19.04.2008

Hans Pflügler im Interview

»Die Mannschaft ist hungrig«

Als Hansi Pflügler 1990 Weltmeister wird, hat er seine großen Erfolge im Verein schon gefeiert: In den 80ern wird er viermal Deutscher Meister und gewinnt drei Mal den DFB-Pokal. Hier erinnert er sich an die Endspiele der 80er.

Interview: Fabian Jonas Bild: imago
Hans Pflügler im Interview
1985 hatte Uerdingen eine ordentliche Saison gespielt, trotzdem galt der FC Bayern als Meister auch in diesem Spiel als Favorit. Woran lag es, dass Sie gegen den Underdog verloren haben?

Das sind halt Pokalspiele. Das kann dir in der ersten Runde gegen eine Amateurmannschaft passieren oder im Finale gegen eine »graue Maus«. Es gibt so Tage, wo es in der Mannschaft nicht passt. Das hat man ja jetzt auch am Sonntag gegen Dortmund gesehen. Im Bundesliga-Hinspiel in Dortmund waren sie noch richtig stark, da haben wir nur mit viel Glück ein 0:0 erreicht. Und letzten Sonntag hatten sie noch Glück, dass es bei fünf Toren geblieben ist, so überlegen waren wir da. Uerdingen hat damals nach unserer Führung innerhalb von einer Minute ausgeglichen, das stärkt einen natürlich. Und je länger es dann unentschieden steht, umso stärker wird der vermeintliche Underdog.

Welche Rolle hat das Publikum dabei gespielt? Die Bayern waren damals nicht gerade sonderlich beliebt...

Was? Das gibt’s ja gar nicht, wir waren immer beliebt (lacht).

Gut, sagen wir: die Bayern haben schon damals polarisiert...

Ja klar. In Berlin war vielleicht ein Drittel Bayernfans, ein Drittel Uerdinger und der Rest war neutral – oder eben auch nicht.

Wie groß war die Enttäuschung?

Natürlich war sie groß, weil jeder die Erwartung gehabt hat, zu gewinnen. Wenn man als Favorit in so ein Spiel reingeht und sein Ziel dann nicht erreicht, ist das schon bitter.

1986 schließlich ließ der FCB, schon wieder als Meister, dem VfB Stuttgart beim 5:2 keine Chance und holte das zweite Double seit 1969. Ein besonderer Moment in Ihrer Karriere?

Ja, das war richtig geil. Eine Woche vorher hatte Stuttgart zuhause Bremen geschlagen und uns so zum Meister gemacht. Und als Dank haben sie von uns richtig eine drauf gekriegt. Wir hatten vor dem Finale die Ansage bekommen, dass wir mit Udo Lattek bis Mittwoch die Meisterschaft feiern können. Ab Mittwoch haben wir uns dann auf das Pokalfinale konzentriert. Das ist dann super gelaufen, wir haben sie mit 5:2 weggeschossen, ich habe ein paar Flanken reingebracht und der Micha (Michael Rummenigge, schoss zwei Tore, Anm. d. Red) hat sie verwertet. Recht heiß war es, aber es war ein geiler Nachmittag.

War dieses Double der Höhepunkt Ihrer Karriere? Oder doch eher der Gewinn der Weltmeisterschaft 1990, wo sie allerdings »nur« beim 1:1 gegen Kolumbien gespielt haben?

Letztlich muss jeder Fußballer selbst entscheiden, wie er das annimmt. Manchen reicht es, nur ein Spiel zu machen und ansonsten auf der Bank zu sitzen. Für mich war es wichtiger, eine gute Saison und alle Pokalspiele zu bestreiten und dann ein ordentliches Finale zu spielen. Der Weltmeistertitel wiegt sicherlich noch mehr, aber für mein eigenes Empfinden war dieses Double die größere Leistung.

War die Vorjahresniederlage die entscheidende Motivationshilfe?

Nein, eigentlich nicht. Der größte Ansporn war es, endlich wieder einmal das Double zu holen, zum ersten Mal seit 1969. Das war damals schon etwas Besonderes, mittlerweile hat sich das ja ein bisschen normalisiert.

Welchen Stellenwert hat der Pokal beim FC Bayern denn heute noch?

Die Meisterschaft zählt sicherlich mehr, weil sie belegt, dass man 34 Spiele lang der Beste war. Da gleichen sich auch Glück und Pech wieder aus. In der Pokalrunde gibt es sechs Spiele, da kann es schon mal knapp werden. Generell ist es bei Bayern wichtig, dass man das Jahr mit einem Titel krönt. Und wenn ich schon nicht Meister werde, dann will ich den Pokal, da hat man wenigstens etwas in der Hand.

Trotzdem, die Bayern haben unter Felix Magath zwei Mal in Folge das Double geholt. Trotzdem schien eine Euphorie wie beispielsweise 1986 nicht mehr da zu sein...

Wenn man es zwei Mal in Folge holt, dann ist eine gewisse Sättigung erreicht. Man hat das ja auch im letzten Jahr gesehen. Der Drang, der Biss und der Wille, unbedingt etwas zu holen, haben gefehlt. Fast jeder Spieler hatte schon einen Titel gewonnen, neue Spieler, die noch nichts geholt hatten, gab es gar nicht. Die haben wir jetzt aber auf alle Fälle wieder.

Beim aktuellen Kader machen Sie sich da keine Sorgen?

Nein, überhaupt nicht, die neue Mannschaft ist richtig hungrig.

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