19.12.2009

Hannover-Trainer Bergmann über Robert Enke

»Die Trauer war enorm wichtig«

Für Hannover 96 und Trainer Andreas Bergmann geht heute Nachmittag eine Hinrunde zu Ende, die kein Fan der »Roten« jemals vergessen wird. Der Coach über den Selbstmord von Torwart Robert Enke und die Trauer danach.

Interview: Christoph Zimmer Bild: Imago
Hannover-Trainer Bergmann über Robert Enke
Wie wichtig war es, auch nach dem tragischen Selbstmord von Robert Enke, authentisch zu sein?

Das war keine einfache Situation. Ich denke, dass wir das gut verarbeitet haben. Komplett abgeschlossen ist dieser Prozess aber noch nicht. Es geht einfach nicht, nach nur drei Wochen zu sagen: So, jetzt ist alles vorbei.

Wie wichtig war die Trauer in diesen Tagen?

Das war elementar wichtig, auch wenn wir niemandem vorschreiben konnten, wie er trauern soll. Ein richtig und ein falsch gibt es da nicht. Die Nähe, das Unerwartete und die Tragödie, die dahinter stand, hat die ganze Sache noch einmal potenziert. Das ergibt dann diese Sprachlosigkeit. Gerade in dieser Situation war die Trauer, auch und vor allem gemeinsam als Mannschaft, unheimlich wichtig.  

Hat sich die Mannschaft seit diesen Tagen verändert?

Das war ein unglaublich traumatisches Erlebnis. Aber als Mannschaft sind wir damit ganz ordentlich umgegangen, noch enger zusammengerückt – auch durch die gemeinsame Trauer. Die Mannschaft hat sich in dieser Situation sehr viel gegeben.  

Die Medien haben in einem fast schon gespenstischen Umfang versucht, das Unerklärliche zu erklären. Wie haben sie die Berichterstattung nach dem Tod von Robert Enke empfunden?

In der Zeit selbst fand ich die Berichterstattung niveauvoll und sensibel, der Situation angemessen. Ich hatte ein gutes Gefühl. Die Medien haben uns in dieser Zeit nicht mit aller Macht belästigt.    

Glauben sie, dass der Selbstmord von Robert Enke dieses hektische Geschäft dauerhaft verändern kann?

Das wird die Zeit zeigen, inwieweit da eine gewisse Sensibilität vorhanden ist. Es wurde in dieser Zeit sehr viel über Moral und Respekt gesprochen. Die Bundesliga aber auch die Medien haben sich hinterfragt: Dürfen wir in diesem Geschäft menschliche Schwächen zeigen? Ich habe aber jetzt schon wieder das Gefühl, dass all das schon wieder vergessen ist. Gewisse Dinge müssen nicht sein.  

Es geht, einfach gesagt, ums Gewinnen und Verlieren…

Das stimmt. In diesem Geschäft geht es um sehr viel Geld, Konkurrenz und Druck sind unglaublich hoch. Ein besserer Umgang untereinander ist aber trotzdem möglich. Davon bin ich überzeugt. Leistungssport und Menschlichkeit gefährden einander nicht und schließen sich auch nicht aus. Eher umgekehrt.    
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