Hannovers »Mad Dog« über Führung und Fernsehen

Emanuel Pogatetz: »Ich bin ein Leader!«

Hannovers »Mad Dog« über Führung und Fernsehen

Emanuel Pogatetz, seit diesem Sommer spielen Sie bei Hannover 96 und plötzlich läuft es bei den Roten. Brauchte die Mannschaft Sie als Wachmacher?
 
Emanuel Pogatetz: Nein, die Mannschaft war intakt.
 
Hat Sie das überrascht?
 
Emanuel Pogatetz: Warum? Ich habe es erwartet. Mit dem Klassenerhalt der letzten Saison kann es doch nur eine gute Grundstimmung geben.

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Man könnte die letzte Saison auch anders interpretieren. Das Team hätte durch den Fast-Abstieg und den Tod von Robert Enke verunsichert sein können. Hatten Sie keine Bedenken?
 
Emanuel Pogatetz: Natürlich habe ich mitbekommen, was damals passiert ist. Ich bin aber davon ausgegangen, dass diese Situation die Mannschaft nicht mehr belastet. Mein Eindruck im Sommer und die bisher gezeigten Leistungen bestätigen das.
 
Sind Sie der Führungsspieler, als der Sie dargestellt werden?
 
Emanuel Pogatetz: Wenn ich mich charakterisieren müsste, würde ich sagen: Ich bin ein Leader. Allerdings gebe ich hier in Hannover nicht den Ton an. Es gibt andere Spieler, wie Sergio Pinto oder Christian Schulz, die mehr Bundesligaerfahrung und dementsprechend auch ein anderes Standing in der Mannschaft haben.
 
Hannover ist Zweiter, wird aber nicht als ernster Verfolger von Borussia Dortmund gehandelt.
 
Emanuel Pogatetz: Auf jeden Fall. Man muss mal bedenken, mit welchen Erwartungen wir in die Saison gestartet sind: Wir wollten lediglich den Abstieg vermeiden. Es ist toll, dass wir soweit oben stehen. Unser Ziel sind aber die 40 Punkte und nicht Dortmund unter Druck zu setzen oder um die Meisterschaft mitspielen.
 
Das ist sehr bescheiden.
 
Emanuel Pogatetz: Alles andere wäre vermessen. Wenn wir unser Ziel schnell erreichen, müssen wir uns neue Ziele setzen. Die internationalen Plätze anzugreifen, wäre der nächste Schritt.
 
Sie haben fünf Jahre in England beim FC Middlesbrough gespielt. Mussten Sie Ihr Spiel in Deutschland umstellen?
 
Emanuel Pogatetz: Vor allem bei Kopfballduellen musste ich mich erst an das schnelle Pfeifen der deutschen Schiedsrichter gewöhnen. Ich war es gewohnt, mich mit voller Wucht in den Ball zu werfen.
 
Diese Einstellung hatte Folgen. Eine Knieverletzung hat Sie 2008 daran gehindert zum AS Rom zu wechseln.
 
Emanuel Pogatetz: Das stimmt, ohne die Verletzung wäre ich vielleicht in Italien.


Die Serie A ist die Heimat von Spielern wie Fillipo Inzaghi oder Francesco Totti, Spielern, denen nachgesagt wird, dass sie leicht fallen. Würden Sie sich dort nicht permanent aufregen?
 
Emanuel Pogatetz: Warum?
 
Sie gelten als großer Gegner der Schwalbe.
 
Emanuel Pogatetz: Ich habe noch nie in Italien gespielt und kenne die Gewohnheiten der dortigen Spieler nicht. Sie haben aber recht: Ich liebe die ehrliche Spielweise. Ein schweres Foul ist genauso schlimm wie eine Schwalbe. Beides ist unsportlich und steht für mich auf der gleichen Stufe.
 
Wie erleben Sie die Fall-Sucht in Deutschland?
 
Emanuel Pogatetz: Die Spieler fallen häufiger als in England. Es wird öfter versucht zu betrügen.
 
Stellen Sie sich besonders auf solche Gegenspieler ein?
 
Emanuel Pogatetz: Klar. Wenn ich weiß, dass mein Gegenspieler chronische Fallsucht hat, passe ich natürlich auf, vor allem am Strafraum. So etwas nervt.
 
Sind Sie auch genervt von den eigenen Mitspielern, die eine Schwalbe machen?
 
Emanuel Pogatetz: Hannover hat dieses Problem eigentlich nicht. Und wenn sich ein Spieler fallen lässt, wird er zurechtgewiesen. Da haben genügend andere im Verein ein Auge drauf.
 
Heile Welt in Hannover?
 
Emanuel Pogatetz: Mirko Slomka lässt bei Trainingsspielen viel durchgehen. Es lohnt nicht, wenn man länger als nötig liegen bleibt. Da gewöhnt man sich die Schauspielerei schnell ab. Das gefällt mir nur in der Freizeit.
 
Was meinen Sie?
 
Emanuel Pogatetz: Es passt vielleicht nicht zu meinem Image, aber ich gehe gern ins Theater.
 
Sie sind kein Fernsehjunkie?
 
Emanuel Pogatetz: Ich halte Fernsehen für Zeitverschwendung. Außer Sonntags. Da schaue ich immer Tatort.

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