23.07.2008

Harald Spörl im Interview

»Meine Frau nennt mich Lumpi«

14 Jahre spielte Harald Spörl für den HSV, in 321 Partien schoss er 60 Tore – als Mittelfeldspieler. Für die Nationalelf reichte es dennoch nie. Hier spricht »Lumpi« Spörl über die Arbeit als Scout, seine aktive Zeit beim HSV und Huub Stevens.

Interview: Andreas Bock Bild: imago

Herr Spörl, bei unserem letzten Telefonat waren Sie in Buenos Aires, und ich habe Sie morgens aus den Federn geklingelt. Was war der Grund für ihren Aufenthalt?

(lacht) Ich bin Scout des Hamburger SV. Da muss man sich auch mal in Argentinien umgucken.

Wie kann man sich die Arbeit als Scout genau vorstellen? Gehen Sie von Fußballverein zu Fußballverein und schauen sich Jugendspiele an?

Beim HSV ist das Scouting in mehrere Abteilungen aufgegliedert. Wir haben zwei Scouts für den Jugendbereich und vier für den Herrenbereich, der noch zwischen Bundesliga und Amateuren aufgeteilt ist. Ich scoute hauptsächlich Spieler, die direkt für die Bundesliga interessant sind.

Also schon fertige Spieler?

Na ja, was heißt fertige Spieler? Ein junger Spieler wie etwa Pitroipa ist ja noch nicht fertig. Der hat großes Potential, muss sich aber noch entwickeln.

Sie sind also viel auf Reisen. Welche Sprachen sprechen Sie?


Mit Englisch kommt man eigentlich meistens klar. Natürlich gibt es auch mal Berater, Trainer oder Betreuer, die kein Englisch sprechen, aber in der Regel kann man sich immer irgendwie verständigen. Man muss jedenfalls nicht unbedingt Französisch oder Portugiesisch können.

Wie lange sind Sie denn schon als Scout tätig?

Eigentlich seitdem es ein Scoutingsystem beim HSV gibt, seit 2002.

Hatten Sie nie Lust, als Trainer zu arbeiten?

Ich war ja Trainer, doch irgendwann musste ich die Entscheidung treffen, ob ich ins Trainergeschäft gehe oder ins Scouting. Das Scouting hat sich in den letzten Jahren stark vergrößert. Mittlerweile ist das ein Fulltime-Job, man ist teilweise sechs, sieben Monate im Jahr nicht zu Hause. Dabei kann man natürlich nicht nebenbei noch eine Mannschaft trainieren. Falls ein Verein aus der Regionalliga noch mal anfragen würde, dann werde ich mir schon noch mal Gedanken machen.

Es würde Sie also noch reizen, einen Profiverein zu trainieren?

Ja, aber die Möglichkeit ist sehr gering. Eigentlich steigt man ja direkt nach der Fußballkarriere ins Trainergeschäft mit ein. Nun bin ich seit einigen Jahren nicht mehr als Trainer tätig und kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand kommt uns sagt: »Du bist ein netter Kerl, du kennst dich aus in der Fußballbranche, willst Du unseren Zweitligisten trainieren?«

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