31.10.2007

Hannelore Ratzeburg im Interview

„Die Mädchen denken: Wow!“

Deutschland richtet die Frauenfußball-WM 2011 aus. Was bedeutet das für den Frauenfußball? Wir sprachen mit Hannelore Ratzeburg, die gerade als erste Frau überhaupt in die Spitze des DFB gewählt worden ist.

Interview: Robert Ide Bild: Imago
Deutschland richtet die Frauenfußball-WM 2011 aus. Was bedeutet das für den Frauenfußball, Frau Ratzeburg?

Eine Bestätigung. Viele Frauen und Mädchen werden denken: Wow, es lohnt sich zu spielen, es wird weltweit gesehen. In Deutschland dürften viele Vereine einen Schub bekommen, nicht nur in den Ausrichterstädten. Wir planen eine ambitionierte WM – mit Stadien, in denen meist 25 000 bis 30 000 Zuschauer Platz finden. Das liegt deutlich über der Vorgabe der Fifa, die nur 15 000 verlangt.



Sind Sie sicher, dass Sie solche Stadien mit einem Vorrundenspiel füllen können? Schließlich ist Frauenfußball doch noch etwas langsamer als Männerfußball, oder?

Glauben Sie etwa, dass die Menschen jetzt langsamer jubeln werden und langsamer ihre Fahnen schwenken? Mit den Jungs brauchen wir uns nicht zu vergleichen, wir haben ein eigenes Spiel. Schauen Sie sich die Entwicklung an: Inzwischen wird viel schneller gespielt, die WM war geprägt von athletischen Spielerinnen, die attraktiv nach vorne stürmten. Auch die Frauenteams wissen, dass man den Zuschauern etwas bieten muss.

Was kann einzigartig an dieser WM sein?

Das Ereignis selbst. Wir richten ja zum ersten Mal diese WM aus. Schon bei der EM 2001 konnten wir pro Spiel knapp 10 000 Menschen begeistern. Bei der WM 2011 wird es noch viel mehr Leute geben, die sich sagen: Da muss ich mal hin, eine Frauenfußball-WM in Deutschland erlebe ich sonst nicht mehr.

Kann sich eine Frauen-WM für den deutschen Fußball überhaupt rechnen?

Wir werden alles dafür tun, die Bilanz mit einer schwarzen Null abzuschließen. Das ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch. Als wir 1989 die erste EM in Deutschland organisiert haben, blieb sogar ein kleines Plus übrig.

Haben Sie selbst einmal Fußball gespielt?

Ich habe 1971 angefangen, habe alle Positionen gespielt außer Torhüterin, vormittags in der einen Mannschaft, nachmittags in einer anderen. Ich war hochmotiviert, auch wenn die Bedingungen manchmal haarsträubend waren. Wir spielten auf Hamburger Hartplätzen, Trainingszentren für Mädchen gab es nicht. Heute finden Turniere für Erstklässlerinnen statt, es gibt Trainingsstützpunkte. Immer mehr Vereine engagieren sich im Frauenfußball, auch Bundesligisten.

Welche Probleme hat der Frauenfußball in Deutschland noch?

Im DFB sind schon knapp eine Million Frauen engagiert. Aber gerade für die Jüngeren fehlt es an Betreuung. Wir brauchen mehr ausgebildete Trainerinnen und Schiedsrichterinnen. Hier sollten sich Nationalspielerinnen, die ihre Karriere beendet haben, stärker engagieren.

Fühlen Sie sich manchmal im DFB noch mit Ihrem Thema allein gelassen?

Ich bin die erste Vizepräsidentin für Frauenfußball, deshalb habe ich keine Vorbilder. Aber ich habe mir auch als Spielerin einen Weg ohne Vorbilder gesucht – und ihn gefunden.


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