Heiko Butscher im Interview

„Wir haben Bon Jovi gecovert“

Fußballer interessieren sich nur für die Noten im „kicker“. Heiko Butscher vom SC Freiburg jedoch kennt sich auch mit Musiknoten aus: Er spielt Schlagzeug wie ein Profi. Wir sprachen mit ihm über Rock, lange Haare und ... räusper... Bon Jovi. Imago

Heiko, es hat sich mittlerweile sogar bis zu uns herumgesprochen, dass Du Schlagzeug spielst.

Ich komme aus einem 600-Einwohner-Dorf, Dietmanns in Oberschwaben. Da gibt’s auch einen Musikverein. Mein Vater hat da schon Flügelhorn gespielt. Dann hieß es, der Sohnemann muss auch noch rein.

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Hattest Du Prioritäten?

Man durfte sich das Instrument nicht auswählen, sondern man wurde zugeteilt – zu dem, was gerade gesucht wurde. Das war bei mir das Schlagzeug. Mit zehn fing ich an. Nebenher habe ich Fußball gespielt. Ganz normal, in den untersten Ligen. Das Erfolgreichere war aber die Musik. Ich habe sehr viel Unterricht genommen.

Stimmt es, dass Du bei „Jugend musiziert“ teilgenommen hast?


Ja, mit richtig gutem Abschluss. Das erste Mal solo, das zweite Mal in der Gruppe. Ich habe ein ganz normales Drumset gespielt, außerdem Xylophon, Vibraphon und noch mal was mit kombinierten Geräten. Schlagwerk besteht ja aus etwa 200 verschiedenen Musikinstrumenten. Von 16 bis 18 Jahren habe ich das mehr betrieben als Fußball. Mit 17 habe ich ein halbes Jahr lang gar kein Fußball gespielt, weil ich keine Lust drauf hatte.

Sehen eigentlich Schlagzeugnoten genauso aus wie Klaviernoten?

Im Grunde sind es ganz normale Noten, aber die Schläge sind auf einer Linie notiert. Dann sieht man den Rhythmus, und den spielt man zum Beispiel auf der kleinen Trommel.

Kannst Du vom Blatt spielen?

Damals ja. Inzwischen leider nicht mehr so gut.

Banderfahrung?


Ja. Ich habe in einer Coverband gespielt, „Black Wave“. Da war ich 16 und habe mich für Rock interessiert. Mein Cousin war am Bass, ein anderer Kollege hat Trompete und Gitarre gespielt, und wir hatten eine Sängerin, die nebenher Querflöte spielte. Wir haben dann ziemlich schnell „Runaway“ von Bon Jovi gecovert, außerdem Rockklassiker von Metallica, „Enter Sandman“ und „Seek and Destroy“. Richtig fetzig.

Wo seid Ihr aufgetreten?

Im Umkreis von zehn bis 15 Kilometern. Da kennt sowieso jeder jeden. Unser Material hat anfangs für eine Stunde gereicht, auf privaten Festen. Es sprach sich herum, die Auftritte wurden größer. Zum Schluss haben wir vor 1500 Leuten gespielt. Das war ein Sommerfest von irgendeinem Verein, Open Air. Normalerweise heizt da abends ein DJ ein. Aber das haben wir dann gemacht. War richtig klasse. Ich habe auch Soli gespielt. Da ging ein Lied los, die anderen stiegen für fünf Minuten von der Bühne, dann hab ich da irgendwie rumgehackt. Richtig abgerockt. Dann kamen die anderen wieder hoch, und wir haben weitergespielt.




Hattest Du lange Haare damals?


Nein, ich hatte kurze. Zwei von uns, die sahen so metallicamäßig aus.

Spielst du heute noch?

Ich komm nur relativ selten dazu. Das Schlagzeug steht daheim bei meinen Eltern in Dietmanns, im Hobbyraum. Heute fahre ich nach Hause, da werde ich bestimmt wieder ne halbe Stunde spielen. Ich setz mir dann Kopfhörer auf und mach irgendwas rein, was mir gerade gefällt, und spiele dazu.

Welche Musik hörst du zur Zeit?

Ich bin immer noch auf der Rockschiene. Zuletzt habe ich mir das neue Foo Fighters-Album gekauft.

Hörst Du noch was außer Rock?

Klar. Als ich früher „klassisches“ Schlagzeug gespielt habe, sind wir auch öfters mal mit dem Kirchenchor aufgetreten. Ich war damals auch Teil eines Symphonieorchesters, da haben wir die „Carmina Burana“ gegeben, von Carl Orff. Da habe ich vor allem Pauke gespielt. So hat sich ein Bezug zur Klassik aufgebaut. Es ist immer stimmungsabhängig. Manchmal höre ich drei Tage am Stück nur Klassik, und dann geht das wieder überhaupt nicht. Mir gefällt die Feinfühligkeit bestimmter klassischer Interpreten.

Zurück zum Rock. Angenommen, Du gehst mal auf ein Konzert und trinkst da ein paar Bier. Gibt’s da einen Konflikt mit Regeln, die der Trainer aufstellt?

In Bochum galt die Regel: Ab dem vierten Tag vor dem Spiel um 23 Uhr zu Hause sein. Natürlich war es kein Problem, wenn du ins Kino gehst und erst um 23.30 Uhr daheim warst. Aber wenn du um 23.30 Uhr besoffen in irgendeiner Disco abhängst, dann gibt es Sanktionen. Beim SC heißt die Devise „Professionelles Verhalten“, was im Grunde das Gleiche beinhaltet. Eigentlich versteht es sich ja von selbst, dass man sich drei oder vier Tage vorm Spiel in der Stadt keine zehn Bier reinkippt.

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Das Interview erschien mit freundlicher Genehmigung des Freiburger Onlinemagazins fudder www.fudder.de

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