18.06.2008

Heinz Palme im Interview

»Ein Himmelfahrtskommando«

Heinz Palme ist Geschäftsführer der Initiative »Österreich am Ball« und Chefkoordinator der Bundesregierung für die Euro 2008. Nun zieht der 49-Jährige eine harte Zwischenbilanz und erklärt, warum viele Fanmeilen so trist aussehen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Heinz Palme im Interview
Herr Palme, die erste Hälfte der EM ist vorbei. Ihre Zwischenbilanz?

Ist überwiegend positiv. Die österreichische Elf hat gezeigt, dass sie konkurrenzfähig ist. Unsere Begleitarbeit hat geholfen, die Euro im Bewusstsein der Menschen zu positionieren. Das Land hat neue Stadien und einen optimistischeren Zugang zum Thema Fußball.

Schmälert es Ihre Arbeit, dass Österreich die Vorrunde nicht überstanden hat?

Nein, als Ivo Vastic gegen Polen traf, wurde die Euro als Sportereignis unvergesslich. Der Treffer ist gleichzusetzen mit dem Tor von Oliver Neuville bei der WM 2006 gegen Polen. Danach hat die Euphorie das Land erfasst.



Sie waren mitverantwortlich für die Koordination der WM 2006. Der wesentliche Unterschied der Euro 08 zum Turnier in Deutschland?

Deutschland ist eine Fußballnation. Der soziale Stellenwert des Fußballs ist viel höher als in Österreich. Wir werden nie Welt- oder Europameister werden. Die Ausgangsposition war also ganz anders: Lange wurde das Turnier mit großer Skepsis gesehen. Schon bei der Bewerbung fragten viele, wozu die EM gut sein solle. Viele Bürger hielten es für Verschwendung, mit öffentlichen Geldern Stadien zu bauen.

Sie ernannten 2008 so genannte »Botschafter der Leidenschaft« aus allen Gesellschaftsschichten, um Stimmung für das Turnier zu machen.

Wir mussten ein Bewusstsein in der Bevölkerung für den Fußball und die Besonderheit einer derartigen Großveranstaltung schaffen. Es liegt in der Volksseele begründet, dass wir Österreicher dazu neigen, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt zu sein. Seit Jahren bewegen wir uns in einer Depression, was den Fußball anbetrifft. Sogar ich ertappe mich mitunter bei dem perversen Gedanken, dass ich bei einer drohenden Niederlage sage: »Und wenn sie kein Tor mehr machen, sind die Deppen eben weg«. Die deutschen, polnischen, kroatischen Fans weinen beim Ausscheiden, wir ergeben uns in Galgenhumor, Ärger oder sogar Gleichgültigkeit.

Haben Ihre Bemühungen im Vorfeld der EM gefruchtet?

Teilweise. Ich allein habe in den letzten zwei Jahren etwa 200 Vorträge gehalten oder an Podiumsdiskussionen teilgenommen. Egal wer angefragt hat, wir waren überall vertreten. Ich habe geredet, geredet, geredet.

Ein bisschen Frust klingt durch.

Es lief beileibe nicht alles nach Plan. Als wir im Mai 2007 unsere Aktion »Österreich am Ball« mit einer Roadshow starteten, lieferte die Nationalelf parallel katastrophale Ergebnisse ab: 0:1 gegen Schottland, ein unsägliches Vierländer-Turnier, ein 1:1 gegen Paraguay. Dann musste der ORF sämtliche Aktivitäten einstellen, weil sich der Sender mit dem Rechtevermarkter nicht einigen konnte. Ein riesiges Kommunikationsloch entstand.

Pleiten, Pech und Pannen.

Wir haben jetzt 120 000 angemeldete Mitglieder in unserer Internetcommunity »Fussballverbindet.at«. Eine durchaus zufrieden stellende Zahl. Aber ohne diese Pannen hätten wir bestimmt 200 000 Mitglieder.

Wovon hängt bei der Planung der Erfolg eines deratigen Sportereignisses ab?

Im Wesentlichen von drei Faktoren: Sicherheit, Wetter und dem Erfolg des Gastgeberlandes. In Deutschland haben wir auf der Grundlage dieser Prioritäten einen Plan gemacht und fünf Jahre lang generalstabsmäßig daran gearbeitet. In Österreich gab es kein nationales Organisationskomitee, da die UEFA der offizielle Veranstalter ist. Dem ÖFB als ausrichtendem Verband war keine direkte Organisationsaufgabe zugeordnet. Auch die Bundesregierung wusste nicht, wie man diese komplexe Aufgabe bewältigt. Ich musste erst einmal zusehen, alle Mitspieler zu einer harmonischen Einheit zu verbinden. Dabei war der Zeitplan ohnehin schon sehr eng.

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