Heiko Herrlich über Bochum

»Malochen ist mir nicht fremd«

Im Herbst übernahm Heiko Herrlich das Traineramt beim VfL Bochum – eine schwere Aufgabe für den Novizen. Doch er schaffte die Trendwende. Wir sprachen mit ihm über sein Rezept, Holzhacken in den Alpen und Gespräche mit Ata Lameck.  Heiko Herrlich über Bochum

Herr Herrlich, haben Sie vor dem Spiel gegen Schalke 04 schon einmal 2:2 gewonnen?

Als Trainer war das sicherlich eine Premiere.

Sie waren vor nicht allzu langer Zeit selbst noch Spieler. Mussten Sie sich bremsen, um nicht zu ekstatisch zu jubeln?

Nein, Emotionen gehören doch zum Fußball dazu. Wenn man in einem Derby 0:2 zurückliegt und dann in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt, müssen die Gefühle auch mal raus. Allerdings fängt man sich als Cheftrainer dann auch recht schnell. Man gratuliert den Spielern und allen Teammitgliedern, und spätestens beim Pressesprecher fällt einem ein, dass noch Medienarbeit auf einen wartet. Man schaltet schnell auf die Analyse des Spiels um.

[ad]

Unterhalten Sie sich von Zeit zu Zeit auch mal mit alten Recken wie Ata Lameck und Lothar Woelk, um dem Geheimnis der Unabsteigbarkeit auf den Grund zu gehen?

Dazu hat bisher die Zeit gefehlt. Ata Lameck habe ich allerdings schon kennen gelernt – und der Mann hat mich beeindruckt.

Warum?

Der Mann lebt den VfL Bochum wie kein Zweiter. Seine Begeisterungsfähigkeit für den Fußball im Allgemeinen und den Verein im Speziellen steckt an.

Sie stammen aus dem Süddeutschen Raum – haben Sie die Malochermentalität schon verinnerlicht?

Die ist mir nicht fremd. Auch wenn ein gewisses Talent vorhanden war, habe ich mir viele Erfolge hart gearbeitet. Zudem lebe ich mittlerweile seit 14 Jahren im Ruhrgebiet. Da lernt man anzupacken.

Stand auch das Trainingslager unter dem Malochermotto? Sie suchten ganz bewusst die eher spartanischen Verhältnisse im Karwendelgebirge...

In erster Linie ging es um Teambuilding. Zusammen mit den Spielern haben wir die Dinge erarbeitet, die es braucht, damit eine Mannschaft funktioniert.

Rücken Spieler enger zusammen, wenn die Play-Station nicht in Griffweite ist?

Zumindest sind sie gezwungen, sich mit dem anderen zu beschäftigen. Wenn keine Ablenkung vorhanden ist, lässt man sich auf den Nebenmann eher ein. Man unterhält sich, setzt sich mit dem anderen auseinander. Diesen Prozess haben wir natürlich durch verschiedene Wettkämpfe und Aufgabenstellungen forciert.

Gab es keinen Hüttenkoller?

Nein, dafür sind 48 Stunden sicherlich zu kurz. Allerdings wurde bei der Rückfahrt ein gewisses Schlafdefizit deutlich. Wer schon einmal mit sieben anderen Männern auf einem Dachboden übernachtet hat, der weiß, dass Schlafen nicht immer geräuschlos vonstatten geht.

Wer war denn fürs Holzhacken zuständig?

Die Aufgaben wurden verteilt. Beispielsweise mussten die Spieler am ersten Abend abwaschen, die beim VfL-Quiz am Nachmittag am schlechtesten abgeschnitten hatten.

Welche Fragen wurden gestellt?

Wer die meisten Bundesligaspiele für den Verein bestritten hat – das war im Übrigen Ata Lameck. Wie viele festangestellte Mitarbeiter der Club hat, wann der VfL in den UEFA-Cup eingezogen ist usw.

Skifahren ist doch vertraglich bestimmt verboten – oder haben Sie ein Auge zugedrückt?

Wir sind ja Hänge raufgelaufen und nicht runtergefahren… 

... und nachts haben sie heimlich ihren Laptop aufgeklappt und Filme geschaut. Geben Sie's, zu Herr Herrlich!

Das war nicht möglich. Auch ich hatte kein Einzelzimmer. Mein Co-Trainer hätte mir was erzählt…

Nicht dabei war ihr Abwehrmann Anthar Yahia, der für Algerien beim Africa-Cup aktiv ist. Kehrt er als Champion zurück?

In erster Linie wünsche ich mir, dass er gesund zurückkehrt. Und einen Spieler, der durch Erfolgserlebnisse Selbstvertrauen gesammelt hat, können wir immer gut gebrauchen.

Wurde darüber nachgedacht, ihn nach dem Terroranschlag in Cabinda nach Bochum zurück zu holen?

Der algerische Verband hat dem Verein versichert, dass die Sicherheit der Spieler gewährleistet ist.

Mitte März werden sie auf Borussia Dortmund treffen, den Verein, mit dem Sie ihre größten Erfolge als Spieler feierten. Schlagen zwei Herzen in Ihrer Brust?

Natürlich denke ich noch heute gerne an die Zeit bei Borussia Dortmund zurück. Ich habe dort tolle Menschen kennen gelernt und große Erfolge gefeiert. Doch das ist Vergangenheit. Jetzt bin ich Trainer des VfL Bochum. Und wir brauchen jeden Punkt, um unser großes Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.

Werden Sie als Trainer eines Tages auch mal in die Nähe des Champions League-Titels kommen?

Paolo Coelho hat einmal gesagt: Wer keine Ziele mehr hat, der schaut nur nach den Niederlagen der anderen.

Dazu müssten Sie Bochum jedoch verlassen. Es sei denn... 

Zahlungskräftige Sponsoren erkennen, was für ein toller Verein der VfL ist, und die Verantwortlichen lassen mir genügend Zeit.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!