Guus Hiddink im Interview

»Es musste mal richtig krachen«

Die Spieler ringen noch um den Status »EM-Superstar«, bei den Trainern ist die Entscheidung gefallen: The Winner is Guus Hiddink! Er hat den schlafenden Riesen Russland geweckt. Hier erklärt er, wie ihm das gelang. Guus Hiddink im InterviewImago

Guus Hiddink, Russland steht trotz eines 1:4 zum Auftakt gegen Spanien im Halbfinale - gegen Spanien. Was hat nach der Pleite zur Wende geführt?

Man muss sehen, dass Russland sich auch mit etwas Glück für diese Endrunde qualifiziert hat. Dann waren wir gegen Spanien etwas zu schüchtern. Deswegen haben wir nach diesem Spiel auch hinter geschlossenen Türen trainiert, denn es musste mal richtig krachen. Dann kamen die Spiele gegen Griechenland, Schweden und die Niederlande. Jetzt stehen wir eben im Halbfinale.

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Russland wird nach dem überragenden Auftritt gegen die Niederlande als Titel-Favorit gehandelt. Wie sehen Sie nun das zweite Duell mit Spanien?


Spanien ist ein Land, das es liebt, Fußball zu spielen. Die Erfahrung spricht für Spanien, weil es häufiger bei großen Turnieren die K.o.-Runden erreicht hat. Die Spieler haben einen viel größeren Wettbewerb in der Primera Division und große internationale Erfahrung in der Champions League gesammelt. Die russische Liga auf der anderen Seite ist nicht so stark. Das ist nun ein neues Spiel und hoffentlich auch ein neues Russland. Wir haben im ersten Spiel viele Gegentore kassiert, uns dann aber enorm entwickelt. Ich bin gespannt, ob wir dieses Level halten können.

Sie haben angesprochen, dass Russland sich mit etwas Glück für dieses Endturnier qualifiziert hat. Warum hat man sich so schwer getan, oder was war entscheidend für die Qualifikation?

Ein Beispiel: Ich war entsetzt, mit welcher Einstellung ein Roman Pawljutschenko seinen Beruf ausübt. Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Jetzt verhält er sich professionell. Das Schöne ist, dass junge Menschen geistig äußerst flexibel sind. Manchmal muss ich Spieler daran erinnern, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen und ich nicht ihr Feind bin.

Sie haben Pawljutschenko bereits angesprochen. Die großen europäischen Klubs werden sich um ihn und Andrej Arschawin reißen. Was würden Sie ihnen in punkto Transfer empfehlen?

Es geht nicht um einen guten Vertrag. Der Wechsel muss für den Spieler Sinn machen. Es geht darum, seine Grenzen zu erweitern.

Scheinbar liebt die Fußball-Welt jetzt Russland. Wie stehen Sie dieser Euphorie gegenüber? Und was muss passieren, dass Russland sich international im Kreis der großen Nationen etabliert?

Die Popularität und Euphorie ist hervorragend, sie muss aber auch genutzt werden. Ich habe dem russischen Verband ein Konzept geschrieben, das auf zwei Säulen steht. Die erste Säule ist die Nationalmannschaft. Wir haben in zwei Jahren den Altersschnitt von 29 auf 25 Jahre gedrückt, damit das Team Jahre zusammenspielt. Die Säule B ist der Unterbau. Die Infrastruktur muss erneuert werden, also die Stadien, und die Jugendarbeit, also die Möglichkeiten für den Nachwuchs. Man kann mit den Jugendlichen nicht mehr wie vor 20 Jahren arbeiten. 140 Millionen Menschen wohnen in Russland, in Holland 16 Millionen. Sie können sich also ausrechnen, wieviel mehr Talent es statistisch gesehen in Russland geben muss.


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