23.07.2012

Hannover-Präsident Martin Kind über die Auszeit seines Managers Jörg Schmadtke

»Wir haben aus der Tragödie Enke gelernt«

»Ich hatte keine Ahnung von Fußball«, gesteht Hannover-96-Präsident Martin Kind. Im Interview spricht er außerdem über sein Arbeitspensum und erklärt, warum er Manager Jörg Schmadtke sein Urlaubsjahr genehmigte

Interview: Benjamin Apitius Bild: Imago

Nun ist er trotzdem erst einmal weg. Wie hart trifft den Verein seine Abwesenheit in den nächsten Wochen?
Nicht hart. Und zwar deshalb nicht, weil die Auszeit erst begonnen hat, als alle Entscheidungen, die wir für die nächste Saison vereinbart hatten, umgesetzt waren. Und wenn ich doch mal einen Rat von ihm brauche, dann kann ich ihn natürlich auch jetzt noch anrufen. Ich will alle Entscheidungen in seinem Sinne treffen und operativ umsetzen. Aber die Anrufe reduziere ich auf wenige Male. Er soll seine Auszeit wirklich bekommen.

Würden Sie jedem Ihrer Mitarbeiter einen solchen Freiraum verschaffen?
Ich bin vom Ansatz her ein sehr sozialer Mensch. Ich nehme Verantwortung gegenüber Menschen sehr ernst. Ihre Frage kann ich aber nur differenziert beantworten. Exemplarisch hatten wir das Problem – zum Glück, weil er sein Erschöpfungssyndrom frühzeitig öffentlich gemacht hat – mit unserem Torwart Markus Miller. Wir haben in seinem Fall in dem Rahmen einer anderen Anforderungsstruktur genauso reagiert und entschieden. Und ich kann mir das auch bei anderen Mitarbeitern vorstellen, temporär eine individuelle Lösung zu vereinbaren.

Ist dieser sensible Umgang mit Ihren Mitarbeitern eine Hinterlassenschaft von Robert Enke?
Aus dieser Tragödie haben wir alle gelernt. Robert Enke hat uns die menschlichen Schwächen und die Verantwortung, die wir haben, noch einmal deutlich dargestellt. Es hat mich verrückt gemacht, dass man glaubt, einen Menschen zu kennen und ihm doch nicht genügend Vertrauen vermitteln konnte, dass er sich öffnet. Dass man vielleicht eine Chance gehabt hätte, ihm zu helfen.

Sie sagten, Sie können die Umstände von Herrn Schmadtkes Entscheidung nachvollziehen. Haben Sie sich auch einmal nach einer solchen Auszeit gesehnt?
Nein, gar nicht. Ich habe das Glück, dass ich unglaublich belastbar bin und Arbeit als große Freude empfinde. Und so habe ich es geschafft – durch die zusätzliche Verantwortung im Fußball –, dass ich die Sieben-Tage-Woche erreiche und jeden Tag zwölf bis fünfzehn Stunden arbeite.

Wie bitte?
Ich bin ein Sonderfall in dieser Beziehung, ich weiß. Aber ich befinde mich damit für mich auf der Sonnenseite des Lebens: Ich kann gestalten, ich kann entscheiden, ich kann Prozesse und Ziele definieren. Ich bin mit meiner Situation vollkommen im Reinen, und ich habe mit meiner Familie deswegen keine Probleme. Das passt bei mir zufällig sehr gut.
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