23.12.2006

Hans-Peter Briegel im Interview

„Sogar der Libero hat überlebt“

So wie Hans-Peter Briegel früher Meter auf dem Platz machte, ist er jetzt als Trainer in aller Welt unterwegs - neuerdings betreut er die Nationalmannschaft von Bahrain. Hier berichtet er von den Unwägbarkeiten des asiatischen Fußballs.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Herr Briegel, Sie haben in der Türkei gearbeitet, in Albanien und nun in Bahrain. Hat die Walz manchmal Heimweh nach der Pfalz?

Nicht so schlimm, dass ich Kribbeln im Bauch hätte. Natürlich freue mich jedes Mal, wenn ich heimkomme. Aber das wird leider immer seltener.

Im August holten Sie als Co-Trainer den ehemaligen Sportreporter Hubert Meyer. War es ihnen wichtig, in der Fremde einen Vertrauten an Ihrer Seite zu haben?

In aller erster Linie ist der Hubert kompetent. Er hat seine Trainerlizenz. Sonst hätte ich ihn nicht geholt. Jetzt hat er den gleichen Anteil am Erfolg wie ich selbst. Warum soll ein Sportreporter auch nicht als Trainer arbeiten können? Ich selbst bin ja ein Quereinsteiger gewesen, kam damals vom Zehnkampf zum Fußball.



Das 2:1 gegen Kuwait war der erste Sieg in Ihrer Amtszeit. Wie groß war der Druck vor dem Spiel? In einem Gespräch mit der „SZ“ orakelten Sie, als Fünfzigjähriger sei man schwer vermittelbar.

Ach, das wird jetzt immer zitiert. Ich habe das in Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gemeint. Da gilt meine Aussage sehr wohl. Existenzangst brauche ich persönlich natürlich nicht zu haben.

Auch keine Angst, irgendwann einmal aus dem Trainerkarussell zu fallen?

Woher denn? Ich habe immer Erfolg gehabt. In Deutschland, der Türkei und in Albanien. Wir haben den Fußball dort vorangebracht. Da können Sie jeden Albaner fragen.

Bei Gelegenheit. Wie werden Siege denn in Bahrain gefeiert? Auf eine Sektdusche mussten Sie wahrscheinlich verzichten.

Man kann auch ohne Alkohol feiern. Die Menschen freuen sich, wie Europäer es auch tun würden. Da habe ich keine wesentlichen Unterschiede bemerkt.

Ist diese Qualifikation Ihr größter Erfolg als Trainer?

Ich bin mit Besiktas Istanbul türkischer Vize-Meister geworden und in die Champions-League gekommen. Dort konnte ich kontinuierlich arbeiten. In Bahrain habe ich die Mannschaft hingegen mitten in der Sommerpause übernommen und kannte sie nur aus Freundschaftsspielen. Vor diesem Hintergrund war das schon ein großer Erfolg, ja.

Wie viele aktive Fußballer gibt es eigentlich in Bahrain?

Ich habe sie nicht gezählt. Man muss wissen, dass Formel 1 hier der Volkssport Nummer 1 ist. Erst dann kommt der Fußball. Es gibt 200 ernstzunehmende Spieler, und nur 40 von ihnen kommen für die Nationalmannschaft in Frage.

Was ist den die spezifische Qualität eines Bahrainischen Fußballers?

Das Kämpferische. Wenn’s drauf ankommt, dann laufen die Jungs bis zum Umfallen. So wie ich früher!

Das allein wird wohl nicht reichen, um sich bei der Asienmeisterschaft durchzusetzen.

Wir sind Außenseiter, ganz klar. Wenn wir einen guten Tag erwischen und die Einstellung stimmt, ist alles möglich. Favorit ist meiner Meinung nach aber Australien, vielleicht auch Japan und Südkorea.

Nach der WM 2002 hieß es, der asiatische Fußball sei im Kommen. Die letzte WM war eine Enttäuschung. Wohin führt der Weg?

Aufgrund der riesigen Bevölkerungszahl könnte der asiatische Fußball ein schlafender Riese sein. Ich habe keine Ahnung, warum er nicht erwacht, z. B. in Indien, wo ja eine Milliarde Menschen leben. Ich kann mich nur zu den Ländern am Golf äußern. Und ehrlich gesagt: In manchen Auswahlmannschaften dieser Region liegt taktisch einiges im Argen. Da hat sogar der Libero noch überlebt.

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