Wie haben Sie in den letzten Jahren die Geschicke Ihres Vereins verfolgt? Immer wenn ich Zeit hatte, habe ich mir die Spiele im Fernsehen angeschaut.
Der 18. Mai letzten Jahres war der Schicksalstag für Ihren alten Verein, mit einem Sieg gegen Köln blieb Kaiserslautern zweitklassig. Ich war mir sicher, dass der FCK das Spiel gewinnen würde. Köln war schon aufgestiegen, hatte in der Woche nur zwei Mal trainiert. Es war allerdings schon eine Sensation, dass es überhaupt so ein »Endspiel« gegen den Abstieg gab nach zwischenzeitlich sieben Punkten Rückstand.
Sind Ihnen wie vielen Stadionbesuchern auch Tränen gekommen, als es nach dem zweiten Tor gegen Köln schlagartig Fritz-Walter-Wetter gab? Ach wissen Sie, früher kamen den Leuten nach dem Abstieg aus der ersten Liga die Tränen, mittlerweile reicht wohl schon die zweite Liga dafür. Die Mannschaft war ja auch sehr schlecht zusammengestellt, der Klassenerhalt war ein großer Verdienst von Milan Sasic.
Mit Sasic und Stefan Kuntz setzte der Aufschwung ein. Denken Sie, dass Kuntz der richtige Mann ist, den Klub nach oben zu führen und zu stabilisieren? Im Moment herrscht Ruhe, und das ist auch gut so. All die Jahre gab es überhaupt kein Miteinander, verschiedene Gruppierungen standen sich gegenüber. Momentan gibt es überhaupt keinen Anlass zu Kritik, die Mannschaft spielt einen sehr guten Fußball und ist für mich spielerisch wie kämpferisch mit Abstand das beste Team in der Zweiten Liga.
Der FCK ist für Sie also Aufstiegsfavorit Nummer 1? Ich sehe keine andere Mannschaft, die so kontinuierlich spielt. Wenn sie weiter Punkte sammeln wie bislang, kommen sie am Ende auf 75 bis 80 Punkte. Selbst wenn zwischendurch ein kleiner Einbruch kommt, reicht das locker zum Aufstieg.
Wer gefällt Ihnen aus dem aktuellen Kader am besten? Die Abwehr ist sehr gut, die Verteidiger arbeiten und laufen viel. Mit Amedick und Rodnei hat die Mannschaft in der Zentrale zwei Superspieler. Mich hat sehr gewundert, dass Hertha BSC Rodnei hat gehen lassen. Da muss ich wirklich lachen. Ich glaube, die wären jetzt froh, wenn sie ihn hätten.
Erkennen Sie in Rodnei, der auch oft Aktionen nach vorne hat, in Ansätzen den Spieler Briegel wieder? Er ist wie ich sehr kopfball- und zweikampfstark, macht aber immer noch ein, zwei unbedarfte Fehler pro Spiel. Er wird aber einen sehr guten Weg machen. Ich befürchte fast, dass er im nächsten Jahr schon bei einem anderen Erstligaklub spielen wird.
1984 verkaufte der FCK Sie aus finanzieller Not nach Italien. Heute geht es dem Verein trotz des sportlichen Erfolgs finanziell so schlecht wie selten zuvor. Befürchten Sie, dass die besten Spieler selbst im Falle eines Aufstiegs abgegeben werden müssen? Es kommt immer darauf an, wie viel Geld man für einen Spieler bekommt. Irgendwo liegt die Schmerzgrenze, mit dem Transfererlös kann man dann einen oder mehrere Neuzugänge von gleichem Format finanzieren.
Kann der 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga bestehen? Die große Herausforderung wird sicherlich sein, nach dem Aufstieg, von dem ich wie gesagt ausgehe, eine schlagkräftige Truppe zusammen zu bekommen, die in der ersten Liga bestehen kann. Mainz zeigt ja gerade, dass man selbst mit wenigen Neuzugängen als Aufsteiger sogar vorne mitspielen kann.
Gibt es von Vereinsseite Pläne, Ihnen wieder einen Posten zu geben? Nein, die Frage stellt sich auch momentan überhaupt nicht.