Günther Kunz im Interview

»Eine maßlose Enttäuschung«

Zur neuen Saison wird die 3. Liga eingeführt. Was bedeutet das für die Vereine? Wir sprachen mit Günther Kunz, Vize-Präsident von Kickers Emden, über nicht gehaltene Versprechen, sinnlose Investitionen und die Belastung für die Fans. Günther Kunz im InterviewKickers Emden
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Herr Kunz, in der nächsten Saison wird es die neue 3. Liga geben. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon hörten?

Ich habe mich gewundert, dass die großen Vereine es so widerspruchslos hingenommen haben, was da passiert ist. Es wissen doch alle, dass das nicht finanzierbar ist - oder nur sehr schwer.

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Sie sind also kein Fürsprecher dieser neuen Spielklasse?

Die eigentliche Idee der neuen 3. Liga ist gewesen, diese Liga näher an die zweite Liga heranzuführen und es den Vereinen, die dort hinwollen, wirtschaftlich zu erleichtern. Nun ist es eine maßlose Enttäuschung, wie die 3. Liga tatsächlich ausgestattet werden soll. Trotz der Halbierung der Staffel gibt es nicht einmal eine Verdopplung der Fernsehgelder! Was der DFB da als Zielsetzung angekündigt hat, ist so nicht zu erreichen. Auch die Vermarktung: Dass das Ding jetzt nicht einmal 3. Bundesliga sondern nur schlicht 3. Liga heißt, ist im Sinne der ursprünglichen Intention falsch.

Welche Erwartungen haben Sie an die eingleisige 3. Liga?


Wenn man sich die Abzeichnung der Zusammensetzung anschaut, wird die Dritte Liga auch nicht interessanter sein als die momentane Regionalliga.

Der DFB will die 3. Liga als neues Premiumprodukt im deutschen Fußball etablieren. Ist die Marke »3. Liga« wichtiger als die Vereine, die in dieser Liga spielen werden?

Jeder Verein ist natürlich für sich selbst verantwortlich. Der Fußball müsste sich doch eigentlich aus sich selbst heraus finanzieren, das heißt im wesentlichen aus Zuschauereinnahmen und Fernsehgeldern. Das müsste die Kosten decken - kriegt aber kein Verein hin.

Der DFB sorgt immerhin für ein erhöhtes Fernsehgeld.

Die Finanzierung der Vereine wird genauso schwierig sein wie jetzt in der Regionalliga. Die Vereine pfeifen aus dem letzten Loch, weil sie natürlich investieren müssen, um nach oben zu kommen. Und wenn das nicht klappt... das ist ja immer ein Verbanquespiel.

Wie geht Kickers Emden mit den Auflagen für eine Teilnahme an der 3. Liga um?

Wir müssen irrsinnige Auflagen erfüllen - Stadionsicherheit, Medienarbeitsplätze und und und. Wir haben relativ primitive Bedingungen, was sanitäre Räume und Krimskrams angeht - zu uns kann man Frau und Kind nicht mitnehmen. Da muss viel Geld bewegt werden, speziell bei uns, weil wir ein altes Stadion haben - ohne eine realistische Chance, das wir uns das wiederholen.

Ein neues Stadion würde sicherlich auch neue Fans bringen.

Wir haben gesehen: Überall, wo den Leuten mehr Komfort geboten wird, steigen die Zuschauerzahlen überproportional an. Darauf setzen wir auch. Wenn wir hier ein schmuckes Stadion stehen haben, ist Fußball in Emden ein Event für ganz Ostfriesland - allerdings nur in der 3. Liga.

Es kommen also teure Sanierungsarbeiten auf den Verein zu?

Wir planen einen Neubau, der dann auch zweitligatauglich sein soll. Die Finanzierung steht noch nicht, aber das Land Niedersachsen hat uns eine Bürgschaft zugesagt.

Eine eingleisige 3. Liga bedeutet weite Anfahrtswege. Wie viele Emdener fahren mit zu einem Auswärtsspiel nach Stuttgart?


Die können wir wahrscheinlich an einer Hand abzählen. (lacht) Die neuen Entfernungen für die mitreisenden Fans sind einfach zu riesig.


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