Hasan Salihamidzic über Bayern und Juve

»Omas beschimpfen uns«

Vom einen hassgeliebten Klub, dem FC Bayern, ging Hasan Salihamidzic zum anderen, Juventus Turin. Hier spricht er über die Extreme von Zu- und Abneigung, den »Calcio« im Allgemeinen und das Match in der Champions League. Hasan Salihamidzic über Bayern und Juve

Herr Salihamidzic, Sie fehlen wegen einer Sehnenentzündung beim Juve-Gastspiel an Ihrer alten Wirkungsstätte. Das muss doppelt wehtun.

Es ärgert mich unwahrscheinlich. Ich hätte so gern in München gespielt. Aber es geht nicht. Ich habe alles versucht. Immerhin treffe ich ein paar von meinen alten Kumpels wieder. Darauf freue ich mich. Und ich hoffe, dass wir drei Punkte aus München mitnehmen.

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Ihr Klub steht nach dem 1:1 zu Hause gegen Bordeaux bereits unter Zugzwang.

Wir sind in die Champions-League nicht so gestartet, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb sind wir tatsächlich ein bisschen unter Druck. Aber es sind noch fünf Spiele, da kann jede Menge passieren.

Italienische Trainer gelten als taktikbesessen. Wie kommen Sie als Fußballer, der von seiner Leidenschaft angetrieben wurde, damit zurecht?

Vor ich den FC Bayern verlassen habe, sagte mir Felix Magath: Brazzo, in Italien werden sie dich zur Taktik zwingen. Und so war das auch. Hier wird ganz anders gearbeitet. Taktische Dinge werden täglich trainiert, mal 30 Minuten lang, mal bis zu zwei Stunden. Das war für mich neu. Ich habe mich weiterentwickelt. Aber auch in Italien wird immer noch Fußball gespielt.

Gilt Letzteres auch für die Partie am heutigen Abend, oder müssen wir uns auf eher langweiliges Rasenschach gefasst machen?

Die Partie wird sich bestimmt auf taktisch höchstem Niveau bewegen. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass es viele Torraumszenen gibt.

In Deutschland ist das Bild des italienischen Fußballs von Gewalt und halbleeren Stadien geprägt.

Es sind unerfreuliche Dinge vorgefallen. Aber die Medien übertreiben manchmal. Es macht unheimlich Spaß, als Fußballer in Italien zu arbeiten. Leider sind viele Stadien veraltet. Deutschland ist mit seinen modernen Arenen in Punkto Sicherheit und Organisation in Europa derzeit die Nummer eins. Doch auch in Italien entstehen neue Stadien, zum Beispiel in Turin.

Haben die Italiener angesichts der Skandale und der Gewalt nicht selbst die Lust am »Calcio« verloren?

Nein, den Eindruck habe ich nicht. Alle sprechen hier ständig über Fußball, angefangen vom kleinen Jungen bis zur älteren Frau. Da ist immer noch sehr viel Leidenschaft dabei. Manchmal überträgt sich das mit negativen Folgen auf das Verhalten in den Stadien. Der gesamte Fußball leidet unter ein paar Leuten, die nicht ins Stadion gehören. Dabei ist die Serie A eine sehr interessante Liga. Ich finde es sehr schade, dass in Deutschland so wenig vom italienischen Fußball zu sehen ist.

Entweder man liebt den Klub oder man hasst ihn. Das gilt sowohl für Juve und als auch für den FC Bayern.

Das kann man so sagen. Aber in Italien ist das doch ein bisschen emotionaler. Wenn wir mit dem Bayern-Bus in Deutschland unterwegs waren, sagten die Leute: Igitt, die Bayern. Mit Juve ist das extremer. Da stehen Männer, Kinder, Omas und Opas auf der Straße, beschimpfen uns und gestikulieren wild.


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