12.06.2014

Hat Kroatien überhaupt eine Chance, Ivica Olic?

»Bamm-Effekt? Warum denn nicht?«

Ivica Olic ist der Routinier im kroatischen Nationalteam. Im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Brasilien ist die Auswahl krasser Außenseiter. Chancenlos ist Kroatien allerdings nicht. Sagt zumindest Ivica Olic.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Ivica Olic, was haben die Kovac-Brüder als Trainer-Duo beim  kroatischen Team verändert?
Viele Dinge, vor allem haben wir durch sie zurück zu Disziplin und zu einem besseren Zusammenhalt gefunden. 
Unter Vorgänger Igor Stimac war das nicht mehr möglich? Schwer zu sagen. Wir waren mit ihm gut in die Qualifikation gestartet, aber daran schloss sich eine Niederlagenserie an, die auf die Stimmung drückte. Insofern war es richtig, dass Davor Suker (Präsident des kroatischen Fußballverbandes, d. Red.) vor den Play Offs entschied, auf der Trainerposition etwas zu verändern. 


Was haben die Kovacs, was frühere Trainer nicht haben?
Beide sind in Deutschland groß geworden, sie sind mit Teamfähigkeit und Disziplin aufgewachsen. Gerade Niko denkt rund um die Uhr über Fußball nach, überlässt nichts dem Zufall. Ich kenne ihn seit vielen Jahren, er tut alles dafür, Erfolg zu haben.


Ist Niko der Chef oder fetzen sich die beiden Brüder auch öfter?
(lacht) Nein, nein, Niko ist der Boss. Robert akzeptiert ihn voll in seiner Rolle, aber natürlich äußert er sich hin und wieder. Sie arbeiten sehr partnerschaftlich zusammen.  


Sprechen die Kovacs akzentfrei kroatisch?
Sie sprechen sehr gut kroatisch. Als wir noch gemeinsam in der Nationalelf spielten, kam es öfter vor, dass sie Probleme auf Deutsch ausdiskutierten. Das fiel ihnen wohl etwas leichter. 


Ist es ein Nachteil, wenn ein Ex-Teamkollege plötzlich zum Vorgesetzten wird?
Vielleicht wäre es ein Problem, wenn ich Anfang zwanzig wäre. Inzwischen weiß ich gut, dass es nicht mehr um Eitelkeiten geht, sondern darum, sich gegenseitig zu helfen. Ich kann mich in Nikos Situation als Trainer hineinversetzen. Wir waren schon zu Spielerzeiten ein durchschlagkräftiges Team und gut befreundet. Ich kann ihm die Meinung sagen, aber respektiere ihn auch als Chef.

Wie müssen wir uns das vorstellen?
Wenn er um 23 Uhr Bettruhe anordnet, richte ich mich wie alle anderen danach. Und wenn nicht, zahle ich anstandslos in die Mannschaftskasse ein. (lacht)

Wie sehr schmerzt der Verlust von Josip Simunic, der wegen des Singens rassistischer Lieder nach dem gewonnenen Play Off gegen Island von der FIFA gesperrt wurde?
Er ist ein sehr guter Spieler. Ich war lange Josips Zimmernachbar, meines Erachtens hatte er keine Ahnung, was für eine Tragweite es besitzt. Die Fans singen es seit Jahren bei fast jedem Spiel.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass Simunic sein Vergehen im Augenblick des großen Triumphs beging.
Alle anderen waren bereits in der Kabine, während er allein draußen bei den Fans war. Wir haben das überhaupt nicht mitbekommen.

Wie radikalisiert sind die kroatischen Fans?
Unsere Fans sind sicher emotional, aber der Prozentsatz an Radikalen ist nicht höher als anderswo. Der Großteil der Mannschaft wusste auch nicht, wofür dieses Lied steht – und ich glaube ähnlich viele Zuschauer wissen auch nicht, dass es verboten ist.

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