in der 3. Liga aufzustellen. Wäre es denkbar, dass der DFB Klubs in schwierigen Situationen mit Ausnahmegenehmigungen beim Stadion hilft oder - wie Vertreter einiger Vereine fordern - mit einem Sonderzuschuss zur Finanzierung des ersten Jahres in der 3. Liga?

Dazu muss das Ergebnis des Zulassungsverfahren abgewartet werden. Möglich ist ja, dass Vereine Bedingungen zu einem bestimmten Datum erfüllen müssen.

Warum hat der DFB die neue 3. Profiliga in seinen Händen und nicht die DFL, die in Sachen Marketing und Sponsoring bereits einen nachweislich guten Job gemacht hat?

Der DFB ist sehr wohl in der Lage den Aufbau einer Marke 3. Liga zu betreiben und damit auch die bestmögliche Voraussetzung für die Vermarktung zu schaffen.

Einige Klubs bemängeln, dass sie nicht in dem Verbund der Marke »Bundesliga« vermarktet werden, weil es für viele Fans und Sponsoren eine Aufwertung wäre, wenn ihre Kicker mit dem Bundesliga-Logo auflaufen?

Die Positionierung findet unter dem Dach des DFB statt, logisch demnach, dass wir für den Aufbau einer eigenen Marke auch ein spezielles Logo entwickelt haben.

Ist es geplant, dass die Vermarktung der 3. Liga langfristig auch von der DFL übernommen wird?


Das Thema stellt sich nicht.

Nach dem ersten Jahr 3. Profiliga können alle 2. Mannschaften der Profiteams in die 3. Liga aufsteigen. Ist das Szenario denkbar, dass diese Klasse eines Tages nur noch aus 2. Mannschaften besteht? Wie würde der DFB dazu stehen?

Es gibt die klare Verabredung, dass wir uns die Entwicklung anschauen und dann ggfs. mit den Gremien von DFB und DFL in Gespräche eintreten.

Träumen Sie mal: Wie wird die 3. Liga in 5 Jahren aufgestellt sein und von den Menschen wahrgenommen werden?


Im Fußball führen Träumereien meistens in die verkehrte Richtung. Wir arbeiten daran, die 3. Liga mittelfristig als sportlich und wirtschaftlich erfolgreiche im deutschen Fußball zu positionieren.

Damit die 3. Liga ein voller Erfolg wird - was muss auch der DFB noch dringend verbessern?

Zunächst einmal fangen wir mal an, dazu ist eine optimale Planung Voraussetzung, und die ist gegeben. Dann werden wir genau beobachten, wo Handlungsbedarf entsteht, um darauf schnell und flexibel zu reagieren.

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