23.07.2012

Hannover-Präsident Martin Kind über die Auszeit seines Managers Jörg Schmadtke

»Wir haben aus der Tragödie Enke gelernt«

»Ich hatte keine Ahnung von Fußball«, gesteht Hannover-96-Präsident Martin Kind. Im Interview spricht er außerdem über sein Arbeitspensum und erklärt, warum er Manager Jörg Schmadtke sein Urlaubsjahr genehmigte

Interview: Benjamin Apitius Bild: Imago

MartinKind, Sie haben Ihrem Sportdirektor Jörg Schmadtke eine elfwöchige Auszeit bis zum 10. September mit anschließender Halbtagsbeschäftigung bis Jahresende ermöglicht. Ist also Herr Schmadtke unersetzbar in Hannover?

Nein, das ist er nicht. Jeder von uns ist zu ersetzen. Und das ist auch gut so

Dann war es ein Freundschaftsdienst?
Nein, wir sind nicht befreundet.

Was war dann der Grund Ihres Handelns?
Sehen Sie, ich trage die volle Verantwortung für den Verein. Und Jörg Schmadtke steht zusammen mit Trainer Mirko Slomka für den sportlichen Erfolg der letzten Jahre. Ich wollte ihn also unter keinen Umständen verlieren. Er ist für mich ein sehr wichtiger Partner geworden bei der Entwicklung von Hannover 96.

Was haben Sie denn gedacht, als Jörg Schmadtke im April aus nicht näher beschriebenen »privaten Problemen« seinen Vertrag als Sportdirektor auflösen wollte?
Mich traf sein Wunsch ziemlich unvorbereitet. Ich war mehr als überrascht. Er war gedanklich schon sehr stark darauf ausgerichtet, dass er das Arbeitsverhältnis beendet, um Zeit für sich und seine Familie zu gewinnen. Auf der einen Seite hatte ich menschlich größtes Verständnis für seine Situation. Auf der anderen Seite war ich aber auch ein wenig irritiert. Denn so einfach den Vertrag aufzulösen, er ist ja bei 96 auch Geschäftsführer Sport, das ging natürlich nicht.

Was war Ihr Plan, nachdem Schmadtke seinen Rückzug angekündigt hatte?
Meine Überlegungen waren, wie ich ein Modell entwickeln kann, das beides zusammenführt: dass er hier weiter tätig ist und auch die Zeit bekommt, seine persönlichen Dinge zu ordnen.

Die Verhandlungsmasse war in diesem Fall also nicht Geld – sondern Zeit.
Ja, das habe ich so zum ersten Mal erlebt.

Und dann wurde gefeilscht um Stunden, Tage, Wochen?
Für mich war es wichtig, dass ich ihm umfassend Verständnis signalisiere und auch Vertrauen schenke – für seine Bedeutung bei 96 und für die Zukunft. Und ich glaube, es war genau dieser Mix, der bei ihm zu einem Umdenken geführt hat.

Für wie außergewöhnlich halten Sie selbst Ihre Übereinkunft?
Ich will das alles nicht überhöhen. Ich bin ein Pragmatiker des Lebens. Ich wollte wirklich helfen, weil ich die Probleme von Jörg Schmadtke nachvollziehen kann. Aber auf den zweiten Blick war ich egoistisch, weil ich diesen Mann unbedingt hierbehalten wollte.

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