18.06.2008

Heinz Palme im Interview

»Ein Himmelfahrtskommando«

Heinz Palme ist Geschäftsführer der Initiative »Österreich am Ball« und Chefkoordinator der Bundesregierung für die Euro 2008. Nun zieht der 49-Jährige eine harte Zwischenbilanz und erklärt, warum viele Fanmeilen so trist aussehen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Heinz Palme im Interview
Wann traten Sie Ihren Job an?

Am 1. Oktober 2006, dem Tag der Nationalratswahlen, an dem der Bundeskanzler, der mich vier Tage zuvor als Chefkoordinator präsentiert hatte, abgewählt wurde. Ich befand mich gleich in einem Vakuum und wusste nicht, ob es überhaupt Geld gibt. Erst nach einem Vier-Augen-Gespräch mit dem neuen Kanzler, konnte ich im März 2007 anfangen, unsere Aktivitäten in die Tat umzusetzen. Ein Himmelfahrtskommando.

Ein Politikum dieser Euro sind die Fanmeilen. Die Resonanz ist vielerorts längst nicht so, wie im Vorfeld angenommen.

Es funktioniert dort, wo es funktionieren kann. In Salzburg ist die Fanmeile im Stadtzentrum. Die City ist klein, so dass die Touristen sowieso in die Getreidegasse und auf die Hohen-Salzburg gehen. Die Größe mit etwa 20000 Besuchern ist gut berechnet. Zudem waren die Salzburger so klug, ihren Gastronomen nicht vorab weis zu machen, dass der Andrang schon am frühen Morgen beginnt.

So wie es in Wien der Fall ist, wo Stadt und UEFA die Gastronome anfänglich dazu vergatterten, am Morgen zu öffnen und Bier zu Höchstpreisen zu offerieren.

Wie soll es möglich sein, dass an einer Fanmeile den ganzen Tag 30000 Menschen feiern? In Salzburg hat man das im Vorfeld erkannt, in Wien waren die Voraussetzungen anders.

Hätten Sie als Organisator dabei kein Einspruchsrecht?

Nein, das ist Sache der Stadt und der UEFA. Es hat auch triftige Gründe, dass in Wien die Gastronome dazu aufgefordert wurden, schon um 9 Uhr am Stand zu sein. Denn sonst wäre es gar nicht möglich gewesen, die zentrale Ringstraße für die gesamte Dauer des Turniers zu sperren.

In Klagenfurt ist die Fanmeile wegen Desinteresses sogar nach wenigen Tagen geschlossen worden.

Klagenfurt war ein Sonderfall. Das dortige Publikum hat mit Fußball nichts am Hut. Der lokale Klub ist erst in der EM-Saison durch Standortverlegung von Pasching nach Klagenfurt in die höchste Spielklasse gekommen. Wegen des Stadionbaus gab es viele Diskussionen. Hinzu kam, dass Klagenfurt die Gruppe mit Deutschland, Polen und Kroatien beherbergte. Teams, deren Fan-Anhang im Vorfeld – auch wegen der Berichterstattung – Angst und Schrecken verbreitete.

Eine falsche Standortentscheidung?

Graz und Linz wären unsere Wunschstädte gewesen, aber beide sahen sich außerstande, ein neues Stadion für die EM zu bauen. Also blieb nur Klagenfurt als Kompromiss.

Kann es sein, dass Sie froh sind, wenn die EM vorbei ist?

Schon jetzt ist klar: Wir können das Turnier mit einer positiven Bilanz abschließen, sowohl was das Image anbetrifft, als auch wirtschaftlich. Persönlich habe ich seit sieben Jahren aber praktisch keinen Tag frei gehabt, nach der WM 2006 kam der fliegende Wechsel nach Österreich. Ich freue mich also, in Südafrika 2010 als Berater deutlich mehr im Hintergrund zu wirken.

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