22.09.2010

Hanno Balitsch im Interview

»Herr Merk, Sie sind schlecht!«

Seit dieser Saison spielt Hanno Balitsch wieder bei Bayer 04 Leverkusen. Wir sprachen mit dem gebürtigen Hessen über kommunikative Schiedsrichter, Leistungsdruck im Fußball und seinen Wechsel zur Werkself.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Hanno Balitsch, es gibt ein Lied über Sie. Wussten Sie das?

Ja, das ist mir bekannt.

Wie finden Sie das Lied?

Sehr originell. Wieso?



In dem Stück heißt es: »Ein absoluter Führungsspieler vor dem Herrn, einen solchen Spieler hat nicht jeder Trainer gern.« Haben es die Übungsleiter schwer mit Ihnen?


Ich würde das immer verneinen, weil ich ein Spieler bin, der immer das Maximum aus sich und der Mannschaft holen möchte. Dazu gehört auch, dass man intern kritische Worte findet. Da kann der eine besser mit umgehen als der andere. Ich denke so erklärt sich diese Textzeile.

Sind Sie eigentlich deshalb nach Leverkusen zurück gekehrt, weil Jupp Heynkes Sie als »Wunschspieler« bezeichnet hat?

Das war sicherlich ein Grund für den Wechsel. Generell muss man sagen, dass ein solches Angebot für einen Spieler wie mich, dessen Vertrag bei Hannover 96 auslief, auch nicht selbstverständlich ist. Als Jupp Heynkes mir dann noch sagte, dass er mich gerne haben möchte, musste ich nicht lange überlegen.

Die Konkurrenz ist auf Ihrer Position sehr groß. Warum setzten Sie sich einer solchen Situation aus?

Ich brauche die sportliche Herausforderung. In den Jahren zuvor habe ich immer wieder mein Ziel formuliert, international spielen zu wollen. Ich wollte mich auch selbst austesten. Kann ich mit 29 noch einen weiteren Schritt machen? In Hannover wäre das nicht gegangen. Wenn man dann zu einem Verein wechselt, der international spielt und der diese Ansprüche hat, ist es ganz normal, dass es auf jeder Position einen Konkurrenzkampf gibt. Natürlich hat sich durch die Verpflichtung von Michael Ballack etwas verändert. Jetzt ist die Herausforderung eben noch größer.

Warum konnten Sie sich keine weitere Zukunft in Hannover vorstellen?

Ich war fünf Jahre bei Hannover 96, so lange, wie noch bei keinem anderen Verein. Ich habe einfach gemerkt, dass ich einen neuen Anstoß brauche.

Sie waren ein Freund von Robert Enke. Glauben Sie, dass sich durch seinen Tod etwas im Fußball verändert hat?


Nein.

Warum nicht?

Weil der Fußball weiterhin die Leistungsgesellschaft geblieben ist und logischerweise auch bleiben wird. Das muss man nicht nur auf den Fußball beziehen, sondern kann das auf verschiedenen Ebenen betrachten. Überall, wo der Leistungsgedanke vorherrscht, wird es solche Probleme geben.

Frustriert Sie das?

Ich habe mir schon erhofft, dass eine Veränderung stattfindet. Nach der Tragödie sind viele kluge Worte gefallen. Dass Fußball nicht alles sein darf und er nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen sollte. Ein paar Wochen später war das nächste Thema in Form des Wettskandals da. Die Tragödie wurde vergessen. Es ist nicht frustrierend. Aber enttäuschend.

Hat sich in Ihrem persönlichen Verständnis vom Fußball etwas geändert?

Ja, es gibt wichtigere Dinge in meinem Leben als Fußball.

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