26.07.2007

Heiko Gerber im Interview

»Ich hatte eine superschöne Zeit«

Mittendrin und doch nicht dabei: Ohne die Ersatzbank zu verlassen, sah Heiko Gerber den VfB Stutgart Meister werden. Hier erklärt er uns, warum er sich als Teil der Mannschaft fühlt – und wie Armin Veh aus vielen Teilen ein Ganzes machte.

Interview: Johannes Lindenlaub Bild: imago

Glückwunsch zur Meisterschaft, Herr Gerber! Auf dem Papier der größte Erfolg Ihrer Karriere – doch zum Einsatz kamen Sie nicht.

Ich war zu dem Zeitpunkt schon 34, und auch wenn ich nicht gespielt habe, war es für mich ein sehr erfolgreiches und sehr schönes Jahr.

Fühlen Sie sich als deutscher Meister?

Auf jeden Fall. Natürlich hätte ich gern gespielt, aber indem die älteren Spieler wie z. B. Markus Babbel und ich die Jüngeren geführt haben, wenn es mal Probleme gab, habe ich am Ende meinen Teil zum großen Ganzen beigetragen. Wenn die Ersatzspieler nur Ärger machen, kann man keinen Erfolg haben. Wir waren wirklich eine tolle Truppe, in der alles gepasst hat, und da zähle ich mich ganz klar dazu.



Sie sind aber doch sicherlich mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen, was ihre Einsätze angeht. Wie ist es zu Ihnen durchgedrungen, dass Sie für die erste Mannschaft keine Rolle mehr spielen?

Das habe ich eigentlich schon in der Vorbereitung im letzten Sommer gemerkt. Der Trainer hat dann mit mir schon zu Beginn der Saison darüber gesprochen, dass, sollte es normal laufen und sich niemand verletzen, ich nicht mehr viel spielen werde. Natürlich hätte ich gerne noch mal die Chance bekommen, aber dazu kam es dann nicht mehr.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Für einen jungen Spieler ist so was natürlich mehr als ärgerlich. Wir hatten ja auch junge Spieler, die kaum zum Einsatz kamen, ob das jetzt Gentner oder Beck waren. Ich war acht Jahre beim VfB und habe eine superschöne Zeit erlebt. Ich habe es einfach so gesehen, dass es jetzt Zeit für eine neue Spielergeneration ist und bin dann trotzdem jeden Tag mit Freude zum Training gegangen, weil Fußballspielen das ist, was mir Spaß macht. Ich wusste zwar, dass ich am Wochenende nicht spielen würde, aber man ist im Endeffekt dann viel befreiter - man hat am Wochenende keinen Druck, kann viel lockerer trainieren. Das ist zwar nicht das eigentliche Ziel, aber so habe ich es mir eingeredet – und so ist es dann auch gewesen. Wie gesagt: Ich habe das Jahr genossen.

Armin Veh wurde anfangs argwöhnisch beäugt. Musste er sich den Respekt der Mannschaft erst erarbeiten, nachdem er zur Begrüßung von Dieter Hundt als Übergangslösung bezeichnet worden war?

Ich denke schon. Man muss einem Trainer ja auch eine gewisse Zeit geben. Als er zu uns kam, ging erst mal gar nichts. Aber neben Veh bekamen wir mit Alfons Higl noch einen super Co-Trainer und mit Horst Heldt im Management und den von ihm getätigten Einkäufen hat plötzlich alles gestimmt. Durch den Erfolg hat sich der Trainer den Respekt der Mannschaft erarbeitet.

Hat Ihnen Horst Heldt mitgeteilt, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Ja, das hat er bereits im letzten Herbst getan, aber eigentlich habe ich schon vor ein, zwei Jahren gewusst, dass dann vermutlich Schluss sein würde. Er hat mir gleichzeitig angeboten, als Scout im Verein zu arbeiten, das habe ich mir auch mal angeschaut, habe mich dann aber entschieden, noch ein wenig länger zu spielen.

Ist das denn eine Option für die Zukunft?


Ja. Ich habe die Zusage vom Verein bekommen, dass ich jederzeit zurückkommen kann. Mir wurde gesagt, dass ich mich noch zwei Jahre austoben und Fußballspielen soll und dass dann der Weg für mich – in welchem Bereich genau wird man sehen – frei ist.

War es nicht seltsam, mit Horst Heldt,
mit dem sie ja noch zusammengespielt haben, ein Gespräch über den Vertrag zu führen?

Am Anfang schon, aber Horst Heldt ist sehr schnell reingewachsen in diesen Posten. Wir haben immer noch ein sehr, sehr gutes Verhältnis und sind richtig gute Freunde geblieben. Er ist sehr offen mit mir umgegangen. Und genauso sollte das auch sein.

Hängt Horst Heldts schnelle Akklimatisierung auch damit zusammen, dass er starke Signale setzte? Er verlängerte z. B. den Vertrag von Zvonimir Soldo nicht, der lange Zeit als unersetzlich und als VfB-Ikone galt.


Ja, er hat da einige Dinge gemacht – mit Zvonimir, auch mit Timo Hildebrand. Was aber vor allem zählt, sind die guten Einkäufe, die wir im letzten Jahr gemacht haben, mit den Mexikanern, die vor allem menschlich sofort sehr gut in die Truppe passten. Da war für ihn natürlich auch das Arbeiten leichter. Er muss natürlich noch sehr viel lernen als Manager, aber das weiß er selbst am besten. Es war für ihn ein glückliches und sehr erfolgreiches Jahr, aber auch für ihn werden noch andere Zeiten kommen.

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