22.09.2011

Hans Sarpei über Facebook, Magath und Effenberg

»Die Witze sind richtig lustig«

Hans Sarpei wird bei Facebook gerade zur Kultfigur. Dabei gerät in Vergessenheit, dass der Schalker im Alter von 34 Jahren einer der international erfolgreichsten Spieler war. Wir sprachen mit ihm über Inter Mailand, Suspendierungen und Militäreskorten.

Interview: Karol Herrmann und Thorsten Schaar Bild: Imago
Hans Sarpei, in den letzten Wochen ist im Internet ein großer Hype um Ihre Person entstanden. Bei Facebook gibt es über 700 Gruppen die an Chuck-Norris-Witzen angelehnt sind. Haben Sie schon die Gründe erforscht, warum man ausgerechnet Sie als Protagonist ausgewählt hat?

Hans Sarpei: Der Ursprung lag wohl in meinem Twitter-Scherz über Alexander Baumjohann. Ihm war anscheinend langweilig in seinem Urlaub in Brasilien, also fragte er via Twitter, was es Neues auf Schalke gibt. Ich antwortete: »Du sollst nach Wolfsburg.« Das fanden die Leute ziemlich witzig und in einem Schalke-Forum entstanden dann die ersten Gruppen. Anschließend gab es wohl den berühmten Schneeballeffekt, anders lassen sich die Ausmaße nicht erklären.   



Baumjohann ist es vermutlich kalt den Rücken runter gelaufen.

Hans Sarpei: Ich selbst war in Ghana im Urlaub. Er rief mich hektisch an, dass ich ins Internet schauen sollte. Ein großes Boulevardblatt titelte nur kurz später: »Sarpei verarscht Baumjohann.« 

Treffen Facebook-Gruppen wie »Hans Sarpei kann mit zwei Fingern drei Bier bestellen« wenigstens Ihren Humor?

Hans Sarpei: Die Witze sind ja nicht unter der Gürtellinie und ich muss sagen, dass ich einige davon richtig lustig finde. 

Lassen Sie uns über Fußball reden. Sie debütierten erst mit 25 Jahren, für heutige Verhältnisse relativ spät, in der Bundesliga. Wann war Ihnen klar, dass Sie Profi werden?

Hans Sarpei: Ich zog mit meinen Eltern mit drei Jahren von Ghana nach Köln, spielte dort für verschiedenste Vereine. Mein Bruder Edward war Anfang der Neunziger schon Profi beim 1.FC Köln und ich wollte ihm nacheifern. Bei Fortuna Köln in der Zweiten Liga bekam ich dann schließlich meinen ersten Profivertrag. Das waren aber noch andere Zeiten. Als Verteidiger hattest du die Aufgabe, deinen Gegenspieler bis auf die Toilette zu verfolgen. Viererkette mit Verschieben lernte ich dann erst später in Duisburg und Wolfsburg.  

Bei Fortuna Köln erlebten Sie 1999, wie Toni Schumacher als Trainer noch während der Halbzeitpause gefeuert wurde.

Hans Sarpei: Schumacher war gerade bei der Halbzeitansprache, als Präsident Jean Löring in die Kabine kam, der glaube ich, ein bisschen getrunken hatte. Er hat ihn dann gefeuert, was Schumacher zunächst gar nicht registrierte. Kurz darauf flogen zwischen beiden die Fetzen. Wir saßen nur da und wussten gar nicht, wie wir weiterspielen sollten. Löring sagte zu einem Auswechselspieler: »Du kommst jetzt rein.« Wer dafür aber ausgewechselt werden sollte, wusste keiner. Dementsprechend verloren wir das Spiel. 

Was war Löring für ein Typ?

Hans Sarpei: Er lebte für den Verein, war sehr emotional und hatte seine eigenen Methoden. Da wurden schon mal Verträge auf Bierdeckeln unterzeichnet. Er hat mich mal zur Seite geholt und gefragt, ob ich nächste Saison noch für Fortuna spielen werde. Als junger Spieler wusste ich nicht, ob das jetzt gleichbedeutend mit einer Vertragsunterzeichnung war.  

Sie sind sehr verwurzelt in Köln, leben auch heute noch in der Domstadt. Warum hat Ihnen der 1.FC Köln nie ein Angebot unterbreitet?

Hans Sarpei: Der FC war immer zu stark für mich. Die haben ja immer um die Champions League gespielt. Meine Mannschaften waren dagegen nicht so gut. (lacht).

Sie spielten in den vergangenen zehn Jahren für Wolfsburg, Leverkusen und Schalke in der Bundesliga. Warum hat es nie zur Meisterschaft gereicht?

Hans Sarpei: Das Problem in Leverkusen ist, dass sie nicht nur gewinnen wollen, sie wollen dazu auch noch berauschenden Fußball spielen. Das funktioniert aber nicht über eine komplette Saison. Man muss auch mal Spiele dreckig gewinnen, wie der FC Bayern, die in der Vergangenheit nicht immer geglänzt haben, am Ende aber die Titel holten. Dazu braucht man unbequeme Spieler, einen Mark van Bommel zum Beispiel.

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