Heinz van Haaren über den Bundesligaskandal '71

»Ich bin nicht geflohen«

Es ist das dunkelste Kapitel der wechselvollen Schalker Geschichte: Die Verwicklung in den Bundesliga-Skandal 1971/72. Wir sprachen mit Heinz van Haaren über die Hintergründe und das Ende einer Traumelf. Heinz van Haaren über den Bundesligaskandal '71

Heinz van Haaren gehörte am 17. April 1971 zu den 13 eingesetzten Spielern, die in der Glückauf-Kampfbahn mit 0:1 gegen Arminia Bielefeld verloren. Die Niederlage der Königsblauen gegen die abstiegsgefährdeten Ostwestfalen ging als das erste nachgewiesen verkaufte Spiel im deutschen Fußball in die Historie ein. Unzählige Anekdoten ranken sich um den Bundesliga-Skandal, der damals das jähe Ende einer Schalker Mannschaft bedeutete, die als die beste seit den Zeiten von Fritz Szepan und Ernst Kuzorra galt. Zeitgenössische Betrachter sprechen gar von einer Jahrhundert-Elf, dessen Blütezeit an jenem traurigen Tag im April bereits endete, ehe sie so richtig begann. Doch das sollte sich erst einige Monate später herausstellen.

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Nachdem die Königsblauen noch im April 1972 vor Gericht bezeugten, von einem verschobenen Spiel nichts gewusst oder gar dafür Geld erhalten zu haben, gab ihr aufstrebender Torwart Dieter Burdenski gegenüber DFB-Chefankläger Horst Kindermann den Erhalt von 2.300 DM zu. Die Verteidigungskette der Königsblauen war in sich zusammengebrochen. Es folgten jahre- bis lebenslange Sperren gegen die Sünder, die angesichts der anstehenden WM im eigenen Land später in einem Gnadenakt durch die Fußballfunktionäre wieder aufgehoben wurden.

Drei Jahre später erhob auch die Staatsanwaltschaft Essen Anklage wegen Meineids gegen die Schalker Profis, die schließlich vor dem Landgericht Essen ein spätes Geständnis ablegten. Heinz van Haaren, der heute 68-jährige Regisseur der damaligen Mannschaft, reiste zu der entscheidenden Verhandlung ohne rechtlichen Beistand an und plädierte bis zuletzt auf unschuldig.


Herr van Haaren, es wird kolportiert, Sie hätten Schalke zusammen mit Stan Libuda im Sommer 1972 verlassen, um einer bereits absehbaren Sperre durch den DFB zu entgehen. Stimmt das?


Das ist eine der Unwahrheiten, die sich bis heute gehalten hat. Ich bin damals mit Sicherheit nicht aus Schalke geflohen. Das wurde in den Medien so verbreitet, aber das stimmt einfach nicht. Schalkes damaliger Präsident Günter Siebert kam im Frühjahr 1972 - als von einer Sperre noch gar nicht die Rede war - nach einem Training auf mich zu und sagte, man hätte über mich abgestimmt und wollte den Vertrag mit mir, dem langjährigen Stammspieler, noch einmal um ein Jahr verlängern. Ich bräuchte aber nicht zu spielen. Ich war zwar bereits 32 Jahre alt, aber dass über mich abgestimmt werden musste hat mich derart hart getroffen, dass ich zu Siebert gesagt habe, ich werde keinen Vertrag aussitzen, sondern gehe sofort. Zu diesem Zeitpunkt war mit Straßburg oder einem anderen Verein noch gar nichts klar. Es hätte auch sein können, dass ich ganz mit dem Fußball hätte aufhören müssen. Aber ich war so gekränkt und erschüttert, dass ich auf keinen Fall weiter für Schalke spielen wollte.

Aber es ist doch ungewöhnlich, dass mit Libuda und Ihnen gleich zwei unter Verdacht stehende Spieler ins benachbarte Ausland wechselten, wo Sie nichts zu befürchten hatten!


Als mein Wechsel klar war, habe ich Stan sofort bei Racing empfohlen. Siebert wollte eine ganz junge Mannschaft aufbauen, auch Stan galt damals als zu alt. Er spürte das und wollte weg. Später hat Siebert ihn wieder zurückgekauft.

Können Sie die Fragen nach dem Bundesligaskandal denn überhaupt noch hören?

Im Gegenteil, die höre ich gerne, weil der Sachverhalt für mich bis heute nicht richtig geklärt ist. Es ist eher so, dass die Leute sich gar nicht trauen, mich darauf anzusprechen. Und wenn doch, wie zuletzt geschehen, dann wird das gerne auch schon einmal herausgeschnitten. Deshalb wird das mein letztes Interview sein.

Wie stellte sich denn die Situation um das ominöse Spiel aus Ihrer Sicht dar?

Ich hatte zuvor einige Wochen nicht gespielt, weil ich eine Zerrung hatte. Dann war ich wieder einigermaßen fit. Aber eigentlich nicht genug, um zu spielen. Aber Trainer Slobodan Cendic hat entschieden, dass ich auflaufen soll. Damals war das noch etwas anders. Ich wollte nicht, hatte aber keine Wahl. In der entscheidenden Szene nahm unser Verteidiger Hans-Jürgen Galbierz den Ball schlecht an. Das Leder sprang ihm vom Fuß, er machte noch eine Grätsche, aber der Bielefelder Gerd Roggensack war eine Zehntelsekunde eher da und schoss den Ball ins Tor. Jetzt frage ich Sie: Wie soll man eine Grätsche so ansetzten, dass man genau einen Augenblick zu spät kommt? Außerdem traf Aki Lütkebohmert in der ersten Halbzeit Latte und Pfosten. Wären die reingegangen, hätten wir gewonnen. Der DFB-Ankläger Horst Kindermann hat damals zu uns gesagt, ein Bundesligaspieler müsse in der Lage sein, aus 30 Metern absichtlich Latte und Pfosten zu treffen. Wenn ich mir da heute so manchen Bundesligastürmer so angucke, kann ich über diese Aussage nur lachen.

Aber ihre früheren Mitspieler haben den Erhalt von Geldzahlungen doch zugegeben!

Es haben ja auch Spieler Geld genommen. Aber nicht vor dem Spiel. In der Halbzeit lag plötzlich ein Umschlag auf der Reservebank. Die Hälfte des Betrages soll der Bote übrigens für seine Dienste bereits entnommen und an einer Spielbank verzockt haben. Die restlichen 20.000 DM wurden dann irgendwann nach dem Spiel verteilt. Aber es wurde weder vor dem Spiel und auch nicht in der Halbzeit davon geredet, das Spiel absichtlich zu verlieren. Ich habe davon nichts mitbekommen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass hinter meinem Rücken etwas abgelaufen ist. Leider hat sich das damalige Team aus den Augen verloren. Aber wenn wir uns mal sehen, dann bezeugt mir zum Beispiel Rolf Rüssmann noch heute, das Spiel sei nicht verschoben gewesen.

Vor Gericht haben er und einige Kollegen dann aber etwas anderes ausgesagt!

Das mussten sie doch, ihnen blieb gar keine andere Wahl mehr. Die meisten Spieler wie Rüssmann oder Klaus Fischer waren sehr jung und hatten ganz einfach Angst um die Fortsetzung ihrer Karrieren. Der DFB drohte mit empfindlichen Strafen und hatte auch schon einige Exempel statuiert. Hätten die Spieler die Annahme des Geldes sofort zugegeben, wäre die ganze Sache nie so eskaliert. Denn es gab keine Schiebung. Das, was sie später unter ungeheurem Druck aussagen mussten, entspricht nicht der Wahrheit, sondern war nur die Voraussetzung für die Reduzierung der Sperren. Die Dummheit war, das Geld angenommen zu haben. Dann haben sie aus Angst gelogen und gelogen. Hätten sie damals gesagt, wie es war, nämlich dass sie das Geld zwar genommen haben, aber das Spiel nicht verkauft war, dann wäre es anders gelaufen.

Dennoch sind auch Sie vom DFB gesperrt und später verurteilt worden.

Ich war sogar am längsten von allen Spieler gesperrt. Weil ich meine angebliche Falschaussage nicht revidiert habe, wurde meine Sperre nicht reduziert. Dabei habe ich definitiv weder vor noch während oder nach dem Spiel Geld angenommen. Es gab auch keinen Meineid. Deshalb bin ich auch ohne Rechtsanwalt zum DFB nach Frankfurt gefahren und habe gesagt, dass selbst eine Sperre von einer Sekunde eine Sekunde zu lang wäre.

Und haben sich damit im Endeffekt selbst geschadet, oder?

Es entsprach meiner Überzeugung. Nach meiner Rückkehr aus Straßburg wollte mich Reinhold Wosab zu Rot-Weiß Lüdenscheid holen. Aber dafür hätte ich mich begnadigen lassen und meine Aussagen revidieren müssen, denn ich war ja noch gesperrt. Doch das wollte ich nicht, weil ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen. Das wäre für mich wie ein Eingeständnis gewesen.

Wie war es mit Libuda in Frankreich?


Stan blühte im Herbst seiner Karriere noch mal richtig auf. In den ersten Spielen vernaschte er seine Gegenspieler wie in besten Zeiten. Nach drei Begegnungen verletzte er sich und wurde von Racing zu einer viel zu frühen Rückkehr ins Team gedrängt. Denn er hatte den Verein, der so dahindümpelte, wach geküsst. Wegen ihm war das Stadion plötzlich ausverkauft. Aber er fand danach nicht mehr zu seiner Form. Als sich dann noch ein Geldgeber zurückzog, war Racing froh, ihn und auch mich nach einem Jahr wieder los zu sein. Auch ich bin dann, trotz eines Zweijahresvertrages, nach einer Saison wegen Schwierigkeiten beim Bau meines Mehrfamilienhauses im Gelsenkirchener Stadtteil Bulmke, in dem wir auch heute noch leben, aus Straßburg zurückgekehrt. Der Bauträger glaubte, mich wegen der Entfernung hintergehen zu können. Als ich an Weihnachten zu Besuch kam, lag die angeblich schon Wochen vorher eingebaute Heizung immer noch vor der Tür. Daher wollte ich wieder vor Ort sein und habe meine Profikarriere dann wegen der noch laufenden Sperre beendet.

Eine ähnliche Situation erlebten Sie 1968 bereits beim MSV Duisburg.

In Duisburg stand schon immer wenig Geld zur Verfügung. Da ich ein gutgläubiger Mensch bin, für den Vereinbarungen gelten, habe ich dem MSV Zahlungen gestundet. Mir wurde versprochen, dass ich das Geld nach einem Verkauf von Erwin Kostedde zu Standard Lüttich bekommen sollte. Als ich den Verantwortlichen gesagt habe, dass ich nach Schalke wechseln wollte, wollten sie mich erpressen. Ein Mitglied der Geschäftsführung kam zu mir nach Hause und sagte, wenn du gehst, wirst du das Geld, es handelte sich um eine fünfstellige Summe, nicht sehen. Bleibst du, bekommst du es. Daraufhin habe ich ihm gesagt, er soll sofort meine Wohnung verlassen. Ich wollte unbedingt wechseln, denn ich hatte in meiner Karriere bislang noch nicht viel verdient. Und es wurde langsam Zeit, denn ich hatte meinen Berufswunsch Technischer Zeichner für den Fußball fallen gelassen. Dennoch war die Zeit in Duisburg vom Zusammenhalt der Mannschaft her die schönste in meiner Karriere. Wir treffen uns noch heute regelmäßig.

Vor ihrem Wechsel nach Schalke soll es auch ein Angebot aus Dortmund gegeben haben?

Ja, der BVB hat mir in letzter Sekunde doppelt so viel Gehalt geboten wie Schalke. Und die Borussen haben mir ein Haus gezeigt, das im Rohbau schon fertig war. Das sollte ich bekommen. Aber ich hatte in Schalke bereits zugesagt, auch wenn der Vertrag noch nicht unterschrieben war.

Gab es Nachverhandlungen?

Nein, ich hatte mein Wort gegeben.

War der Fußballberuf ein Traum für Sie?


Ich habe nie geplant, da oben hinzukommen. Aber dann ergab es sich, dass der TSV Marl-Hüls in die Oberliga aufgestiegen war und einen Linksaußen gesucht hat. Obwohl ich vorher kaum Linksaußen gespielt habe und eher im Mittelfeld zu Hause war, haben sie mich dann verpflichtet.

Wie wurde Hüls auf Sie aufmerksam?

Ich kam ja aus Marl und hatte bei den Chemischen Werken Maschinenschlosser gelernt. Eigentlich wollte ich 1960 zur Ingenieursschule gehen. Meine Eltern haben mir auch dazu geraten. Denn wir haben als Fußballer in Hüls nicht viel verdient. Das erste Gehalt betrug 40 Mark und steigerte sich dann auf 120 und 400 DM. Das habe ich als Maschinenschlosser auch verdient. Und die Trainer verlangten damals schon den vollen zeitlichen Einsatz. Die Ausübung eines Berufes nebenher war nicht möglich. Dennoch wollte ich es unbedingt für zwei Jahre probieren. Und dann kam Rudi Gutendorf nach Hüls. Kaum vorstellbar, aber Gutendorf war Trainer in Marl.

Gutendorf und Sie, das war eine ganz besondere Beziehung, oder?

Rudi Gutendorf kam mit völlig neuen Methoden in die fußballerische Provinz und wollte Hüls aus der Oberliga in die Bundesliga führen. Als er sah, dass das nicht möglich war, ging er zum MSV Duisburg und wurde auf Anhieb in der ersten Bundesligasaison Vize-Meister. Eigentlich wollte er mich damals zum MSV mitnehmen, aber Marl hatte mich nicht frei gegeben. Ein Jahr später bin ich ihm dann nach Meiderich gefolgt. Gutendorf war ein Trainer, der an die Grenzen ging. Das kam mir entgegen. Unsere Wege kreuzten sich dann wieder, als wir in der Saison 1968/1969 mit Schalke im Abstiegskampf standen. Siebert fragte uns, wen wir uns nach der Entlassung von Günter Brocker als Trainer vorstellen könnten. Ich habe Gutendorf vorgeschlagen, das war unsere Rettung. Wir standen an zweitletzter Stelle und dann ging es sofort aufwärts. Wir waren dann die beste Rückrundenmannschaft und kamen als Pokalfinalist sogar in den Europapokal.

Mit welchen Mitteln arbeitete Riegel-Rudi?


Gutendorf war damals bereits ein Weltmann. Er hat anders trainiert, als alle anderen Trainer. Knallhart, er hat immer ein paar Übungen gehabt, bei denen man bis an seine Grenze gehen musste. Das vermisse ich heute manchmal. Da wird zwei Stunden trainiert, aber keiner geht an seine Grenzen. Wie soll man das dann im Spiel können?

Sie konnten es?

Wir konnten es. In seinem ersten Spiel als Schalker Trainer spielten wir gegen Frankfurt. Gutendorf sagte uns, wir sollten den Frankfurter Spielern nicht die Hand geben und ja nicht freundlich gucken. Die sollten sofort sehen, dass wir gewinnen wollen. So hat er uns motiviert. Ich habe in diesem Spiel zum ersten Mal in meinem Leben gegrätscht. Wir haben die Partie mit 2:0 für uns entschieden. Mal wurden Trikots verbrannt, mal mussten wir in der Trabrennbahn gegen Pferde antreten. Alles hat funktioniert, wir haben ihm nachher fast alles geglaubt. Aber er war auch ein bisschen verrückt. Weil ich mich wegen einer Verletzung im Pokalendspiel 1969 gegen die Bayern auswechseln lies, redete er auf der ganzen Rückfahrt und eine Woche danach kein Wort mehr mit mir. Er gab mir die Schuld an der Niederlage.

Bereits Legende ist sein Training vor den Toren der Zeche Consol.


Es war inhaltlich nichts besonders. Aber er hat uns um fünf Uhr morgens aus dem Bett gescheucht und wir haben zu Beginn der Frühschicht vor den Zechentoren Gymnastik gemacht. Er hat uns Spielern gezeigt, dass wir genauso hart arbeiten müssen, wie die anderen Menschen, die tagtäglich zur Arbeit gehen. Und die sollten auch sehen, dass wir bereit sind, das letzte für Schalke zu geben. Wir haben dann noch einen kleinen Kanallauf absolviert und waren dann nach einer Stunde wieder in der Kabine. Aber das Ziel war erreicht.

Nach ihrer aktiven Karriere sind Sie Masseur geworden.

Eigentlich wollte ich Trainer werde. Ich habe mit dem Präsidenten Dr. Hütsch ausgemacht, dass ich als nebenberuflicher Jugendtrainer anfange und während dieser Zeit meine Fußballlehrerausbildung absolviere. Dann ist er leider verstorben. Wir hatten ein Konzept aufgestellt, nur noch Spieler aus der näheren Umgebung zu holen und zu fördern. Siebert kam wieder und wollte davon nichts mehr wissen. So blieb die Deutsche Meisterschaft 1978 mit der B-Jugend und einem überragenden Wolfram Wuttke mein einziger Titel als Trainer mit Schalke. Danach habe ich mich auf meinen Beruf konzentriert.

Warum sieht man Sie so selten in der Arena?

Ich gehe schon noch hin. Aber ich habe ein wenig den Spaß am Fußball verloren. Die Vereine holen heute schon Jugendliche aus Brasilien. Das ist nicht mehr meine Welt. Mit der Schule im Berger Feld ist Schalke da allerdings auf einem guten Weg. Und was mir noch nicht gefällt. Warum sind die Spieler nicht mal ein bisschen dankbarer. Das ist der Job ihres Mit 32 Jahren können die doch entscheiden, ob sie zur Uni gehen oder ein Leben lang Urlaub machen.

Sie haben erst vor wenigen Jahren Ihre Praxis an Ihren Sohn Andre, der auch die zweite Mannschaft der Schalker als Physiotherapeut betreut, abgetreten. Auch heute, mit 68 Jahren, helfen Sie dort noch ab und zu aus. Stünden Sie gerne noch mal am Anfang Ihrer Karriere?


Wenn ich sehe, was heute so läuft, muss ich sagen, dass ich dankbar bin, dass ich zu meiner Zeit spielen durfte. Denn das gefällt mir gar nicht mehr. Früher war Fußball Lebensinhalt, heute ist er zur Show verkommen. Meine Frau sagt immer, als Spielerfrau könnte Sie heute noch nicht einmal im Jogginganzug den Müll runter bringen, aus Angst fotografiert zu werden. Außerdem, wo spielen denn heute noch Kinder Fußball? Wir haben früher nach der Schule so lange gekickt, bis es dunkel wurde. Und meistens dort, wo unsere Eltern uns nicht finden konnten, denn wir hatten ja unsere Hausaufgaben noch nicht gemacht. Heute sind die Kinder oft zu faul, mal einem Ball hinterher zu laufen. Hier kann nur über die Schulen etwas geändert werden.

Warum sind Sie eigentlich nie Nationalspieler geworden?

Mein Vater, der auch schon in Deutschland geboren wurde, war Niederländer. Obwohl ich meine Verwandtschaft dort bis heute nicht kenne, wurde ich das dann automatisch auch. Dabei war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Holland, als mich der deutsche Bondscoach Georg Kessler während meiner Duisburger Zeit zu einem Probetraining einlud.

Warum hat es nicht geklappt?

Er wollte mich haben, machte aber zur Voraussetzung, dass ich zu Feyenoord Rotterdam oder Ajax Amsterdam wechsle. Kessler wollte keine Spieler aus dem Ausland. Doch das kam für mich nicht in Frage. Meine Heimat war hier, was sollte ich dort? Damit war meine Nationalmannschaftskarriere schon beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Nur für Willi „Ente“ Lippens hat er eine einzige Ausnahme gemacht. Doch auch er durfte nur einmal spielen.

In Gelsenkirchen ist der Name van Haaren nicht nur als Spieler ein Begriff. Über dem berühmten Tabakwarengeschäft von Ernst Kuzorra an der Kurt-Schuhmacher-Straße prangte lange Jahre der Schriftzug »Van Haaren/Nowak«!

Stan Libuda hatte 1975 das Geschäft von Ernst Kuzorra nach seiner Karriere übernommen. Doch die Tätigkeit als Verkäufer lag ihm nicht. Weil es nicht lief, wollte er es dann wieder abgeben. Dann hat Ernst Kuzorra mich gefragt, ob ich den Tabakwarenladen weiterbetreiben wolle. Ich war aber beruflich schon so eingespannt, dass ich es nicht realisieren konnte. Meine Frau und ihr Bruder Gerd Nowak haben das Geschäft dann weitergeführt. Seit einigen Jahren betreibt mein Schwager den Handel alleine.

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