Günter Eichberg im Interview

»Rudi und ich könnten das«

Günter Eichberg im InterviewImago

Bad Bertrich in der rheinland-pfälzischen Eifel hat rund 900 Einwohner und ist berühmt für sein heilsames Berqquellwasser. Und für seinen Bürgermeister: Günter Eichberg war von 1989 bis 1993 Präsident des FC Schalke 04. In die Amtszeit des »Sonnenkönigs« fällt der Wiederaufstieg in die erste Bundesliga – aber auch für zahlreiche Eskapaden ist Eichberg bekannt. Weil er zur Beerdigung der Schalker Legende Ernst Kuzorra zu spät kam, wurde die Zeremonie kurzerhand wiederholt. Nachdem Eichberg als Inhaber mehrerer Krampfader-Kliniken in finanzielle Probleme geraten war, siedelte er für knapp zehn Jahre nach Florida über. Nach seiner Rückkehr wurde er im Juni 2004 zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Bad Bertrich gewählt.


Günter Eichberg, blutet Ihnen das Herz, wenn Sie lesen, was derzeit über Schalke in der Zeitung steht?

Natürlich, wem würde das nicht weh tun? Mit dem aktuellen Zustand kann niemand zufrieden sein, dessen Herz an Schalke hängt. Die Mannschaft hat ein riesiges Leistungspotenzial, verschwendet es aber oft leichtfertig.

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Und jetzt geht es auch noch gegen Dortmund.

Wenn man cool genug ist, ist das ein Spiel wie jedes andere. Aber die Fans sehen das natürlich anders. Und die Medien auch. Und wenn es auf Schalke kracht, dann richtig.

Die Fans forderten zuletzt vehement den Rauswurf von Manager Andreas Müller. Sie sagten einst in einem Interview, Müller könne ein »ganz Großer« werden. Haben Sie sich geirrt?

Jeder hat die Chance, ein Großer zu werden. Für Andreas, der mir näher steht als andere, weil er zu meiner Zeit der Spielführer war, gilt das auch immer noch. Aber im Moment tut er sich schwer.

Was macht er falsch?

Er hat bei mehreren Einkäufen kein glückliches Händchen gehabt, den Vorwurf muss er sich gefallen lassen. Aber er hat das ja nicht alleine gemacht: Der Trainer war involviert, der Aufsichtsrat war mit dabei und der Vorstand auch. Wenn ich früher einen Spieler kaufen wollte, bin ich los gegangen und habe ihn gekauft. Andreas Müller kann das nicht.

Auch Ihnen wurde einst eine verfehlte Transferpolitik vorgeworfen. Für den Bayern-Stürmer Radmilo Mihajlovic sollen Sie drei Millionen Mark bezahlt haben. In 58 Spielen für Schalke schoss er zwölf Tore.


Mihajlovic war ein ganz Großer, sonst hätte der nicht bei den Bayern gespielt. Er harmonierte nicht mit McInally (damaliger Bayern-Stürmer, die Red.), deshalb ergab sich die Möglichkeit, ihn zu bekommen. Dafür hätte ich im Klub nie eine Mehrheit gefunden, deshalb habe ich ihn selbst bezahlt. Und zwar sowohl die Ablöse für Herrn Hoeneß als auch ein bestimmtes Handgeld für den Spieler. Ich habe einen Scheck auf den Tisch gelegt - und fertig. Andreas Müller kann das nicht. Clemens Tönnies (Vorsitzender des Aufsichtsrates, d. Red.) könnte das, aber so verrückt ist er nicht.

Herr Tönnies würde den Griff in die Privatschatulle vermutlich als unseriös empfinden.

Ich würde es in diesem Ausmaß ja auch nicht mehr machen. Aber wenn im Etat mal eine Million fehlt, da würde ich an Tönnies’ Stelle sagen: Kommt, hier habt ihr die Million, ihr könnt sie mir zurückgeben, wenn ihr wieder flüssig seid. Dazu muss man allerdings ein Vollblutfußballer sein. Herr Tönnies betreibt modernes Management, sehr sachlich, aber ohne Fußballherz. Er verzichtet auf diese Sprünge, die ich manchmal gemacht habe. Wenn es dem Verein schlecht ging, ging es auch mir schlecht. Ob Herr Tönnies auch so fühlt, weiß ich nicht.

Zu Ihrer Zeit galt Schalke 04 als Skandalnudel des deutschen Fußballs. Derzeit, so scheint es, bewegt sich der Klub erneut in diese Richtung. Warum kehrt auf Schalke keine Ruhe ein?

Auf Schalke gibt es nur Gut und Böse, nichts dazwischen. Wenn es gut läuft, heben sie dich in den Himmel. Wenn es schlecht läuft, möchten Sie dich am liebsten tot schlagen. Es wird immer alles übertrieben, weil die Menschen sich dem Verein so ungeheuer verbunden fühlen. Als ich Präsident wurde, wusste ich, was mich erwartet. Bei Herrn Tönnies, dessen Position man vielleicht mit der des Präsidenten vergleichen kann, bin ich mir nicht so sicher.

Wie sehr fühlen Sie sich dem Verein noch verbunden?

Ich bin Vereinsmitglied und komme ein, zwei Mal im Monat ins Stadion. Rudi Assauer (ehemaliger Schalke-Manager, die Red.) hat dort eine Loge, in die er mich mitnimmt. Zu ihm habe ich nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis.

Gibt es Kontakt zu der aktuellen Vereinsführung?

Man hört meine Stimme dort nicht, man will sie nicht hören. Ich war ja auch nicht gerade der unauffälligste Präsident, den Schalke je hatte. Dass man den an die Wand nagelt, wenn es schlecht läuft, kann ich verstehen. Aber es herrscht auch keine erbitterte Feindschaft. Auf der Beerdigungsfeier von Charly Neumann (Mannschaftsbetreuer und Schalker Original, die Red.) gab es ganz vernünftige Gespräche mit Josef Schnusenberg (Vereinsvorsitzender, die Red.) und Clemens Tönnies.

Haben die Fans Ihnen verziehen?

Die große Mehrheit, ja. Im Übrigen weiß ich gar nicht, was es groß zu verzeihen gibt.

Sie haben dem Verein Schulden in Höhe von 20 Millionen Mark hinterlassen...

Das sind doch Märchen. Wir haben an letzter Stelle in der zweiten Liga gestanden, als ich den Verein in der Winterpause übernahm. Als ich weggegangen bin, waren wir Achter der ersten Liga. Und für die Schulden habe ich selbst gerade gestanden.

Im Falle einer Niederlage gegen Dortmund wird Schalke wohl Geld ausgeben müssen: Angeblich sollen Trainer Fred Rutten und Manager Müller ersetzt werden. Laut einem Bericht der Bild sucht Clemens Tönnies nach einem Teammanager, der beide Jobs in Personalunion übernimmt.

Es gibt nur einen Mann, der das kann: Felix Magath. Er verfügt über eine überdurchschnittliche Intelligenz und kennt den Fußball in- und auswendig. Tönnies müsste einen zweiten Magath finden. Aber ich bezweifle, dass er den Markt gut genug kennt.

Haben Sie einen Tipp für ihn?

Rudi Assauer und ich, wir könnten das machen - gemeinsam mit einem tüchtigen Finanzmann. Wir würden wahrscheinlich sogar Beifall bekommen, wenn wir auf der Jahreshauptversammlung gemeinsam auftreten würden.

Was macht Sie da so sicher?

Mein Selbstbewusstsein. Außerdem weiß ich, dass 80 Prozent der Schalker hinter mir stehen. Früher wurde ich mit 95 bis 99 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt, heute würde manch einer in anderen Vereinen schon bei 80 Prozent in die Hände klatschen.

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