22.09.2011

Hans Sarpei über Facebook, Magath und Effenberg

»Die Witze sind richtig lustig«

Hans Sarpei wird bei Facebook gerade zur Kultfigur. Dabei gerät in Vergessenheit, dass der Schalker im Alter von 34 Jahren einer der international erfolgreichsten Spieler war. Wir sprachen mit ihm über Inter Mailand, Suspendierungen und Militäreskorten.

Interview: Karol Herrmann und Thorsten Schaar Bild: Imago
 

Stirbt diese Spezies nicht gerade aus?

Hans Sarpei: Heute soll die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden. Wenn aber zu viele Spieler die Richtung vorgeben wollen, ist das auch nicht gut. Auf lange Sicht hat sich meiner Meinung nach ein so genannter »Drecksack« in der Mannschaft immer bewährt. 

Wer war der beste »Drecksack«, mit dem Sie zusammen gespielt haben?

Hans Sarpei: Ich habe in Wolfsburg mit Stefan Effenberg gespielt. Er hatte eine unglaubliche Ausstrahlung, gewann die entscheidenden Zweikämpfe, ist vorneweg gegangen und die Mannschaft ist ihm blind gefolgt. Das war sehr beeindruckend.

Felix Magath holte sie nach Schalke. Warum wollte er Sie unbedingt haben?

Hans Sarpei: Ich hätte nach der WM 2010 auch nach England oder in die Schweiz wechseln können. Der Kontakt zu Schalke kam durch Seppo Eichkorn zustande, den ich noch als Cheftrainer aus Duisburg kannte. Magath vertraute auf meine Erfahrung. Ich konnte außerdem in Köln wohnen bleiben, also musste ich nicht lange überlegen.

Klären Sie uns auf! Wie war die Vorbereitung unter Magath?

Hans Sarpei: Ich hatte das Glück, erst dazu zu kommen, als die Vorbereitung vorbei war, hatte durch die WM eine längere Pause und absolvierte die ersten Einheiten noch in Leverkusen.  

Da waren die Medizinbälle dann schon wieder im Schrank verstaut?

Hans Sarpei: Die wurden während der Saison auch ab und an rausgeholt. Das Training war auch während der Saison härter als bei anderen Trainern: Zirkeltraining mit Medizinbällen, 400-Meter-Läufe, 800-Meter-Läufe. Es spielte auch keine Rolle, ob es Montag oder Donnerstag war, er hat das knallhart durchgezogen, niemand wurde geschont. Wir waren konditionell nicht ein bisschen besser als der Gegner, wir waren viel besser.  

Dabei lief es am Anfang gar nicht so gut für Sie auf Schalke. Mit Alexander Baumjohann und Jermaine Jones wurden sie in die Zweite Mannschaft strafversetzt. Was waren die Gründe?

Hans Sarpei: Das weiß ich bis heute nicht. Bernd Hollerbach kam und sagte, wir sind ab sofort bei den Amateuren. Keiner sagte uns warum. In der Zeitung stand, wegen schlechter Trainingsleistungen. Wir verloren 0:5 gegen Kaiserslautern und Magath wollte irgendwie reagieren. Dabei waren wir drei gegen Lautern gar nicht im Kader gewesen und hatten somit auch nichts zu dieser Niederlage beigetragen. Am schlimmsten war, dass wir nicht wussten, ob wir eine Woche suspendiert waren – oder für immer.  

Warum haben Sie das Gespräch nicht gesucht?

Hans Sarpei: Magath wollte nie eine Bindung aufbauen, ein Lob gab es selbst bei guten Leistungen nicht. Er hat trainiert, war aber im Prinzip weit weg von der Mannschaft. Bei ihm gab es auch nie einen Trainingsplan. Es hieß dann: Morgen um zehn ist Training. Man wusste nicht, ob es nachmittags noch eine Einheit gibt. Du kannst also nichts planen. Keinen Zahnarzttermin, keine Unternehmungen mit der Frau.

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