17.08.2010

Guy Demel über Heimat

»Es tut gut, zurückzukehren«

Guy Demel hat als Fußballer Europa bereist. Bei der Elfenbeinküste spielt der Afrikaner für das Land seiner Eltern. Wir sprachen mit Hamburgs Verteidiger über seine Großmutter, Freundschaft im Fußball und Gefühl für Musik.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Guy Demel, Sie sind in Frankreich geboren, aber Sie spielen für die Elfenbeinküste. Wann haben Sie sich dazu entschieden?

Ausschlaggebend war ein Versprechen, das ich meiner Großmutter als kleines Kind gegeben hatte. Ich hatte ihr gesagt, falls ich es schaffen sollte, Profifußballer zu werden, würde ich für die Elfenbeinküste spielen. Zu der Zeit glaubte ich noch nicht daran, dass es wirklich so weit kommen würde. Das war mehr so dahin gesagt. Aber ich habe Wort gehalten.



Welchen Bezug hatten Sie als Kind zum Heimatland ihrer Eltern?

Meine Mutter war schon in jungen Jahren mit meinem biologischen Vater, den ich nicht kenne, aus Afrika nach Frankreich gekommen. Als ich zwei Jahre alt war, sind wir mit meinem Ziehvater nach Marseille gezogen. Da meine Mutter viel arbeiten musste, bin ich ab meinem dritten Lebensjahr regelmäßig zu meiner Großmutter an die Elfenbeinküste gebracht worden. Ein Jahr lang hat sich meine Großmutter um mich gekümmert. Einige Male habe ich so als Kind Zeit ohne meine Eltern in Afrika verbracht.

Welche Erinnerungen habe Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Die ersten klaren Erinnerungen habe ich an einen Urlaub, den ich mit elf Jahren an der Elfenbeinküste nach der Hochzeit meiner Eltern verbracht habe. Damals bin ich zum ersten Mal richtig mit der Kultur im Land in Kontakt gekommen.

Aufgewachsen sind Sie jedoch in Marseille, wo Sie als Kind schon früh mit Kriminalität konfrontiert wurden.

In Marseille habe ich mit meiner Familie in verschiedenen Vierteln gewohnt. Als wir dort hinkamen, sind wir in einen Randbezirk im Norden der Stadt gezogen. Das Viertel gehörte zu den Teilen von Marseille, die von Touristen eher gemieden wurden. Dort spielte sich das Leben auf der Straße ab. Sicherlich hat man da auch mal gesehen, wie Leute beklaut wurden oder Dinge kaputt geschlagen wurden. Später sind wir in den Süden von Marseille gezogen. Aber auch dort war die Kriminalität relativ hoch.

Waren Sie selbst davon betroffen?

Ich selber nicht. Ich kenne Freunde, die Fehler gemacht haben. Aber wenn man in einem solchen Umfeld aufwächst, häufig ohne klare Perspektive und Arbeit, ist es schwer, einen geraden Weg zu gehen. Einige meiner Freunde haben auch mal im Gefängnis gesessen. So etwas vergisst man so schnell nicht. Aber es erinnert auch daran, unter welchen Umständen man aufgewachsen ist.

Kehren Sie deshalb immer wieder in diese Viertel zurück?

Meine Mutter wohnt immer noch in der Nähe von Marseille. Die Verbindung zum Ort meiner Jugend habe ich nie aufgegeben. Ich habe noch viele Freunde dort, mit denen ich aufgewachsen bin. Mit einigen von ihnen habe ich früher in der Jugend und im Ausbildungszentrum bei Olympique Marseille gekickt. Meine besten Freunde habe ich immer noch in Frankreich. Deswegen tut es mir jedes Mal gut, nach Marseille zurückzukehren.

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