13.09.2007

Hans Meyer im Interview

„Meyer, du wirst sterben!“

Interviews mit Hans Meyer sind seltene Lichtblicke im Phrasenmeer der Bundesliga-Promis. Auch beim Schlagabtausch mit dem Ex-Profi Guido Schäfer sitzt jede Pointe. „Sie müssen weniger trinken“, rät der Alte dem Jungen.

Interview: Guido Schäfer Bild: Imago
Klopps Geburtstagsgäste hängen noch wie ans Brett genagelt in Ihren Betten, Sie sind offenbar einem Jungbrunnen entstiegen. Wo steht das Teil?

Sie müssen weniger trinken, junger Mann. Ich war das letzte Mal 1958 betrunken, da hatte ich ein paar Rhöntropfen zu viel genommen.



Rhöntropfen?

Kräuterschnaps aus Thüringen, schmeckt wie Jägermeister.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Journalisten beschreiben?


Fast normal. Es gibt wie in jedem Beruf Gute und Schlechte. Was ich nicht mag, sind Leute, die sich schlecht vorbereiten, die ihren Job nicht lieben, die keine Ahnung von sporthistorischen Dingen haben.

Kennen Sie Täve Schur?


Klar doch, Radfahr-Idol der DDR.

So klar ist das gar nicht.

Ich hatte mal ein Interview mit einem MDR-Mann, der hatte keinen blassen Schimmer von Täve. Unglaublich. Und dann gibt es auch noch Kollegen, die dämliche Fragen stellen.

Die Sie dann in legendärer Meyer-Manier nackt im Wind stehen lassen.


Stellen Sie sich vor, Sie sind Trainer, haben ein Spiel gewonnen und werden gefragt: Herr Schäfer, was geht jetzt in Ihnen vor? Ehrlicherweise müssten Sie dem doch sagen, dass Sie mit dem Gedanken spielen, ihn zu erwürgen.

Könnte es sein, dass Sie nach dem Pokalfinale übers Ziel hinaus geschossen sind?

Sie meinen das mit Frau Lierhaus? Ja. (Die ARD-Moderatorin war der irrigen Annahme, dass elf Nürnberger zehn Stuttgarter an die Wand hätten spielen müssen, weswegen Meyer auf 180 war, Anm. d. Red.) Das hat mir hinterher auch ein bisschen leid getan. Ich werde die liebe Monica demnächst in den Arm nehmen und drücken.

Die Kollegen vom Boulevard werden von Hans Meyer in diesem Leben wohl nicht mehr gedrückt.

Könnte so sein, ja. Ich habe da ein paar Mal ganz schlechte Erfahrungen gemacht und dann für mich entschieden: das war’s.

So weit geht keiner Ihrer Kollegen.

Wenn ich jeden Tag mit diesen Journalisten essen gehe, darf ich in schwierigen Zeiten vielleicht eine Woche länger im Amt bleiben. So wie es jetzt ist, müsste ich wahrscheinlich zwei Wochen früher gehen. Kein großer Unterschied, diese drei Wochen, oder? Die letzten drei Wochen vor einer Entlassung braucht kein Mensch. Da wechseln Leute, die dich vorher geküsst und gefeiert haben, die Straßenseite, wenn sie dich sehen.

Der Legende nach wurden Sie noch nie entlassen.

Ich bin fünfmal geflogen, unter anderem in Jena und bei Union Berlin. In 36 Trainerjahren ist das immer noch eine gute Quote.

Kennen Sie eigentlich Alfred Kunze?


Chemie-Trainer, Meister 1964. Dem hat man alle guten Kicker weggeholt, dann ist der mit den vermeintlich Blinden Meister geworden. Ein ganz Großer, von dem zu wenig gesprochen wird.

Wie schätzen Sie die Lage im Fußball-Osten ein?


Cottbus und Jena sind drin geblieben, Rostock ist aufgestiegen, Magdeburg hätte es fast geschafft. Das sah alles schon schlechter aus. Leipzig drückt mich. Die brauchen endlich einen Verein, die Kräfte müssen gebündelt werden, mein alter Freund Bernd Bauchspieß (Chemie-Legende, Anm. d. Red.) sieht das genauso. Aber bei dieser Feindschaft zwischen Lok und Chemie sehe ich schwarz.

Eine singuläre Abneigung?

Zwischen Jena und Erfurt ist’s ähnlich.

Sie sind 1984 von Jena nach Erfurt gewechselt.


Eine scheinbar unverzeihliche Nummer. Mein Wartburg wurde demoliert und vollgepinselt. Mit »Meyer, du wirst sterben« und so Sachen.

Woher wussten die bösen Jenaer, welcher Wartburg der Ihre war?


Ich hatte damals draufgeschrieben: »Ich bin dem Hans sein Auto.«

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