26.07.2007

Heiko Gerber im Interview

»Ich hatte eine superschöne Zeit«

Mittendrin und doch nicht dabei: Ohne die Ersatzbank zu verlassen, sah Heiko Gerber den VfB Stutgart Meister werden. Hier erklärt er uns, warum er sich als Teil der Mannschaft fühlt – und wie Armin Veh aus vielen Teilen ein Ganzes machte.

Interview: Johannes Lindenlaub Bild: imago
Als sich im April immer deutlicher herauskristallisierte, dass die Mannschaft bis zum Schluss um die Meisterschaft mitspielen würde – ist sie wirklich so cool geblieben, wie das nach außen vermittelt wurde?

Etwa ab vier Spieltage vor Schluss haben wir daran geglaubt, dass wir Meister werden können, sind aber trotzdem bis zum Bochum-Spiel relativ ruhig geblieben. Das Nervenflattern kam erst vor dem Spiel gegen Cottbus, aber mit unserer Leidenschaft und dem Publikum im Rücken wurde es fast zum Selbstläufer. Unser Vorteil über die ganze Saison aber war, dass wir keinen Druck von außen hatten, wie etwa Schalke oder Bremen.

Nach dem überraschenden Gewinn der Meisterschaft brauchte der Autokorso die halbe Nacht um auf der Meisterfeier anzukommen, dann die vielen Offiziellen, das Sportstudio – war feiern überhaupt noch möglich oder wurde das auf den nächsten Tag verschoben?

Ja, dieser Umzug hat schon ewig gedauert. Mit den Cabrios durch die Stadt zu fahren, das war sensationell – so was Schönes habe ich eigentlich noch nie erlebt. Da sitzt du viereinhalb Stunden im Auto und wirst von 200 000 Menschen begeistert gefeiert. Das war einfach Wahnsinn. Eines der schönsten Erlebnisse, die ich je hatte. Wir sind dann erst sehr spät zu unserer eigenen privaten Feier gekommen und mussten uns auch bald schon wieder auf das Pokalspiel vorbereiten. Nach diesem Spiel haben wir unsere Feier dann ein bisschen nachgeholt.

Das denkwürdige Pokalfinale. Wie muss man sich die Stimmung nach der Niederlage in der Kabine vorstellen?

Die Mannschaft war total frustriert, weil wir uns wirklich vorgenommen hatten, das Double zu holen, um damit etwas Einmaliges für den Verein zu schaffen. Die Stimmung war anfangs also sehr schlecht. Wir haben uns dann irgendwann zusammengesetzt, Verein und Fans, und gegen 1 Uhr wurde die Stimmung lockerer. Schließlich konnten wir doch noch die Nacht in Berlin durchfeiern, denn immerhin waren wir Deutscher Meister.

Gab es Vorwürfe an Cacau?

Nein. Cacau war selbst der Unglücklichste überhaupt an diesem Abend, er wusste, dass er durch die rote Karte das Spiel mitentschieden hat. Mit elf Mann, da bin ich mir sicher, hätten wir gewonnen. Das sind Dinge, die eigentlich nicht passieren dürfen, aber im Fußball eben auch immer wieder passieren. Ihm wird das verziehen, und er wird es einfach dieses Jahr im Pokal wiedergutmachen.

Hat er der Mannschaft sein Verhalten erklärt?

Nein, nicht so richtig. Ich denke, er ist zehn Minuten vor der Aktion von Wolf im Mittelfeld durch einen Schlag niedergestreckt worden, den der Schiedsrichter nicht gesehen hat. Auch in der Situation, die zum Platzverweis führte, ist er von ihm provoziert worden, und dann ist es natürlich der Fehler vom Cacau, dass er sich hat provozieren lassen. Wenn man die Fernsehbilder sieht, ist es eine berechtigte rote Karte.

Was war neben dem Gewinn der Meisterschaft Ihr persönlich schönster Moment mit dem VfB?

Das Champions-League-Spiel gegen Manchester United, das wir 2:1 gewonnen haben, war ähnlich schön – das sind die zwei Momente, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde. Wenn jetzt noch ein Aufstieg mit Ingolstadt dazukommt, hätte ich drei sehr schöne Momente im sportlichen Leben.

Ihr bitterster Moment?

Einen ganz bitteren Moment hatten wir eigentlich nicht, wir sind ja nie abgestiegen. Der bitterste Moment wäre dann das unglückliche Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League gegen Chelsea. Wir haben praktisch ein Tor geschossen – ein Eigentor – Chelsea keins, und wir sind ausgeschieden.

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