Hellas Verona erobert die Serie A: Hans-Peter Briegel über seinen Ex-Klub

»Italien war sehr hart«

Hellas Verona ist die Überraschungsmannschaft der laufenden Serie A-Saison. Hans-Peter Briegel, 1985 mit Hellas italienischer Meister, über Prämienversprechen vom Präsidenten und seinen starken rechten Fuß.

Hans Peter Briegel, Hellas Verona steht derzeit als Aufsteiger überraschend auf Platz fünf der Tabelle, zum Saisonauftakt wurde der AC Mailand geschlagen. Sie spielten zwischen 1984 und 1986 für den Verein. Wie kam es damals zum Wechsel?
Ganz kurzfristig! Ursprünglich hatte ich mit dem SSC Neapel über einen Wechsel gesprochen. Allerdings waren damals nur zwei Ausländer pro Team erlaubt, und der SSC Neapel verpflichtete dann Diego Maradona. Ich ging davon aus, dass ich in Kaiserslautern bleiben würde. Hellas Verona trat dann während der Europameisterschaft in Frankreich an mich heran. Wir haben uns in Paris getroffen. Dann ging es ganz schnell.

Sie haben seinerzeit in einem Interview gesagt: »Die Kameradschaft ist hier besser als in der Bundesliga.«
Das war tatsächlich so, wahrscheinlich aber auch der Tatsache geschuldet, dass unser Kader gerade einmal 17 Spieler umfasste, von denen zwei noch A-Jugendliche waren. Wir haben die Saison also im Prinzip mit nur 13 gestandenen Feldspielern durchgezogen. Da rückt man automatisch näher zusammen. Und das Schöne daran ist: Die Verbundenheit hält bis heute an. In der Form habe ich das weder vorher, noch nachher so erlebt.

Wie sieht der Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern heute aus?
Wir treffen uns noch ein- bis zweimal pro Jahr. Manchmal gibt es auch noch Spiele für den guten Zweck. Ob für Spieler, die in finanzielle Not geraten sind, oder die Wäschefrau von einst, die jetzt im Alter etwas Unterstützung braucht, und so heute die Miete für ihre Wohnung bezahlt bekommt.

Italienische Fans gelten nicht nur heute als heißblütig. Auch damals soll es immer wieder zu Ausschreitungen auf den Rängen gekommen sein. Haben Sie als Spieler davon etwas mitbekommen?
Vom Spielfeld aus habe ich davon nichts mitbekommen. Erst als ich im zweiten Jahr immer besser italienisch konnte, habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Grenzen der Heißblütigkeit leider auch immer wieder mal überschritten worden sind. Ansonsten sind meine Erinnerungen an die Fans aber überragend. Alle 14 Tage sind wir als Mannschaft zu einem Fanclub gefahren, haben mit den Fans zusammen gesessen, geplaudert und etwas getrunken. Das war immer eine schöne Abwechslung, ganz unaufgeregt. Aber meine verrückteste Fan-Geschichte erlebte ich in Albanien.

Was war passiert?
Anfang der Achtziger war der deutsche Fußball in Albanien wohl derart populär, dass Väter begannen ihre Kinder mit Vornamen nach deutschen Spielern zu benennen. So kam es, dass ich irgendwann einmal einem Sechsjährigen gegenüber stand, der Briegel hieß. Ein seltsames Gefühl!

»In Deutschland war ich nie beliebt, weil ich angeblich nur Kraft und keine Technik hatte. In Italien bewundern sie mein Gefühl im linken Fuß«, sagten sie damals. Wie froh waren Sie über die Möglichkeit zum Neuanfang?
Am Ende hatte ich sogar einen noch besseren rechten Fuß(lacht). Das lag natürlich auch am Training. Wir haben manchmal zwei bis drei Stunden trainiert, zweimal am Tag, und dabei meist mit Ball. Außerdem musste ich wegen des kleinen Kaders auf den verschiedensten Positionen aushelfen. Das bringt einen fußballerisch weiter.

In Italien soll deutlich härter gespielt worden sein als in der Bundesliga.
Italien war damals sehr hart, das stimmt. Man musste schon vier Augen haben. Wenn einer von hinten kam, das musste man vorher schon sehen, sonst wurde es gefährlich. Aber man ließ auch mehr durchgehen. Als ich meinen Mitspielern von einer Acht-Wochen-Sperre in Deutschland erzählte, waren sie fassungslos.

Was haben Ihre Mitspieler dazu gesagt?
»Du mußt den Schiri gewürgt haben, sonst gibt's doch niemals acht Wochen!«

Der damalige Präsident von Hellas Verona versprach Ihnen einen Maserati, sollten Sie zehn Saisontore erzielen. Gegen jede Erwartung haben Sie neun Tore geschafft. Traurig, dass es mit dem Maserati nichts geworden ist?
Nein. Diese Prämie hatte mir der Präsident tatsächlich versprochen, und ich hätte sie sogar leicht erreichen können. Im letzten Spiel der Saison gab es einen Elfmeter, und meine Mannschaftskameraden haben zu mir gesagt, ich solle doch schießen. Ich habe geantwortet: Nein. Ich möchte die zehn Tore aus dem Spiel heraus erzielen. In diesem letzten Spiel haben wir zwar mit 4:2 gewonnen, und ich habe als Mittelstürmer gespielt, aber das zehnte Saisontor habe ich leider trotzdem nicht mehr geschafft.

Am Ende der Saison stand nicht nur die sensationelle Meisterschaft für Verona. Sie wurden zudem zu »Deutschlands Fußballer des Jahres« gewählt. War das für Sie von Bedeutung?
Das bedeutete mir schon Einiges. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Wir waren mit der Mannschaft in einem Trainingslager in den Bergen und plötzlich hieß es, ich hätte einen Anruf aus Deutschland. Ich hatte mich schon gewundert, wie man überhaupt auf die Nummer gekommen war, und dann hieß es: »Du bist Fußballer des Jahres.« Anfangs war ich regelrecht baff, einfach weil ich damit niemals gerechnet hätte.

Was trauen Sie dem aktuellen Team denn zu?
Ich habe die Mannschaft vergangenes Jahr einmal spielen gesehen, zur neuen Saison sind viele neue Spieler dazu gekommen. Da fällt mir eine Prognose natürlich schwer. Aber mit dem guten Saisonstart im Rücken sollte ein Platz im Mittelfeld möglich sein. Und vielleicht geht am Ende tatsächlich etwas in Richtung Europa.

Schauen Sie denn regelmäßig nach den Ergebnissen von Hellas?
Ich schaue nach allen Vereinen, bei denen ich einmal gespielt habe, jede Woche.

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