Hans-Jörg Butt über Bayern-Turin 2009

»Dass ich schieße, war nicht festgelegt«

2009/10 stand der FC Bayern im letzten Gruppenspiel in Turin mit dem Rücken zur Wand – und gewann 4:1. Torwart und Elfmeterschütze Hans-Jörg Butt erinnert sich an ein denkwürdiges Spiel.

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Herr Butt, als Louis van Gaal im Sommer 2009 Trainer wurde, funktionierte die ersten Monate nur sehr wenig. Wie haben Sie seine Anfangszeit in Erinnerung?
Da sollte man vielleicht einen Schritt weiter zurück schauen. 2008 bin ich in einer Phase nach München gekommen, in der die Mannschaft ziemlich im Umbruch war. Jürgen Klinsmann war gerade Trainer geworden, Spieler wie Oliver Kahn waren nicht mehr da und stattdessen begannen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die Führungsrolle zu übernehmen. Im Jahr darauf kam dann Louis van Gaal, der die Mannschaft deutlich umgekrempelt hat – seine Spielweise war sehr taktisch geprägt. Damit hatten wir am Anfang einige Probleme und sind deshalb sehr schlecht in die Saison gestartet.

Auch außerhalb des Platzes entstand einiger Aufruhr um den neuen Trainer, es gab unter anderem Streit mit Stürmer Luca Toni – wie erlebten Sie diese Wochen beim »FC Hollywood«?
Ach, eigentlich bin ich genau deswegen 2008 zurück nach Deutschland gegangen. Letztendlich ist man beim FC Bayern extrem erfolgsorientiert und die Saison 2008/09 war nicht erfolgreich. Dann kam ein neuer Trainer, wir sind schlecht in die Saison gestartet und der ganze Verein war in diesem Wandlungsprozess. Van Gaal hat vieles verändern wollen, was nicht unbedingt zur Philosophie des FC Bayern gepasst hat. Im fußballerischen Bereich hat er viel Positives bewirkt, die Mannschaft weiterentwickelt – im zwischenmenschlichen Bereich ist er vielleicht zu weit gegangen. So sind dann diese Reibereien entstanden, die, rückblickend betrachtet, sicher auch ihr Gutes hatten.

Ist van Gaal mit den Spielern genauso provokativ umgegangen wie mit den Medien?
Ich glaube, manche Spieler haben nicht verstanden, was er von ihnen wollte. Er hat viel Wert darauf gelegt, dass die Spielweise exakt so umgesetzt wird, wie er sich das vorstellte. Gestandene Spieler wie Luca Toni, immerhin schon Weltmeister mit Italien, hatten allerdings keine Lust darauf, sich alles noch einmal erklären zu lassen. Es hat eben gedauert, bis die Mannschaft den Trainer, aber auch der Trainer den Verein verstanden hat.

Vor der Partie gegen Juventus Turin im Dezember 2009 war der Druck extrem hoch, man brauchte einen Sieg, um die Gruppenphase zu überstehen. Wie ist es der Mannschaft gelungen, diesen Druck in so eine Leistung umzuwandeln?
Wir waren zu dieser Zeit an einem Punkt, an dem es wieder besser lief und wussten alle, dass das Spiel gegen Juve unsere letzte Chance war – wir aber auch die Qualität hatten, mit dem Druck umzugehen und zu gewinnen. Das ist die große Stärke des FC Bayern: Im entscheidenden Moment blenden alle Mitarbeiter im Verein das Drumherum aus und fokussieren sich nur auf ein einziges Spiel. Hätten wir damals gegen in Turin verloren, wären wir in der Champions League ausgeschieden, dann wäre es mit dem Trainer vermutlich aus gewesen und auch sonst wäre keine Ruhe eingekehrt.

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