02.03.2014

Guido Schäfer über Frauen, dicke Autos und Vlado Kasalo

»Ich fand den verdammt cool!«

1991 verließ Vlado Kasalo Deutschland, um Soldat im kroatischen Bürgerkrieg zu werden. Nach einem Jahr kehrte er überraschend nach Deutschland zurück und erlebte beim FSV Mainz die beste Zeit seiner Profi-Karriere. Auch dank Mitspieler Guido Schäfer. Für unsere große Heft-Reportage (11FREUNDE #148) sprachen wir mit Schäfer über seinen alten Kumpel.

Interview: Andreas Bock Bild: Nemanja Pancic

Guido Schäfer, wann haben Sie Vlado Kasalo zum letzten Mal gesehen?
Im Frühjahr 1994. Unser Trainer, Josip Kuze, kam in die Kabine und sagte: »Der Vlado kommt jetzt nicht mehr.«
 
Wussten Sie, was passiert war?
Ich habe gehört, dass er in der Nacht kurz vor einem Bundesligaspiel seine Sachen gepackt hat und einfach abgehauen ist. Ich fand das sehr schade, denn er war in den eineinhalb Jahren, in denen er in Mainz war, ein guter Kumpel geworden.
 
Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung?
Das war im Sommer 1992. Die Kabinentür ging auf, und herein kam ein Mann, der komplett in Versace gekleidet war. Schon seine Sonnenbrille muss teurer gewesen sein als alles andere in der Kabine.
 
Kasalo war aber kein Unbekannter für Sie.
Natürlich nicht, ich kannte die Geschichten aus seiner Nürnberger Zeit. Sein Ruf war vielleicht nicht der beste, doch als Kuze ihn vorstellte, war das alles vergessen. Er schwärmte regelrecht von Kasalo. Mir war er gleich sympathisch.
 
Was mochten Sie an Kasalo?
Ich fand Typen wie ihn immer schon interessant. Seine langen Haaren, die modernen Klamotten und dicken Autos – verdammt cool. Wir waren abends oft unterwegs, in Kneipen und Diskotheken, wo wir nach Frauen Ausschau gehalten haben. Wir haben einige gute Partys gefeiert.
 
Auch mit den anderen Spielern?
Manchmal. Da gab es zum Beispiel den Geburtstag von Josip Kuze, bei dem es anfangs ziemlich gesittet zuging. Als Kuze recht frühzeitig die Bar verließ, holte Vlado den kroatischen Schnaps Julicka,  raus. Dieses Getränk haben die meisten Spieler überhaupt nicht vertragen.
 
Kasalo erzählte, dass Sie sich gegenseitig mit dem Getränk eingerieben haben.
(lacht) Ja, und am nächsten Tag rief ich auf der Geschäftsstelle an und sagte, ich hätte eine Fischvergiftung. Dabei hatte ich gar keinen Fisch gegessen.
 
Wie wichtig war Geld für Vlado Kasalo?
Es war immer da. Als wir mal in Berlin gegen Tennis-Borussia gespielt haben, wurde während der Partie in der Kabine eingebrochen. Nach dem Spiel fragte Kuze, ob jemand was vermisse. Vlado zeigte auf seine leere Geldklammer und sagte: »Ja, 25.000 Mark!«
 
Wieso hatte er so viel Bargeld bei sich?
Das war normal bei ihm. Er hat es auch gerne gezeigt. Sowieso waren Statussymbole wichtig für ihn. Manchmal sagte er mitten im Spiel zu seinem Gegenspieler: »Ich habe einen 500er Mercedes. Was für ein Auto fährst du?«
 
Und woher hatte er soviel Geld?
Er war Topverdiener bei uns und hatte seinen Vertrag vermutlich wieder clever mit einigen Extras wie dem Mercedes ausgezockt. Über alles andere kann man nur spekulieren. Sicher ist: Geld war für ihn in erster Linie da, um es auszugeben.
 
Hat Ihnen Kasalos verruchtes Image imponiert?
Ich war ja auch verrucht. (lacht) Aber Vlado war eine ganz andere Kategorie. Ich erinnere mich an ein Trainingslager in Italien, als Davor Suker uns besuchte. Die beiden sind shoppen gegangen, und Vlado hat ihm eine Uhr gekauft, die 10.000 Mark gekostet hat. Das fand ich beeindruckend. Danach gingen wir auch häufiger zusammen einkaufen. Einmal haben wir uns Handys für weit über 1000 Mark gekauft. Wir konnten aber nur untereinander telefonieren, weil sonst niemand in Mainz ein Handy besaß.
 
Sie haben mal gesagt, Kasalo sei in den kroatischen Bars in Mainz sehr geachtet, wenn nicht sogar gefürchtet gewesen.
Er war ein bisschen »gangster« – dafür brauchte man keine Phantasie.
 
Was heißt das?
Ich glaube, dass er ganz gute Kontakte in Kreise hatte, die wir nur aus Filmen kannten. Aber er hatte auch eine Gangster-Ehre. Auf Vlado konnte man sich verlassen. Er war mir im Endeffekt lieber als die ganzen Spießer und Streber, die immer pünktlich zum Training kamen und nur »Ja« und »Amen« gesagt haben.
 

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