Helmut Hack im Interview

„Meine Heimat, meine Aufgabe“

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Heft #73 12 / 2007
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Helmut Hack, mussten Sie sich schon dumme Sprüche wegen des niedlichen Sponsorennamens »Playmobilstadion« anhören?

Es werden schon mal in fremden Stadien die Plastik-Männchen rausgeholt. Aber bisher hielt sich das in Grenzen.

Ist der Name »Playmobil« nicht auch ein Sinnbild für die Fürther Mannschaft? Sie ist jung, spielt gut mit, schafft es aber nie ganz nach oben.

Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Es waren andere Überlegungen, weshalb wir dieses Stadion im Ronhof »Playmobil-Stadion« genannt haben. Und wenn man das Potenzial der Mannschaft betrachtet, haben wir in den letzten elf Jahren sportlich weit über unseren Möglichkeiten abgeschnitten – was national mehr anerkannt ist, als hier in Fürth.

Wann waren Sie zum ersten Mal im Sportpark Ronhof?

Oh, da war ich noch ein ganz junger Kerl. Ich war etwa zwölf, und mein Bruder hat in Fürth gearbeitet. Ich besuchte ihn über die Winterferien und er nahm mich mit. Ein Freundschaftsspiel gegen Eintracht Braunschweig war dann meine erste Begegnung mit dem Ronhof. Damals war ich überhaupt das erste Mal in einem Fußballstadion – insofern war es natürlich sehr eindrucksvoll für mich.

Wie hat sich das Stadion im Laufe der Zeit verändert?


Es hat sich über die Jahrzehnte leider sehr schlecht entwickelt. Als ich 1996 mein Amt als Präsident der SpVgg Greuther Fürth antrat, war ein trauriger Tiefpunkt erreicht. Ohne sofortige einschneidende Maßnahmen hätten wir im Ronhof in der 2. Bundesliga kein Spiel bestreiten dürfen.

Sie waren mit dem Verkauf der Namensrechte ein Vorreiter in Deutschland. Hätten Sie 1997 gedacht, dass sich dieses Konzept durchsetzen würde?


Nein. Es wurde aus der damaligen Situation, in der sich das Stadion und der Klub befanden, heraus geboren. Damals gab es noch keine Vorstellungen, wohin sich der Markt entwickeln würde.

Schauen Sie auch manchmal neidisch rüber zum Club mit seinem WM-Stadion?


Das Wort »Neid« kenne ich überhaupt nicht. Auch nicht im Verhältnis zum Club. Wir hätten natürlich gern ähnlich gute Rahmenbedingungen. Da geht es nicht nur um den 1. FC Nürnberg mit seinem »Easycredit«-Stadion, sondern um die Rahmenbedingungen schlechthin, bei denen wir immer stärkere Wettbewerbsnachteile haben.

Der Ronhof hatte bereits 1920 25000 Plätze. Wann wird er wieder diese Kapazität erreichen?

Also der Ronhof hat heute, wie von der DFL gefordert, eine Kapazität von 15000 Zuschauern. Und bei allem, was wir tun, versuchen wir genau in diesem Limit zu bleiben, da das Stadion mitten in einem Wohngebiet liegt und wir in einem guten Einvernehmen mit unseren Nachbarn leben wollen.

Sie spielten selbst noch für Vestenbergsgreuth. Hätten Sie gern auch einmal im Ronhof gespielt?

Dafür bin ich ja schon viel zu alt, auch schon 1996, als ich hierher kam. Aber wenn ich mir jetzt den Rasen anschaue, wäre das natürlich schon eine Steigerung. Die Frage hat sich nur rein faktisch nie ernsthaft gestellt.

Was macht für Sie den Reiz des heutigen Stadions aus?

Wissen Sie, das Stadion ist inzwischen meine Heimat, meine Aufgabe, mein Lebenswerk. Hier haben wir mit unseren eigenen Händen und ohne jegliche Hilfe von außen immer wieder investiert – als wir die Gegentribüne errichtet haben, als die Haupttribüne wesentlich verbessert wurde, als wir die Südtribüne angehängt und das Flutlicht installiert haben. Jeder Baustein davon ist auch kleines Stück von mir.

Welches Spiel ragt aus Ihrer Zeit in Fürth heraus?

Das war im ersten Jahr meiner Präsidentschaft. Das Pokal-Los wollte es, dass wir gegen den 1. FC Nürnberg spielen. Ich habe dann aus wirtschaftlichen Gründen die Entscheidung getroffen, das Heimrecht aufzugeben und in Nürnberg zu spielen. Nach einem Regionalliga-Spiel bin ich auf die Haupttribüne gegangen, um den Fans Rede und Antwort zu stehen. Die Polizei war schon da und hat gesagt: »Wir möchten Sie schützen, weil wir Angst um Sie haben.«

Ist etwas passiert?

Nein, es ist dann ganz anders gekommen. Ich habe sehr intensiv mit den Fans gesprochen. Es tat ihnen so weh, gegen den Club im Pokal nicht zu Hause spielen zu können. Aber sie haben gesehen, dass ich meine ganze Leidenschaft für den Verein einsetze.

Was wissen Sie noch über die legendäre Fürther Mannschaft, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dreimal deutscher Meister wurde?

Ich spüre hier ständig die ganz besondere Bedeutung, die ganz große Tradition. Die Geschichten von Vätern, von Großvätern über das, was sie hier erlebt haben. Ich nehme das intensiv auf und pflege es, so gut es geht

Warum schaffte Fürth nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder den Anschluss nach ganz oben?

Fürth hatte im Schatten des 1. FC Nürnberg immer sehr begrenzte Möglichkeiten. Vor dem Krieg gab es mal eine Blütezeit durch günstige Umstände, aber heute leben wir zunehmend in einer Welt der Kommerzialisierung, in der Sponsoren und Infrastruktur zählen. Deswegen bin ich unendlich dankbar, dass wir es nach dem Zusammenschluss der SpVgg Fürth mit dem TSV Vestenbergsgreuth auf Anhieb geschafft haben, in den bezahlten Fußball zurückzukehren und in der Zeit danach stabil in dieser Liga blieben.

Wie lief die Fusion genau ab?


Wir haben mit dem kleinen Dorf Vestenbergsgreuth und seinen 400 Einwohnern Geschichte geschrieben. Von der Gründung 1974 bis zum absoluten Highlight 1994, dem Sieg im Pokal gegen die Bayern. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir dann klar, dass wir sportlich und wirtschaftlich auf dem Zenit angelangt waren. Es war dann nicht einfach, die Menschen mitzunehmen und auf der Höhe des Erfolgs zu sagen: »Wir machen eine große Zäsur.« Umgekehrt war es in Fürth: Die wirtschaftliche Not war sehr groß, aber dafür war die Tradition da, die uns fehlte. Es trafen sich also zwei Pole, die gut zusammen passten.

Wieso kommen derzeit nicht einmal 10000 Zuschauer ins Stadion?

Wir haben einfach nicht diesen Komfort, und über Generationen sind uns viele Zuschauer verloren gegangen, die wir nur außerordentlich mühsam mit gutem Fußball wieder zurückholen können.

Greuther Fürth ist so etwas wie ihr »Kind«. Was hat der Vater noch mit ihm vor?


Wissen Sie, es wird jedes Jahr schwerer. Wir sind sportlich viel erfolgreicher, als es von den Voraussetzungen her möglich ist. Im bezahlten Fußball ist es so, dass große Städte, wie Düsseldorf, Leipzig, Magdeburg oder Dresden mit aller Macht in den bezahlten Fußball wollen. Wir müssen außerordentlich tüchtig bleiben, um weiterhin eine ähnlich gute Rolle spielen zu können wie jetzt.

Sie gelten als großer Visionär. Glauben Sie wirklich, im Ronhof noch einmal Bundesliga-Fußball sehen zu können?

Ich werde alles dafür tun, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten dieses große Glück einmal erleben. Aber es wäre vermessen, wenn ich da etwas versprechen würde. Ich kann nur sagen, dass ich meine Kraft seit elf Jahren für unser Kleeblatt einsetze. Das wird auch so bleiben und wir werden sehen, was dabei herauskommt.

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