20.02.2009

Günter Eichberg im Interview

»Rudi und ich könnten das«

Günter Eichberg war der »Sonnenkönig« des FC Schalke. Heute ist Eichberg Bürgermeister von Bad Betrich. Vor dem Revierderby gegen Dortmund äußert er sich im Interview zur Schalker Führungskrise.

Interview: Michael König Bild: Imago
Günter Eichberg im Interview
Zu Ihrer Zeit galt Schalke 04 als Skandalnudel des deutschen Fußballs. Derzeit, so scheint es, bewegt sich der Klub erneut in diese Richtung. Warum kehrt auf Schalke keine Ruhe ein?

Auf Schalke gibt es nur Gut und Böse, nichts dazwischen. Wenn es gut läuft, heben sie dich in den Himmel. Wenn es schlecht läuft, möchten Sie dich am liebsten tot schlagen. Es wird immer alles übertrieben, weil die Menschen sich dem Verein so ungeheuer verbunden fühlen. Als ich Präsident wurde, wusste ich, was mich erwartet. Bei Herrn Tönnies, dessen Position man vielleicht mit der des Präsidenten vergleichen kann, bin ich mir nicht so sicher.

Wie sehr fühlen Sie sich dem Verein noch verbunden?

Ich bin Vereinsmitglied und komme ein, zwei Mal im Monat ins Stadion. Rudi Assauer (ehemaliger Schalke-Manager, die Red.) hat dort eine Loge, in die er mich mitnimmt. Zu ihm habe ich nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis.

Gibt es Kontakt zu der aktuellen Vereinsführung?

Man hört meine Stimme dort nicht, man will sie nicht hören. Ich war ja auch nicht gerade der unauffälligste Präsident, den Schalke je hatte. Dass man den an die Wand nagelt, wenn es schlecht läuft, kann ich verstehen. Aber es herrscht auch keine erbitterte Feindschaft. Auf der Beerdigungsfeier von Charly Neumann (Mannschaftsbetreuer und Schalker Original, die Red.) gab es ganz vernünftige Gespräche mit Josef Schnusenberg (Vereinsvorsitzender, die Red.) und Clemens Tönnies.

Haben die Fans Ihnen verziehen?

Die große Mehrheit, ja. Im Übrigen weiß ich gar nicht, was es groß zu verzeihen gibt.

Sie haben dem Verein Schulden in Höhe von 20 Millionen Mark hinterlassen...

Das sind doch Märchen. Wir haben an letzter Stelle in der zweiten Liga gestanden, als ich den Verein in der Winterpause übernahm. Als ich weggegangen bin, waren wir Achter der ersten Liga. Und für die Schulden habe ich selbst gerade gestanden.

Im Falle einer Niederlage gegen Dortmund wird Schalke wohl Geld ausgeben müssen: Angeblich sollen Trainer Fred Rutten und Manager Müller ersetzt werden. Laut einem Bericht der Bild sucht Clemens Tönnies nach einem Teammanager, der beide Jobs in Personalunion übernimmt.

Es gibt nur einen Mann, der das kann: Felix Magath. Er verfügt über eine überdurchschnittliche Intelligenz und kennt den Fußball in- und auswendig. Tönnies müsste einen zweiten Magath finden. Aber ich bezweifle, dass er den Markt gut genug kennt.

Haben Sie einen Tipp für ihn?

Rudi Assauer und ich, wir könnten das machen - gemeinsam mit einem tüchtigen Finanzmann. Wir würden wahrscheinlich sogar Beifall bekommen, wenn wir auf der Jahreshauptversammlung gemeinsam auftreten würden.

Was macht Sie da so sicher?

Mein Selbstbewusstsein. Außerdem weiß ich, dass 80 Prozent der Schalker hinter mir stehen. Früher wurde ich mit 95 bis 99 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt, heute würde manch einer in anderen Vereinen schon bei 80 Prozent in die Hände klatschen.

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung"

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