23.07.2008

Harald Spörl im Interview

»Meine Frau nennt mich Lumpi«

14 Jahre spielte Harald Spörl für den HSV, in 321 Partien schoss er 60 Tore – als Mittelfeldspieler. Für die Nationalelf reichte es dennoch nie. Hier spricht »Lumpi« Spörl über die Arbeit als Scout, seine aktive Zeit beim HSV und Huub Stevens.

Interview: Andreas Bock Bild: imago
Sie kamen 1987 zum HSV und blieben dort 14 Jahre bis 2001. Was macht den HSV so besonders für Sie?

Erstens haben sie mir da die Möglichkeit gegeben, professionell Fußball zu spielen – dass war das Wichtigste. Zudem ist Hamburg eine schöne Stadt, der Familie hat es gefallen, und ich habe mich rundum wohl gefühlt. Es hat einfach Spaß gemacht, und nach ein paar Jahren hatte sich bei mir eine Art Vereinstreue entwickelt. Für mich kam eigentlich nie ein Wechsel in Frage.

Wollten Sie wirklich nie weg?

Nein. Ich habe meistens auch schon ein halbes Jahr vor Vertragsende verlängert. Ich war nie jemand, der gepokert hat. Ich wollte in Hamburg bleiben, und es hat gepasst. Solche Vereinstreue war damals schon selten, und heutzutage gibt es das ja so gut wie gar nicht mehr.

Bevor Sie kamen, holte der HSV 1987 den Pokal und wurde Zweiter in der Liga – eine so gute Saison ist den Hanseaten bis heute nicht mehr gelungen. Was verpasste der HSV, um den Erfolg fortzusetzen?

Im Jahr darauf sind wir Fünfter geworden. Wir hatten in der Zeit zwischen 1987 und 2001 immer wieder eine gute Mannschaft beisammen. Doch hatten wir das Problem, dass die Stützen, sei das ein Thomas Doll oder ein Jörg Albertz, am Ende der Saison verkauft wurden. Wohl aus finanziellen Gründen, da bin ich mir aber nicht so sicher. Diese Schlüsselspieler zu verlieren war schlecht für das Gefüge der Mannschaft, und danach hat es immer so ein, zwei Jahre gedauert, bis sich die Mannschaft wieder neu formiert hatte.

Bei den Fans waren sie immer sehr beliebt. Wer hat Ihnen den Spitzname »Lumpi« gegeben?

Ich habe den, seit ich zehn Jahre alt bin. Warum, weiß ich nicht mehr. Ich habe ihn bis heute behalten, selbst in meiner Heimat nennen sie mich noch so. War wahrscheinlich so ein Jugendstreich – da quatscht einer mal ein bisschen blöd herum, und dann hat man so einen Namen an der Backe. Aber mich stört das nicht. Meine Frau nennt mich übrigens auch so.

Sie spielten 1995/96 eine überragende Saison, in der Sie 14 Tore schossen und somit bester HSV-Schütze wurden. Damals stand die EM in England vor der Tür. Waren Sie damals kein Kandidat für die Nationalmannschaft?

Doch, klar. Ich war öfters ein Thema für die Nationalelf. Nur hat das leider nie geklappt. Damals hatten wir ja noch richtige Knallerspieler, es war unglaublich schwer an denen vorbei zu kommen. Heute hätte ein Mittelfeldspieler, der 14 Tore in einer Saison macht, vermutlich keine Probleme, nominiert zu werden.

Wer war denn die Konkurrenz auf Ihrer Position in der Nationalmannschaft?

Ich habe ja mehrere Positionen gespielt. Meistens im Mittelfeld, und das war damals sehr stark besetzt: Reuter, Häßler, Matthäus – das war einfach ein guter Jahrgang. Die Leistungsdichte war immens hoch. Mich hat es aber nicht großartig gestört, dass ich nicht nominiert wurde.

Sie hatten ja ihren HSV.

Den hatte ich – und den habe ich immer noch.

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