Helmut Benthaus über den VfB Stuttgart

»Gewinnen reicht nicht«

Nach sieben Titeln von Basel nach Stuttgart und gleich erfolgreich: Was nach Christian Gross klingt, ist Helmut Benthaus, Meistertrainer 1984. Vor dem Champions-League-Knaller gegen Barcelona sprachen wir mit ihm über den VfB. Helmut Benthaus über den VfB StuttgartImago

Helmut Benthaus, Sie sind 1982 nach sieben Schweizer Meistertiteln mit dem FC Basel zum VfB Stuttgart gewechselt und wurden schon 1984 mit dem Klub Deutscher Meister. 26 Jahre später bringt nun Christian Gross, ebenfalls langjähriger Erfolgscoach in Basel, die Schwaben auf Trab.

Ach, ich hatte früher sehr viel Erfolg in Basel, dann kam nach vielen anderen Trainern Christian Gross und hat auch viel Erfolg gehabt. Jetzt werden unsere Biografien verständlicherweise immer miteinander verglichen.

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In vielen Medien ist zu lesen, er sei eine Art Ziehsohn von Ihnen.

Unser Verhältnis war immer freundschaftlich, aber wir waren nie miteinander befreundet. Er hat mich geschätzt, ich habe ihn geschätzt. Aber der Christian Gross ist eher ein Einzelgänger, darum kenne ich ihn privat sehr wenig.

Warum ist Gross so erfolgreich?

Weil er einfach das ist, was man einen guten, qualifizierten Trainer nennt: Er ist sehr erfolgsorientiert, pragmatisch und verlangt viel von seinem Team. Nämlich, dass sich die Spieler bedingungslos in den Dienst der Mannschaft stellen.

Waren Sie so etwas wie ein Wegbereiter für Gross? Schweizer Trainer haben in Deutschland oft mit Vorurteilen zu kämpfen.

Ich habe auf jeden Fall keine negative Rolle bei seiner Verpflichtung gespielt. Aber ich glaube nicht, dass er nach seinen Erfolgen, die er in Basel hatte, mit allzu großen Vorurteile zu kämpfen hatte. Zumal ich ja auch schon mal da war. In Stuttgart weiß man um die Qualität von Trainern, die aus der Schweiz kommen.

Gab es damals Vorbehalte gegen Sie?

Ja. Ich war zum Beispiel ursprünglich in Verhandlungen mit Kaiserslautern. Eigentlich war klar, dass ich dort hingehe. Das hat sich erst im allerletzten Moment zerschlagen. Ich habe nie nach den Gründen gefragt, aber da hat es sicherlich Stimmen gegeben, die gesagt haben: Das ist ein zu großes Wagnis. Später musste man diese Meinung revidieren.

Sie hätten 1984 auch Bundestrainer werden können.

Es ging damals um die Nachfolge von Jupp Derwall. Der DFB hatte mich auf dem Zettel. Aber ich hatte noch einen Vertrag, den wollte ich von mir aus nicht auflösen, weil ich in Stuttgart einen sehr guten Namen und viele Freunde hatte. Und der VfB machte von sich aus auch nicht den ersten Schritt. Irgendwann hatte sich der Plan dann zerschlagen und Franz Beckenbauer hat den Job übernommen.

Was machen die Schweizer anders oder besser als die Deutschen?

So viel anders kann man gar nichts machen im Fußball. Fußball ist immer das Gleiche: Das Runde muss ins Viereckige. Man muss einfach mehr Tore schießen als der Gegner, dann hat man gewonnen am Ende. Das klingt zwar dumm, aber es kommt dem, was Fußball ist, sehr nahe.

Ein zweites Vorurteil, mit dem Sie stets konfrontiert wurden, war das des kühlen Fußball-Intellektuellen, der ins Theater ging und Uni-Vorlesungen gab. Warum werden Trainer mit akademischem Hintergrund so kritisch gesehen?


Einfach nur zu gewinnen oder zu verlieren reicht heute nicht mehr. Da muss hinterher stets in der Zeitung erklärt werden, warum das so war. Aber es gibt doch keine Garantie dafür, dass ein Trainer, der studiert hat, später Meister wird. Man muss immer eine Sprache finden, die die Spieler verstehen.

Klingt, als seien Sie eher ein Freund einfacher Fußballweisheiten.


Man wird ja nicht als Doktor und Professor angestellt, sondern als Trainer. Ob da einer sagt: »Haut ihn rein!« Oder ob er sagt: »Ich bitte euch, seid doch so gut, versucht bitte, den Ball ins Tor zu schieben.« Das spielt überhaupt keine Rolle. Der Ball muss einfach drin sein.          

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