07.03.2014

Halil Altintop über Augsburg, Helden und André Hahn

»In Zukunft wieder gegen den Abstieg«

Im Sommer wechselte Halil Altintop aus der Türkei zum FC Augsburg und stellte sich auf den Abstiegskampf ein. Derzeit erlebt er allerdings mit dem FCA ein kleines Fußballmärchen und steht auf Platz neun. Wir sprachen mit ihm über die Gründe für den Augsburger Aufschwung, den Überflieger André Hahn und die stillen Helden des Klubs.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Halil Altintop, mit welchen Ambitionen sind Sie im Sommer 2013 nach Augsburg gewechselt?
In den Gesprächen mit Stefan Reuter wurde sofort klar, dass das Ziel des Vereins ist, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. In Augsburg setzt man sich realistische Ziele und bleibt jederzeit auf dem Teppich. Das habe ich vom ersten Tag an gemerkt. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich hier sehr gut reinpasse. Ich bin fit und möchte noch ein paar Jahre auf diesem Niveau spielen. 


Man mag meinen, dass einen erfahrenen Spieler die Aussicht auf den Abstiegskampf nicht sonderlich reizt. Warum haben Sie trotzdem in Augsburg unterschrieben?
Ich bin nicht nur in die Bundesliga zurückgekehrt, um zu zeigen, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich mit meinen Qualitäten der Mannschaft weiterhelfen und in gewissen Situationen den Unterschied ausmachen kann. Die Verantwortlichen haben mir das Vertrauen geschenkt und mir gesagt, dass sie mich in der Zentrale sehen. Auf dieser Position sehe ich mich auch am stärksten. Diese Klarheit hat mir imponiert. 

Was haben Sie erwartet?

Einen Klub mit familiärem Umfeld, eine Mannschaft, die gemeinsam an einem Strang zieht und bei der keiner aus der Reihe tanzt. Mitspieler, die ihre persönlichen Befindlichkeiten hinten anstellen und das Kollektiv an erster Stelle stellen. Eine realistische Einschätzung der eigenen Situation: Wir sind ein Klub, der immer gegen den Abstieg kämpfen muss. Und ich wurde nicht enttäuscht.


Momentan steht der FC Augsburg auf Rang neun der Tabelle und damit weit über dem Soll. Können Sie den Erfolg erklären?
Wir haben das Glück, dass wir bisher ohne schwere Verletzungen oder längere Ausfälle der Leistungsträger durch die Saison gekommen sind. So etwas hilft, um den Schwung, der eine Mannschaft beflügeln kann, von Woche zu Woche mitzunehmen. Wir schaffen es, an nahezu jedem Spieltag die maximale Leistungsfähigkeit abzurufen und werden dafür bisher belohnt.


Sie kamen von Trabzonspor. Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Fußballzirkus in der Türkei und den Zuständen in Augsburg?

Der war natürlich gewaltig. Trabzonspor gehört zu den vier großen Vereinen in der Türkei. Dementsprechend wird er auch medial behandelt. Auch die Fans haben enorme Erwartungen, da ist man als Spieler natürlich etwas mehr unter Zugzwang. In der Türkei erlebt man die Liebe der Fans wesentlich intensiver. Es war fast nicht möglich ein normales Privatleben zu führen. 



Wie sehr belastet es einen als Profi, wenn man nicht mal in Ruhe einkaufen gehen kann?
Jeder Mensch wünscht sich, dass er sich in seinem Leben jederzeit frei bewegen kann. Das war in der Türkei nicht immer der Fall. In Augsburg hat man mehr Freiheiten. Dafür bin ich sehr dankbar. 


Vor allem der Teamgeist des FC Augsburg wird hochgelobt. Wie schafft man eigentlich einen Spirit in der Mannschaft?
Da muss man den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen. Sie haben ein sehr gutes Gespür dafür, welche Spieler in dieses Gefüge passen. Dazu gehört auch Mut. Das beste Beispiel dafür, dass dieser Mut belohnt werden kann, haben wir in unserer Mannschaft: Es ist André Hahn, der beweist, was innerhalb eines Jahres im Fußball möglich ist.

Hahn kam aus der Dritten Liga nach Augsburg und wurde jüngst in die Nationalmannschaft berufen. War seine Leistungsexplosion abzusehen?

Sein unglaublicher Wille ist jedem sofort aufgefallen. Es ist einfach phänomenal, wie er sich in dieser kurzen Zeit entwickelt hat. Er weiß aber auch, dass seine Leistung ohne eine intakte Mannschaft kaum möglich gewesen wäre. 


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