Hajo Sommers über Becher bei RWO

»Lesehilfe für Gästefans«

Vor dem Straßenbahnderby gegen den MSV Duisburg sprachen wir mit Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, über seine verrückte Pfandbecheridee, Lesehilfen für Gästefans und eine geplante Flitzeraktion. Hajo Sommers über Becher bei RWO

Hajo Sommers, Sie sind für die neuen Trinkbecher im Niederrheinstadion verantwortlich. Was steckt hinter dieser Aktion?  

Wir gehörten jahrelang zu den letzten Mohikanern, die noch Einwegbecher benutzten. Vor dieser Saison war für uns Schluss mit lustig, da wir jedesmal eine Sondergenehmigung der Stadt benötigten und nach dem Spieltag der halbe Kanal mit Plastikbechern voll lag. Somit haben wir uns für die Mehrwegbecher entschieden.

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Es gibt zwei Varianten der Becher, eine Anti- und eine Pro-RWO-Ausgabe. Wie sieht die Pro-RWO-Variante aus?

Auf den normalen Bechern sind unsere Spieler abgebildet. Aber das ist keine neue Idee in deutschen Stadien. Man hofft dabei auf einen Sammel- und Mitnahmeeffekt. Doch dann kam die Frage auf, was wir auf die Becher für die Gäste drucken. »Schöne Grüße aus Oberhausen« oder »die schönsten Stadtansichten Oberhausens« wollten wir nicht auf den Bechern haben. So entschieden wir uns, genau das drucken zu lassen, was die Gäste von uns denken.  

»Scheiß RWO«.

Korrekt. Wir wollten dafür sorgen, dass wir so wenige Becher zurück bekommen wie möglich. Wir haben einfach nicht genügend Kapazitäten für Rücknahmestellen. Mit den Bechern liefern wir gleichzeitig unseren Gästen eine Lesehilfe, falls man nicht weiß, was man im Stadion singen soll.

Was sagen Sie den Fans, die diese Aktion offensichtlich missverstehen?


Vereinzelte Fans werfen uns vor, dass wir keinen Repekt vor dem Verein hätten und dessen Ehre verletzen würden. Sie fordern auch teilweise meinen Rücktritt. Wir haben darauf erst einmal nichts geantwortet, da die sonstigen Reaktionen überwiegend positiv waren. Plötzlich hatten wir ein ganz anderes Problem: Die RWO-Fans kamen nicht an die Becher aus dem Gästeblock. Da wurde sogar ein Aufsichtsratsmitglied genötigt, Becher aus dem Gästebereich zu besorgen.

Deswegen gibt es die Becher jetzt auch im Shop zu bestellen.


Die Nachfrage der Oberhausen-Fans war einfach so groß, dass wir uns dazu entschieden haben. Somit konnten wir bisher etwa 200 Stück über den Shop verkaufen.

Ihre Aktion soll RWO auch finanziell unterstützen. Kann man schon eine Zwischenbilanz ziehen?

In den zwei Heimspielen sind schon etwa 1200 Becher nicht zurück gekommen. Das sind 33 Cent pro Becher. 150 Becher sind sogar komplett wieder zurück gekommen, weil sie ihre eigene Mannschaft mit den Bechern beworfen haben. Das ist für uns die schönste Idee. Da bleiben für uns keine 33 Cent, sondern sogar ein ganzer Euro übrig.  

Von Kurt Tucholsky gibt es den Satz: »Satire darf alles«. Wann ist bei Ihnen eine Grenze erreicht?

Wenn ich selbst zu mir sage: »Ich Arschloch!«, dann ist das keine Beleidigung. Wenn ich das aber zu jemand anderem sage, kann es schon eine Beleidigung sein. Ich finde, dass man über sich selbst Schlechtes sagen darf.

Durch diese Aktion ist RWO plötzlich wieder in den Medien. Das ist ja nicht die erste kreative Idee: Sie wollten schon nackt durchs Stadion flitzen...


 ...da wird mir immer unterstellt, dass das nur ein Werbegag war. Aber ich hätte es gemacht. Es ging ja damals um einen Wette mit unserem Spieler Julian Lüttmann. Der sagte: »Präsi, wenn wir gegen Erfurt aufsteigen, dann läufst du nackt durchs Stadion.« Ganz nackt ging nicht. In einem String hätte ich es gemacht. Ich stand auch die ganze zweite Halbzeit mit meinen Klamotten hinter dem Marathontor, zum Ausziehen bereit. Doch die Kollegen haben alles getroffen – Pfosten, Torwart oder Abwehrspieler. Leider nicht ins Tor. Damit blieb mir das Flitzen erspart und ich kann es mir für das eigene Stadion aufheben. Ein Stadionverbot in einem fremden Stadion zu riskieren, ist vielleicht als Präsident auch etwas zu viel.  

Was sagt die DFL zu solchen Aktionen?


Das ist immer etwas schwierig. Ich erinnere mich noch an eine Aktion, bei der die Roten Karten in unserem Stadion von einer Zeitarbeiterfirma präsentiert wurden. Da hieß es dann nach einer Roten Karte: »Arbeitsplatz in Gefahr? Wenden Sie sich an AB Zeitpersonal.« Die DFL hat uns dann mitgeteilt, dass dies unsportlich sei und wir das bitte einstellen sollten.

Aber scheinbar gibt es von Seiten der DFL nichts gegen die RWO-Becher einzuwenden.
Was kommt als Nächstes?

Momentan gibt es diese Motive nur auf den 0,3 Liter-Bechern. Ich habe aber noch zwei Ideen für die 0,5-Liter-Becher. Wir sind uns noch nicht ganz einig, ob das wirklich witzig ist. So viel kann ich verraten: Die Menschen werden sagen: »Hach, schön!« 

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