12.02.2010

Hans Meyer über Rente und Rückkehr

»Mich wollte keiner!«

Hans Meyer residiert an der Nürnberger Burg und blickt auf den Fußball. Steigt er noch einmal zu ihm hinab? Wir sprachen mit ihm über das Duell seiner Ex-Klubs Gladbach und FCN, seine Rente und das Amt des Bundestrainers. 

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Herr Meyer, hat es Ihnen mal weh getan, eine andere Mannschaft zu schlagen? 

In 40 Jahren als Trainer bleibt es nicht aus, dass man mal einen Verein besiegt, für den man Sympathien hegt. Wenn ich mich jetzt hinsetzen und meine Aufzeichnungen wälzen würde, würde da bestimmt das eine oder andere Spiel ans Licht kommen, in dem ein Sieg mir weniger Freude bereitet hat als bei anderen Spielen. 



Ihre beiden Ex-Klubs Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Nürnberg treffen heute Abend aufeinander. Egal, wie es ausgeht: Sie als Fan können nur gewinnen. Oder verlieren? 

Zunächst einmal: Ich war noch nie Fan. Gleichwohl verfolge ich diese Partie natürlich mit Herzblut. Das hängt auch mit der Situation zusammen: Für die Nürnberger geht es um sehr viel, sie machen jetzt das Gleiche durch wie Gladbach vor einem Jahr. Dieter Hecking hat die Mannschaft gut auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet, sie scheint mir jetzt besser gewappnet für den Abstiegskampf als noch im Herbst. 

Wie geht’s denn aus? 

Ein Remis wäre gut. Auch für mich und die zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen. 

Die Gladbacher haben offenbar aus der letzten Saison gelernt und wirken nun gefestigter. 

Sie haben sich zielgerichtet und sinnvoll verstärkt. Sie spielen besser, als die Resultate es verraten. 

Wenn Ihr Nachfolger Michael Frontzeck die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz abschließt, könnte ihm das zum Verhängnis werden: Man würde im nächsten Jahr einen UEFA-Cup-Platz von ihm erwarten. 

Frontzeck und Max Eberl traue ich soviel Kontinuität zu, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. In der nächsten Saison könnte – mit ein, zwei gezielten Verstärkungen – ein einstelliger Tabellenplatz drin sein. Ein UEFA-Cup-Platz aber wäre vermessen, auch wenn ein gewisser Teil des Umfeldes sicherlich damit liebäugeln wird. Der verantwortungsvolle Teil aber kann das durchaus realistisch einschätzen. 

Es gibt immer wieder Höhenflüge, siehe Bochum 2003/2004 unter Peter Neururer und auch Nürnberg 2006/2007 unter Ihnen. 

Stimmt. Zufallsprodukte – in Anführungszeichen – sind möglich. Im Positiven, aber auch im Negativen: Beide Vereine sind ein Jahr später abgestiegen. 

Also Pyrrhussiege. 

Das viele Schulterklopfen kann dazu führen, dass die Spieler nicht mehr die 105 Prozent geben wie im Jahr zuvor. Aber es wäre zu einfach zu sagen, dass nur Mannschaft und Trainer das Spinnen angefangen haben und sich weiter wähnen, als sie tatsächlich sind. Dazu gehört auch die gestiegene Erwartungshaltung des Umfelds – und eine Pechsträhne wie damals in Nürnberg, als wir unglaublich viele Verletzte hatten. 

Auch der amtierende Deutsche Meister Wolfsburg ist abgestürzt. Wie nah waren Sie eigentlich dem Traineramt beim VfL? 

Ach, darüber möchte ich gar nicht reden. Immer wenn irgendwo ein Trainer entlassen wird, geht die Spekulationsmaschinerie los. Alle Klubs, die in diesem Jahr einen Trainer suchten, sind von mir angeschrieben worden. Ich habe mich beworben! Aber keiner hat mich genommen. So, jetzt wissen Sie’s. 

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