20.08.2012

Heinz »Heiner« Kördell, Schalkes letzter Deutscher Meister

»Ich warte sehnsüchtig auf Nachfolger!«

Heiner Kördell ist eine lebende Schalker Legende. 1958 gehörte er zur Mannschaft, die die bislang letzte Deutsche Meisterschaft nach Gelsenkirchen holte. Im Interview spricht er über die Zigarre von Ernst Kuzorra und das lange Warten auf den nächsten Titel.

Interview: Kai Griepenkerl Bild: Imago

Heiner Kördell, Sie sind 1932 geboren, wechselten aber erst 1956 zum FC Schalke. Warum haben Sie bis zu Ihrem 24. Lebensjahr für die SpVgg Röhlinghausen gespielt?
Es gab ja durchaus Anfragen von Mannschaften wie Westfalia Herne und dem SV Sodingen, die im bezahlten Fußball gespielt haben. Aber wir wohnten in einer Bergmannkolonie und mein Vater sagte immer: »Du bist einer von uns. Du bleibst in Röhlinghausen, so lange du die Füße unter meinen Tisch steckst.«1

Warum war er darauf so sehr erpicht?
Die Bergleute waren gemeinsam unter Tage, in der Kneipe und auf dem Sportplatz. Sie hielten zusammen, und das galt auch für ihre Kinder. Das hat sich dann aber schlagartig geändert, als Schalke 04 mich wollte.

Die »Knappen« zogen offensichtlich bei den Bergleuten.
Richtig. Die sind zum Teil zu Fuß nach Gelsenkirchen gelaufen, um sich die Spiele anzuschauen. Wenn einer ein Fahrrad hatte, war er schon glücklich. Dass einer aus unserer Kolonie mal für Schalke spielen sollte, war für alle etwas Besonderes.

Wie wurde der Verein auf Sie aufmerksam?
Vor einem Ligaspiel hieß es: »Heiner, mach heute mal mehr Dampf. Da draußen steht ein Beobachter von Schalke!« Erst nach dem Schlusspfiff habe ich erfahren, wer der Beobachter war. Ich saß mit einer Flasche Bier in der Kabine, als ein Mitspieler meinte: »Beeil dich, der Ernst Kuzorra steht vor der Tür.« Ich sagte ihm: »Hau ab, du willst mich wohl verarschen!« Kurze Zeit später ging die Tür auf und Kuzorra stand leibhaftig da. Mit seiner Zigarre im Mundwinkel sagte er einen Satz, den ich nie vergessen werde: »Ey, Heiner, wie lange willst du mich noch warten lassen?«

Wenige Tage später kam es schon zu den Vertragsverhandlungen.
Mein Vater hat extra früher Feierabend gemacht, weil Ernst Kuzorra zu uns kam. Er hat die ruhmreiche Elf um Kuzorra, Szepan und Tibulski verehrt. Er war unheimlich stolz, dass nun sein Sohn für S04 spielen sollte.

Und Sie kamen an der Karriere als Bergmann vorbei.
Mein Vater hatte mir und meinem Bruder schon früh klar gemacht: »Unter Tage kommt keiner.« Also habe ich Stuckateur gelernt. Das habe ich auch auf Schalke noch ein halbes Jahr gemacht. Ich musste den Verputz selber unten anrühren, nach oben schleppen und dann verarbeiten. Eine verdammte Knochenarbeit. Irgendwann wurde es mit vier Trainingseinheiten zu viel. Also hat mir der Verein einen Job in einem Eisenwerk vermittelt. Und nach der Deutschen Meisterschaft 1958 wurde ich von den Stadtwerken angestellt. Zunächst zwei Jahre als Gelderheber, dann als kaufmännischer Angestellter.

Sie spielten meist im Mittelfeld oder als Halbstprmer. Was war Ihre größte Stärke?
Ich war nicht unbedingt der Torjäger, aber man sagte mir nach, dass ich eine Pferdelunge hatte. Ich konnte von Anfang bis Ende laufen, ohne stehen zu bleiben. Das Rennen hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich den Schiedsrichter mal bat, noch fünf Minuten länger zu spielen. In der Kabine hätte ich fast Schläge kassiert. Meine Mitspieler fragten, ob ich ein Loch in der Schüssel hätte. Aber ich wollte immer weiter.

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