Hans-Peter Briegel kehrt auf den Betzenberg zurück

»Es gibt nur den FCK«

Sechs Jahre lang klagte der 1. FC Kaiserslautern gegen das Vereins-Idol Hans-Peter Briegel. Am Freitag kehrt er zurück auf den Betzenberg. Wir sprachen mit »der Walz von der Pfalz« über das Prozessende und die Chance für die Liebe. Hans-Peter Briegel kehrt auf den Betzenberg zurück

Herr Briegel, am kommenden Freitag werden Sie zum ersten Mal seit Jahren einem Spiel des 1. FC Kaiserslautern beiwohnen. Wann waren Sie eigentlich zuletzt im Fritz-Walter-Stadion?

Da muss ich überlegen... Dass ich bei einem Spiel des FCK war, ist schon eine Weile her. Das dürften ungefähr sechs Jahre sein. Welches Spiel das genau war, weiß ich nicht mehr. Es war aber in der Bundesliga.

Warum gingen Sie so lange nicht zu den Spielen Ihres Vereins?

Es fing damals ja diese unsägliche Sache mit dem Zivilprozess gegen mich an.

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Worum ging es?

Der Verein forderte in Verbindung mit der Stadiongesellschaft 544.000 Euro für den Transfer von Ciriaco Sforza. Diese Klage hat der FCK jetzt nach langem Hin und Her zurückgenommen.

Was warf man Ihnen vor?

Dass es in Verbindung mit dem Sforza-Transfer zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Es sollen angeblich Nettolohnzahlungen vereinbart worden sein. Ich war von Anfang an überzeugt, dass wir den Prozess gewinnen. Jetzt wurde ich bestätigt.

Warum hat sich der Rechtsstreit so lange hingezogen?

Zivilprozesse dauern immer so lange. Darüber sterben viele Leute (lacht).

Es hieß, der damalige Klubchef René C. Jäggi sei verärgert gewesen, weil Sie im Alleingang Karlheinz Feldkamp als Trainer installieren wollten. Stimmt das?

Nein, die Sache war von Anfang an klar. Kalli Feldkamp sollte als Sportdirektor verpflichtet werden. Die Sache kam vor den Aufsichtsrat und hatte zunächst eine Mehrheit. Einen Tag später war dann einer umgefallen. Es ging wohl bei dem Prozess nicht nur um das Geld, sondern auch darum, mich aus dem Verein zu drängen.

Im Dezember 2003 gaben Sie wegen der Anschuldigungen gegen Sie zusammen mit Ihrem Aufsichtsratsposten auch den Goldenen Ehrenring des FCK ab. Aktuell sind Sie also kein Vereinsmitglied?

Mit einer Vereinsmitgliedschaft hat das nichts zu tun. Man kann den Ring bekommen, ohne je Mitglied gewesen zu sein. Ich habe ihn damals für die EM 1980 bekommen und noch einmal für die WM 1982. De facto hatte ich aber nur einen Ring, den ich dann zurückgegeben habe.

Rechnen Sie damit, dass Ihnen der Ring am Freitag erneut überreicht wird?

Es gab schon Gespräche. Aber wir müssen jetzt erst einmal sacken lassen, was in den letzten sieben Jahren passiert ist. Wenn sieben Jahre prozessiert wird, kann man das nicht in vier Wochen vergessen.

Stehen Sie in Kontakt mit dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz?

Wir haben ein paar Mal telefoniert, zufällig heute gerade wieder. Nicht nur privat, es ging auch um andere Dinge.

Vor dem Spiel gegen Koblenz stellt ein langjähriger Sponsor des Vereins die FCK-Elf der letzten drei Jahrzehnte vor. Wissen Sie schon, ob Sie dazu gehören?


Ich habe von Karlsberg eine Einladung bekommen, von daher gehe ich davon aus, dass ich dazu gehöre. Deswegen gehe ich ja hin!

Was bedeutet Ihnen der FCK?

In Deutschland habe ich nur für zwei Vereine gespielt: Den SV Rodenbach, zwei Kilometer vor der Stadtgrenze, und den 1. FC Kaiserslautern, zu dessen Spielen ich gegangen bin, seit ich sieben, acht Jahre alt war. Ich bin in Kaiserslautern geboren, und für mich wird es in Deutschland immer nur einen Profiverein geben.

Wie haben Sie in den letzten Jahren die Geschicke Ihres Vereins verfolgt?

Immer wenn ich Zeit hatte, habe ich mir die Spiele im Fernsehen angeschaut.

Der 18. Mai letzten Jahres war der Schicksalstag für Ihren alten Verein, mit einem Sieg gegen Köln blieb Kaiserslautern zweitklassig.


Ich war mir sicher, dass der FCK das Spiel gewinnen würde. Köln war schon aufgestiegen, hatte in der Woche nur zwei Mal trainiert. Es war allerdings schon eine Sensation, dass es überhaupt so ein »Endspiel« gegen den Abstieg gab nach zwischenzeitlich sieben Punkten Rückstand.

Sind Ihnen wie vielen Stadionbesuchern auch Tränen gekommen, als es nach dem zweiten Tor gegen Köln schlagartig Fritz-Walter-Wetter gab?


Ach wissen Sie, früher kamen den Leuten nach dem Abstieg aus der ersten Liga die Tränen, mittlerweile reicht wohl schon die zweite Liga dafür. Die Mannschaft war ja auch sehr schlecht zusammengestellt, der Klassenerhalt war ein großer Verdienst von Milan Sasic.

Mit Sasic und Stefan Kuntz setzte der Aufschwung ein. Denken Sie, dass Kuntz der richtige Mann ist, den Klub nach oben zu führen und zu stabilisieren?

Im Moment herrscht Ruhe, und das ist auch gut so. All die Jahre gab es überhaupt kein Miteinander, verschiedene Gruppierungen standen sich gegenüber. Momentan gibt es überhaupt keinen Anlass zu Kritik, die Mannschaft spielt einen sehr guten Fußball und ist für mich spielerisch wie kämpferisch mit Abstand das beste Team in der Zweiten Liga.

Der FCK ist für Sie also Aufstiegsfavorit Nummer 1?

Ich sehe keine andere Mannschaft, die so kontinuierlich spielt. Wenn sie weiter Punkte sammeln wie bislang, kommen sie am Ende auf 75 bis 80 Punkte. Selbst wenn zwischendurch ein kleiner Einbruch kommt, reicht das locker zum Aufstieg.

Wer gefällt Ihnen aus dem aktuellen Kader am besten?


Die Abwehr ist sehr gut, die Verteidiger arbeiten und laufen viel. Mit Amedick und Rodnei hat die Mannschaft in der Zentrale zwei Superspieler. Mich hat sehr gewundert, dass Hertha BSC Rodnei hat gehen lassen. Da muss ich wirklich lachen. Ich glaube, die wären jetzt froh, wenn sie ihn hätten.

Erkennen Sie in Rodnei, der auch oft Aktionen nach vorne hat, in Ansätzen den Spieler Briegel wieder?

Er ist wie ich sehr kopfball- und zweikampfstark, macht aber immer noch ein, zwei unbedarfte Fehler pro Spiel. Er wird aber einen sehr guten Weg machen. Ich befürchte fast, dass er im nächsten Jahr schon bei einem anderen Erstligaklub spielen wird.

1984 verkaufte der FCK Sie aus finanzieller Not nach Italien. Heute geht es dem Verein trotz des sportlichen Erfolgs finanziell so schlecht wie selten zuvor. Befürchten Sie, dass die besten Spieler selbst im Falle eines Aufstiegs abgegeben werden müssen?

Es kommt immer darauf an, wie viel Geld man für einen Spieler bekommt. Irgendwo liegt die Schmerzgrenze, mit dem Transfererlös kann man dann einen oder mehrere Neuzugänge von gleichem Format finanzieren.

Kann der 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga bestehen?

Die große Herausforderung wird sicherlich sein, nach dem Aufstieg, von dem ich wie gesagt ausgehe, eine schlagkräftige Truppe zusammen zu bekommen, die in der ersten Liga bestehen kann. Mainz zeigt ja gerade, dass man selbst mit wenigen Neuzugängen als Aufsteiger sogar vorne mitspielen kann.

Gibt es von Vereinsseite Pläne, Ihnen wieder einen Posten zu geben?

Nein, die Frage stellt sich auch momentan überhaupt nicht.

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