Hat die Klage gegen das Financial Fairplay Erfolgsaussichten?

»Das wäre eine Katastrophe «

Anfang der Woche ging bei der EU-Kommission eine Klage gegen das Financial Fairplay ein. Wir sprachen mit Christoph Schickhardt, einem der renommiertesten Sportanwälte Deutschlands, über die Chancen der Klage, die Angst vor dem Bosman-Anwalt und die Gier der Spielerberater.

Christoph Schickhardt, wir sind verwirrt, wir dachten, das Financial Fairplay sei eine gute Sache?
Das ist es auch. Das Financial Fairplay ist unzweifelhaft eine gute und vor allem notwendige Sache. Notwendig, um im europäischen Wettbewerb die Integrität des Sports zu bewahren. Es stellt sicher, dass dauerhaft nicht mehr ausgegeben als eingenommen wird und alle Vereine die gleichen Chancen haben. Für die deutschen Klubs ist es absolut nützlich und es wird spannend sein zu sehen, wie die UEFA es schafft, alle europäischen Verein einzufangen und das Verfahren transparent zu machen.

Am vergangenen Montag ist allerdings eine Klage bei der Europäischen Kommission gegen das Financial Fairplay eingegangen. Es würde mit EU-Recht kollidieren und den Wettbewerb einschränken.

Das sehe ich nicht. Ich bin sehr irritiert über diese Klage. Ich sehe nicht einmal ein Rechtsschutzbedürfnis des Klägers.

Weil die Klage von einem Spielerberater und nicht etwa von einem Klub kommt. Hat das nicht einen faden Beigeschmack?

Absolut. Spielerberater haben mit der ganzen Sache nur am Rande zu tun. Sie werden bei Spielertransfers zwar von den Vereinen bezahlt, müssen sich aber aus dem Topf bedienen, der da ist. Und der ist ja auch groß genug. Dass mit dem Financial Fairplay irgendein Berufsrecht oder Freiheitsrecht eines Spielerberaters eingeschränkt wird, kann ich nicht ansatzweise erkennen. Vielmehr ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass man einen sportlichen Wettbewerb nicht nur rein sportlich sondern auch finanziell reguliert. Das ist das gute Recht der Uefa und der Vereine.

Vertreten wird der Spielerberater von Jean-Luis Dupont, der Anwalt, der einst auch Jean-Marc Bosman vertrat. Droht ein ähnlicher Erdrutsch wie nach dem Bosman-Urteil?

Nein. Das Bosman-Urteil war ein Unikat, da hat die Uefa damals verschlafen, rechtzeitig einzugreifen und die Transferregelung von sich aus zu ändern. Es war ja offensichtlich, dass die damalige Regelung, Ablöse bei Vertragsende zu kassieren, dem EU-Recht und der freien Berufswahl widerspricht. In Deutschland hatte man das vorausschauend bereits geändert. Die beiden Fälle haben aber absolut nichts miteinander zu tun.

Ist nicht eher die Frage, ob ein Erdrutsch droht, wenn das Financial Fairplay nicht eingeführt wird?
Das wäre eine Katastrophe. Das Financial Fairplay muss kommen. Die deutschen Vereine halten sich an die Ausgabenregel und können nicht so viel Geld ausgeben, wie die Klubs, mit denen sie international konkurrieren müssen. Das ist wettbewerbsverzerrend.

Das Financial Fairplay würde der Bundesliga also zugute komme?

Absolut. Wenn alle Vereine nur noch das ausgeben dürfen, was sie tatsächlich einnehmen, stärkt das die Wirtschaftskraft der Bundesliga im internationalen Wettbewerb.

Abschließend: Welche Chancen räumen Sie der Klage ein?

Ich sehe keine rechtliche Grundlage für diese Klage. Die Vereine bezahlen aus ihrem rechtmäßigen Budget alle Ausgaben – also auch die Spielerberater bei Transfers. Wenn das Financial Fairplay dieses Budget nun begrenzt, schränkt das niemanden ein, denn der Wettbewerb ist ja freiwillig. Niemand muss sich daran beteiligen. Es kann nicht sein, dass ein Spielerberater gegen finanzielle Begrenzungen der Klubs klagt. Dann könnte er ja gleich gegen das deutsche Handelsrecht klagen, denn nach dem darf man auch nicht dauerhaft mehr ausgeben, als man einnimmt.

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