18.11.2011

Hansa Rostock gegen St. Pauli: Das gefährlichste Spiel des Jahres

»Nazis, die uns provozieren«

Wenn am Samstagmittag um 13 Uhr der F.C. Hansa Rostock den FC St. Pauli empfängt, ist das kein normales Zweitligaspiel. Wir sprachen mit den Fanbetreuern beider Vereine über das gefährlichste Spiel des Jahres.

Interview: Erik Peter Bild: Imago


Stefan Schatz, freuen Sie sich auf das Auswärtsspiel bei Hansa Rostock oder haben Sie Bauchschmerzen?

Stefan Schatz: Auf das Spiel freue ich mich, aber die ganzen Begleitumstände sind schon sehr nervig. Auch noch mehr als in den vergangenen Jahren.

Wieso?

Stefan Schatz: Das ganze Sicherheitsgebaren um das das Siel ist noch einmal viel krasser geworden. Es gibt eine Allgemeinverfügung der Polizei über ein Glasflaschenverbot auf allen Anreisewegen nach Rostock, intensive Personenkontrolle für alle St. Pauli-Fans bereits in Hamburg und die Anweisung, dass alle Gästefans vom Hauptbahnhof mit einem Bus-Shuttle zum Stadion fahren müssen. Partiell sind diese Maßnahmen nachvollziehbar, aber grundsätzlich völlig übertrieben und nicht notwendig.

2009, beim vorerst letzten Spiel in Rostock, haben auch St. Pauli-Fans randaliert, Polizeibeamte mit Flaschen beworfen und eine Passantin durch einen Böllerwurf verletzt. Wie wollen Sie das diesmal verhindern?

Stefan Schatz: Über diese Sachen, die man nicht schön reden darf, haben wir sowohl in der Nachbereitung des angesprochenen Spiels als auch in der Vorbereitung auf dieses Spiel sehr intensive Gespräche mit allen relevanten Gruppen der aktiven Fanszene geführt. Wir haben alles versucht, damit so etwas diesmal unterbleibt. Für den vom Fanladen organisierten Sonderzug haben wir unsere Fans aufgerufen, von sich aus auf Glasflaschen und auch auf Pyros zu verzichten. Aber diese Verbotsverfügungen der Polizei, die unserer Selbstregulierung offenbar nicht traut, sind kontraproduktiv.

Welche Rolle spielt die politische Brisanz des Spiels für die St. Pauli-Anhänger?

Stefan Schatz: Es ist schon ein besonderes Spiel, auch weil wir noch vor drei Jahren Nazis im Ostseestadion angetroffen haben, die unsere Leute provozierten. Von Rostocker Seite wird zwar behauptet, diese Leute kämen nur dann, wenn der FC St. Pauli spielt, aber für uns heißt das, dass wir immer mit diesen Typen konfrontiert werden. Die Annahme, dass auf der anderen Seite Nazis warten, zieht auch bei uns Leute an, die vermutlich zu anderen Auswärtsspielen nicht mitfahren würden.  

Hat sich denn nichts geändert im Vergleich zu den neunziger Jahren?


Stefan Schatz: Viele erkennen an, dass es vor ein paar Jahren mal eine deutlich positive Entwicklung in Rostock gab, aber inzwischen hat sich bei unseren Fans das Gefühl durchgesetzt, dass es wieder in eine andere Richtung geht. Auf professioneller Ebene muss ich sagen, dass sich die Fanarbeit in Rostock deutlich entwickelt hat. Das Fanprojekt und auch die Fanbetreuung machen sehr gute Arbeit. Ich gehe davon aus, dass das mittelfristig auch positive Effekte zeigen wird.

Interview mit Rostocks Fanbetreuer Joachim Fischer.
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