Hans Sarpei über Brasilien, Magath und Glückwunsch-SMS

»Ronaldinho hatte einen dicken Arsch«

Ein halbes Jahr nach Karriereende blickt Hans Sarpei zurück. Ein Gespräch über Kabinenscherze und sein Dasein als Internet-Berühmtheit.

Hans Sarpei, sie sind als Internet-Phänomen mittlerweile fast bekannter als als Fußballprofi. Eigentlich waren Sie aber über zehn Jahre lang Verteidiger, haben Champions League und Nationalmannschaft gespielt: Wer war der beste Spieler, gegen den Sie jemals gespielt haben?
Ich habe mal mit Ghana gegen Brasilien gespielt, da war Ronaldinho mein Gegenspieler. Der war schon unfassbar gut, technisch perfekt. Und so einen dicken Arsch, dass man gar keine Chance hatte, an den Ball zu kommen.

Und der beste Mitspieler?
Das ist schwierig, da gab es so viele gute Spieler. Bernd Schneider in Leverkusen war ein absolut überragender Spieler. Stefan Effenberg in Wolfsburg war auf dem Platz eine herausragende Persönlichkeit. Eine derartige Mannschaftsführung habe ich noch nie erlebt. Martin Petrov war auch eine Wucht. Rasend schnell und immer in der Lage, etwas Besonderes zu machen. Und natürlich Raùl. Mit ihm zusammenzuspielen war schon eine Ehre. Wie er die Tore gemacht hat, wie er aber auch als Persönlichkeit auf die Mannschaft eingewirkt hat, war wirklich beeindruckend.

Fehlt Ihnen die große Fußballbühne?
Nein, eigentlich nicht. Mir fehlt es eher, mit den Jungs in der Kabine und beim Training rumzublödeln und Spaß zu haben. Aber so sehr, dass ich tagtäglich zum Training fahren wollte, fehlt es mir dann doch nicht. Schon gar nicht zur Zeit. Hier ist es jetzt kalt und die meisten Teams fahren ins Trainingslager, wo dann Kondition gebolzt und Laktatteste gemacht werden. Ein Glück, dass das vorbei ist. Vorbereitung unter Felix Magath muss nicht mehr sein.

Ist das Kapitel Fußball also abgeschlossen?
Das ist niemals vorbei, ich werde dem Fußball sicherlich erhalten bleiben. Ich habe mein ganzes Leben lang gespielt und werde das auch weiterhin tun. Derzeit bin ich noch in der Reha, ich hatte einen Knorpelschaden. Das muss gut ausheilen, damit ich mit meinen Kumpels wieder kicken kann. Außerdem werde ich jetzt peu a peu die Trainerscheine in Angriff nehmen und gucken, ob das was für mich ist. Vielleicht bin ich dann irgendwann der erste schwarze Trainer in der Bundesliga.

Als Spieler waren Sie ein ziemlicher Spätstarter, dafür war der Herbst Ihrer Karriere umso spektakulärer. Können Sie sich diesen Karriereverlauf erklären?
Erklären kann ich mir das nicht. Ich war allerdings körperlich auch eher ein Spätstarter, als Jugendlicher noch ziemlich schmal. Dementsprechend war es zu Beginn meiner Karriere nicht so leicht, mich zu behaupten. Den Rückstand habe ich aber irgendwann aufgeholt und dann kam die Karriere ins Rollen.

Gegen Ende Ihrer Laufbahn häuften sich die Highlights. Gibt es das eine besondere Spiel? Den schönsten Karrieremoment?
Den einen Moment gibt es nicht. Ich habe das Glück, dass ich gleich mehrere ganz besondere Momente erleben durfte. Unheimlich bewegend war zum Beispiel das Spiel mit Ghana gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2010. Überhaupt bei einer WM dabei zu sein, war schon der Wahnsinn. Und dann auch noch auf Deutschland zu treffen, das Land, in dem ich aufgewachsen bin, das war sehr emotional. Die Weltmeisterschaft war eine tolle Erfahrung. Wie die Fans durchgedreht sind, wenn wir gespielt haben, werde ich nie vergessen. Eine unglaubliche Kulisse.

Was ist mit dem DFB-Pokalsieg 2011?
Titel zu gewinnen gehört natürlich immer zu den Höhepunkten. Und so einen Pokal in den Himmel zu stemmen, das ist schon geil. Da hat man den Rest seines Lebens etwas davon.

An welche Spiele denken Sie noch?
Das Spiel mit Schalke in der Champions League gegen Inter, das wir in Mailand spektakulär mit 5:2 gewannen. Ich habe noch nie ein solches Glücksgefühl erlebt. Du weißt, dass die ganze Welt auf dieses Spiel schaut und dass die meisten denken, dass du eine Klatsche bekommst und geknickt wieder nach Hause fährst. Und dann bist du in diesem Spiel die bessere Mannschaft und gewinnst so deutlich, das war wirklich unfassbar. Ich hatte nach dem Spiel ungefähr eine Millionen Glückwunsch-SMS auf dem Handy.

War das Spiel auch eine Art Entschädigung für die Suspendierung durch Trainer Magath früher in der Saison?
Das hat das ganze Erlebnis natürlich noch schöner gemacht. Ich war ja quasi schon weg vom Fenster.

War die Suspendierung ein Karriere-Tiefpunkt?
Das hat damals sehr weh getan. Ich bin in meiner Karriere nie suspendiert worden und war völlig ratlos, warum gerade ich aus dem Kader flog und in die zweite Mannschaft abgeschoben wurde. Wir haben damals mit Schalke in Kaiserslautern 0:5 verloren, ich war bei diesem Spiel allerdings nicht mal im Kader. Am nächsten Tag beim Training wurde mir dann mitgeteilt, dass ich ab sofort mit den Amateuren trainieren muss. Bis heute weiß ich nicht, was ich verbrochen habe.

Gab es weitere Tiefpunkte?
Nicht wirklich. Verletzungen sind natürlich bitter. Vor allem, wenn man hört, dass man in sechs Wochen wieder spielen kann und dann doch drei Monate aussetzen muss. Aber so etwas hat mich nie aus der Bahn geworfen.

Haben sich in der ganzen Zeit als Profi auch echte Freundschaften zu den Mitspielern entwickelt?
Mit Pablo Thiam habe ich zusammengespielt und bin heute eng mit ihm befreundet. Aus der Leverkusener Zeit habe ich noch Kontakt zu Sidney Sam, aus den Schalker Jahren zu Kyrgiakos Papadopoulos. Natürlich geht jeder seinem Job nach und hat zu tun, aber trotzdem telefonieren wir regelmäßig.

Als Ihre Karriere in den letzten Zügen lag, entwickelte sich im Internet ein regelrechter Hype um Ihre Person, Hans-Sarpei-Sprüche waren auf einmal der heiße Scheiß. War der Internetruhm das Sahnehäubchen auf Ihrer Karriere?
Ich finde es schon witzig und es ist schön, dass man auf so eine lustige Art im Gedächtnis der Leute bleibt. Es macht mir auch wahnsinnig Laune, an der ganzen Sache teilzuhaben und die Menschen bei Facebook oder Twitter zu bespaßen.







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