Hansafans gegen Sanktionen

»So kann es nicht weitergehen«

Für das Spiel auf St. Pauli bekam Hansa Rostock statt der angedachten 1.400 lediglich 500 Tickets für den Gästebereich. Hansa verzichtet und schickt sieben Fans zum Protest. Hansa-Sprecher Karsten Lehmann im Interview. Hansafans gegen Sanktionen

Karsten Lehmann, wie kam es zu der Entscheidung, das verminderte Kartenkonmtingent abzulehnen und stattdessen gegen die Restriktionen zu protestieren?

Uns war es von vornherein wichtig, diese Entscheidung zusammen mit den Fans zu treffen. In den Gesprächen mit den Fanvertretern hat sich dann gezeigt, dass neunzig Prozent zugestimmt haben, das Gästekontingent nicht wahrzunehmen und stattdessen zu protestieren.

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Das ist überraschend, weil Fans normalerweise zu jedem Spiel wollen – egal unter welchen Voraussetzungen.

Es zeigt doch, wie groß die Frustration ist. Hier wurden Fanrechte elementar beschnitten, da muss man ein Zeichen setzen. Der Meinung waren unsere Fans auch.

Nun reisen sieben Personen nach Hamburg, wie werden diese ausgesucht?

Die Fanbetreuung hat diese Leute ausgesucht, es sind unter anderem Vertreter des kommunalen Fanprojekts dabei. Diese sieben Personen werden sich aber auch nicht das Spiel anschauen, sondern lediglich die Transparente im Block aufhängen und dann das Stadion verlassen. Es soll ein stiller Protest bleiben.

Wurden die Transparentsprüche auch mit allen Fangruppierungen abgesprochen?

Ja, es sind Ideen aus der Fanszene. Die Sprüche wurden an den Verein geschickt, aus der Fülle an Einsendungen hat der Vorstand dann eine Auswahl getroffen.

Kann man denn verhindern, dass nicht doch mehr Rostocker nach Hamburg fahren?

Wir haben öffentlich dazu aufgerufen, dass dies unterbleibt und niemand sonst nach Hamburg fährt. Wir wollen ein friedliches Zeichen setzen. Gewalt drum herum wäre kontraproduktiv für unseren friedlichen Protest.

Haben die Proteste der Rostocker Fans nach dem Spiel gegen Ahlen die Entscheidung, dass nur sieben Personen nach Hamburg fahren, in irgendeiner Form beeinflusst?

Nein, das hatte damit überhaupt nichts zu tun. Diese Aktion, die Sie ansprechen, wurde auch in der Fanszene kontrovers diskutiert. Es gab da eine kritische Auseinandersetzung mit den Vorfällen, die aber abgeschlossen ist.

Am Freitag hat der DFB eine härtere Gangart angekündigt. Was wäre aus Ihrer Sicht der richtige Umgang mit der Situation?

Repressionen bringen überhaupt nichts. Alle müssen an einen Tisch, da müssen einige Schrauben einmal zurückgedreht werden. Kommunikation statt Konfrontation. Mit Strafen gegen die Vereine erreicht man nichts. Für uns war der Zeitpunkt gekommen zu sagen: So geht es nicht weiter! Jetzt müssen Fans, Polizei und DFB an einen Tisch und die verhärteten Fronten aufbrechen.

Es war zu lesen, dass Fans des FC St. Pauli sich mit der Aktion des FC Hansa solidarisiert haben.

Ich habe auch davon gehört.

Aussagen von Corny Littmann haben für Aufsehen gesorgt. Hat man da schon Kontakt aufgenommen, um gewisse Sachen zu klären?

Ja, das haben wir. Mehr möchten wir aber dazu nicht sagen. Es ist der falsche Zeitpunkt, um jetzt eine Schlammschlacht in den Medien anzustoßen. Es geht jetzt um Fußball.

Wie ist denn im Allgemeinen die Zusammenarbeit zwischen den Fanbetreuern von St. Pauli und Hansa?

Die Vereine und die Fans arbeiten sehr gut zusammen. Am 9. März gab es beispielsweise einen runden Tisch in Hamburg, an dem Vorstandsvertreter und Fanvertreter beider Vereine teilgenommen haben. Dort wurde ein schlüssiges Konzept für die Abläufe rund um das Spiel entwickelt, das nun aber leider von der Polizei nicht angenommen wurde. Die Kernpunkte des Konzept waren: Geordnete Anreise, Abgabe der Auswärtskarten erst in Hamburg, Vergabe der Karten nur an Dauerkarteninhaber und Mitglieder.
 
In den neunziger Jahren gab es noch ein Fanzine von St. Pauli und Hansa zusammen. Wie konnte sich denn diese Rivalität zwischen den beiden Clubs entwickeln?

Ich kann mir das nicht erklären und kenne die genaue Ursache nicht.

Ist es jetzt gerade gefährlich, dass die Rivalität von manchen in eine politische Dimension gerückt wird und somit auch gewaltbereite Leute angezogen werden, denen der Fußball egal ist?

Das ist das Problem, dass immer wieder mit alten Klischees gearbeitet wird. Hansa ist ein weltoffener Verein, es ist unverständlich, dass er immer wieder in die rechte Ecke gewiesen wird. Die Verhältnisse haben sich geändert, bei Hansa steht jetzt der Fußball im Mittelpunkt. Dies werden wir auch immer wieder öffentlich demonstrieren.

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