Heiner Brand über Löws Outfit und Partyfans

»Ich bleibe etwas auf Distanz«

Handball-Bundestrainer Heiner Brand erlebt die Fußball-WM als allabendlicher Talk-Gast im »International Football Village« in Johannesburg. Ein Gespräch über Jogi Löws akkurate Garderobe und seinen Blick auf die WM. Heiner Brand über Löws Outfit und PartyfansImago

Heiner Brandt, wie kommen Sie als Handballer zurecht in einer Runde aus Fußball-Experten wie Hans Meyer, Uwe Reinders und Mirko Slomka?

Ich laufe hier unter Sportexperte und verlege mich bei meinen Ausführung verstärkt auf Themen wie Teamführung und Coaching.

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Haben Sie selbst mal Fußball gespielt?

Durfte ich ja nicht, ich war ja Handballer, aber ich denke, ich war zumindest im Training ein ganz guter Kicker. Nach meiner Karriere habe ich noch 15 Jahre bei einem Freizeitteam vom Westdeutschen Rundfunk gespielt.

Das Outfit von Joachim Löw ist bei der WM immer wieder Thema. Wird es nicht Zeit, dass auch der Handball-Nationalcoach im Anzug an der Linie steht?

Nö, dazu würde mein Verdienst nicht ausreichen.

Für einen schwarzen Einreiher wird’s doch noch langen.

Einen? Wissen Sie, meine Spieler benutzen alle diesen Kleber für die Hände. Da klebt die Ersatzbank und praktisch alles in meiner Coaching Zone. Der Kleber ist so penetrant, dass er nur einmal an das Sakko kommen muss, und ich kann den Anzug wegschmeißen. Da müsste der Deutsche Handball-Bund mein Gehalt zumindest verdoppeln.

Gefällt Ihnen Löws Garderobe?

Wenn es zur Außendarstellung des DFB gehört, dass ein Trainer so auftritt, finde ich es gut, aber beim Handball wäre das unpassend. Okay, ich könnte schon mal eine Jeans oder ein Hemd anziehen, aber am Ende versau ich mir die Klamotten bloß.

Jogi Löw sagt, wenn er die Haustür morgens hinter sich zumacht, muss er über jedes seiner Worte nachdenken, schließlich ist er der Bundestrainer. Wie sehr tragen Sie einen Maulkorb?


Mit dem Fußball ist meine Wahrnehmung nicht vergleichbar. Aber natürlich weiß auch ich, dass ich mich nicht mehr in einer Kölner Kneipe aufführen kann, als würde es kein Mensch mitbekommen, und ein Kölsch nach dem anderen kippen. Mein Bekanntheitsgrad hat nochmal extrem zugenommen, seit RTL die Handball-WM übertragen hat, seither werde ich noch viel öfter auf der Straße angesprochen.

Wobei Sie durch das Abrasieren Ihres Schnurbarts jederzeit in die Anonymität abtauchen könnten.

Bei aller Liebe, dem Spott setze ich mich nicht mehr aus. 2004 nach der gewonnenen Europameisterschaft haben mir die Spieler den Bart abrasiert – da war ich regelrecht genervt, weil ich dauernd auf mein Aussehen angesprochen wurde.

Hier im »International Football Village« herrscht allabendlich Hully-Gully bei den Spielen. Wie gefällt es Ihnen?

Für mich ist das hier Urlaub. Ich gebe zu, wenn ich hier nach den Spielen über den Hotelhof gehe und die schreienden, mitunter leicht angetrunkenen Fans erlebe, bleibe ich ein bisschen auf Distanz. Ich freue mich eher am Zustandekommen eines Tores, als an der ausgelassenen Freude der Zuschauer hinterher. Da bin ich mehr der Sport- als der Partyfan. Innerhalb der Reisegruppe mit den anderen Experten fühle ich mich aber sehr wohl, wir haben viel Spaß.

Wie lange bleiben Sie hier?

Ich bin zum Deutschland-Spiel gegen Ghana angereist und bleibe bis zum Viertelfinale, weil wir mit der Handballnationalmannschaft eine Woche später nach Chicago fliegen. Wir hatten vorher noch zwei Qualifikationsspiele gegen Griechenland. Von dort aus bin ich kurz nach Hause und habe umgepackt.

Was sagt denn Ihre Frau dazu?

Zugegeben, hunderprozentige Zustimmung für diese Reise hatte ich nicht. Aber ich war vor 14 Jahren mal hier im Winter in Kapstadt – und es war wunderschön. Deswegen war es mir wichtig als Sportler und als Fan hierher zu kommen.

Obwohl gerade in Deutschland die Berichterstattung über Südafrika im Vorfeld nicht gerade positiv war.


Davon hat sich auch meine Frau ein bisschen anstecken lassen. Sie hat mich immer wieder auf Artikel hingewiesen, wenn darüber berichtet wurde, dass jemand überfallen worden war. Natürlich gibt es hier Ecken, die nicht ganz ungefährlich sind, die gibt es aber in jeder deutschen Großstadt auch. Aber dass in der Berichterstattung ein ganzes Land zum Sicherheitsrisiko gemacht wurde, fand ich fragwürdig.

Sie sitzen jeden Abend mit Experten zusammen. Wie beurteilen Sie die sportliche Qualität dieser WM?

Anfänglich war ich ein bisschen enttäuscht, aber je weiter es in die K.O.-Runde geht, desto besser werden die Spiele. Spanien gegen Chile, Ghana gegen die USA oder auch unser Sieg gegen England – das waren schon Ereignisse.

Und was haben Sie als Fußballfan dazu gelernt?

Dass die Südamerikaner inzwischen wissen, wie man aus einer kompakten Abwehr heraus spielt und dass auch kleinere Nationen wie Chile, Uruguay oder auch Paraguay Fußball inzwischen viel mehr als Laufspiel begreifen – auch ohne Ball. Andererseits muss man sagen, dass die afrikanischen Mannschaften fast alle den Anschluss verloren haben. Insgesamt fehlt diesen Nationen doch die Dominanz, die ihnen in den vergangenen Jahren zugeprochen wurde.

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